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Geigenbauer verpfändet fremde Sammlung

Ein Geigenbauer hat eine millionenschwere Sammlung von Geigenbogen verpfändet. Diese gehörte ihm aber gar nicht.

Ein Geigenbauer ging mit der wertvollen Bogensammlung eines Kunden um, als wäre es seine eigene.
Ein Geigenbauer ging mit der wertvollen Bogensammlung eines Kunden um, als wäre es seine eigene.
Colourbox

Weil er eine Sammlung historischer Geigenbogen im Wert von zwei Millionen Franken veruntreut hat, steht ein 61-jähriger Geigenbauer seit Mittwoch vor dem Wirtschaftsstrafgericht des Kantons Bern. Geschädigt hat er ein Ehepaar, das die Sammlung verkaufen wollte.

Die von der AHV und ihrem Vermögen lebenden Eheleute erklärten vor Gericht, sie hätten an Stelle einer Pensionskasse in die nach und nach von ihnen aufgebaute Sammlung investiert. Diese hätten sie 2008 zu Geld machen wollen.

Widerrechtliches Pfand

Der im internationalen Instrumentenhandel bewanderte Geigenbauer hätte die 61 Bogen für rund zwei Millionen Franken verkaufen sollen. «Ich war überzeugt, dass mir das innert eines Jahres gelingen würde», sagte der Mann dem Gericht. Doch es sei schwieriger gewesen als erwartet. Deshalb habe er die Sammlung an einen Händler in London weitergereicht.

Im gleichen Zeitraum habe der Händler ihm eine wertvolle historische Geige zur Restaurierung anvertraut, berichtete der Beschuldigte weiter. Diese sei ihm gestohlen worden. Für deren Wert habe der Londoner die Bogensammlung als Pfand genommen.

Kein Geld für Entschädigung

Er habe keine Möglichkeit gehabt, das Besitzerpaar für den Verlust zu entschädigen, fuhr der Angeschuldigte fort. Denn eine von ihm gekaufte und restaurierte Amati-Geige sei wegen Ansprüchen eines früheren Besitzers von der italienischen Polizei beschlagnahmt worden.

Er bedaure das Vorgefallene ausserordentlich und schäme sich, sagte der Angeklagte. Denn die Eheleute seien durch die 15-jährige Kundenbeziehung und die geteilte Passion für historische Instrumente zu Freunden geworden.

Er sei zuversichtlich, innert eines Jahres einen Teil seiner Instrumentensammlung verkaufen und die Kläger mit dem Erlös entschädigen zu können.

Staatsanwalt hegt Zweifel

Nicht so recht glauben konnte das alles der Staatsanwalt für Wirtschaftsdelikte. Für die widerrechtliche Aneignung der Sammlung durch den Londoner Händler gebe es keinen Beweis. Mit dessen Namen sei der Beschuldigte ja erst in der Gerichtsverhandlung herausgerückt, angeblich, um nicht weitere Geschäfte zu gefährden.

Betrachte man die Rechtsverfahren gegen den Angeschuldigten in Italien und die Verurteilung wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung 2012 in Genf, so ergebe sich ein Muster, meinte der Staatsanwalt: Der Geigenbauer gehe mit ihm anvertrauten Instrumenten und Geldbeträgen um als seien sie sein Eigentum.

Um finanzielle Löcher zu stopfen, greife er zu widerrechtlichen Mitteln. Die Veruntreuung sei mit einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten zu ahnden.

Verkettung unglücklicher Umstände

Die Verteidigerin machte geltend, ihr Mandant habe nie vorgehabt, die Kläger nicht zu entschädigen. Eine Verkettung unglücklicher Umstände habe ihm dies verunmöglicht. Eine unbedingte Strafe würde ihm die Gelegenheit nehmen, den Schaden zu vermindern.

Das Gericht gibt sein Urteil am Donnerstagnachmittag bekannt.

SDA/nik

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