Gelb-Schwarz ins höchste Amt

Bern

Am Donnerstag wird Philip Kohli zum Berner Stadtratspräsidenten gewählt. Sein Herz sei «gäubschwarz», sagt Kohli mit Blick auf die Farben seiner Partei – der BDP – und seines Herzensvereins YB.

Strahlend ins hohe Amt: Philip Kohli im Museum für Kommunikation.

Strahlend ins hohe Amt: Philip Kohli im Museum für Kommunikation.

(Bild: Beat Mathys)

Christoph Hämmann

Die BDP hat nur selten ­etwas zu feiern. Gut zehn Jahre nach ihrer Gründung wird stattdessen darüber diskutiert, ob sie überhaupt noch eine Zukunft hat. Übermorgen jedoch ist für die Partei wieder einmal ein Freudentag: Ihr Stadtrat Philip Kohli wird Stadtratspräsident und damit für ein Jahr höchster Berner.

Mit 27 Jahren wird Kohli der Jüngste sein, der dieses Amt ­jemals bekleidet hat. Das mag damit zusammenhängen, dass hinter der ersten Garde der BDP – den Gasches, Grunders oder ­­Simons – ein ­Vakuum herrschte, in das Kohli ganz jung vorstiess. Dies wiederum hat damit zu tun, dass seine Mutter ebenfalls zur ersten BDP-Nomenklatura gehört: ­Vania Kohli, Alt-Stadträtin, 2011 selber Stadtratspräsidentin, Grossrätin.

Mit der Mutter in die BDP

Philip Kohlis Einstieg in die Politik war denn auch eine Art Familienaffäre: Als er vor sieben Jahren in den Stadtrat kam, tat er dies, ohne 2008 kandidiert zu haben – 2008 noch minderjährig, wäre ihm dies auch gar nicht gestattet gewesen. Vielmehr hatte die BDP nach einigen Abgängen niemand mehr, der hätte nachrutschen können. Also meldete die Partei Jungspund Kohli als Stadtrat an.

Politisiert worden war er, Absolvent einer englischsprachigen Matur und angehender Fürsprecher, als Gymeler im Muristalden. «Plötzlich war ich in einem Umfeld, in dem diskutiert und demonstriert wurde.» Das habe ihn zum Nachdenken gebracht, erzählt Kohli. Und zur Erkenntnis in einem eher linken Milieu: «Ich bin ein Bürgerlicher.» Als 2008 das Rumoren in der SVP in die Abspaltung der BDP mündete, habe es ihn in die Politik gedrängt. «Die Gründung der BDP war für mich eine glückliche Fügung.» Zusammen mit Mutter Vania, einstiger Jungfreisinniger, schloss er sich der neuen Partei an. 2012 und 2016 wurde er als Stadtrat souverän wiedergewählt – und dies, obwohl die Partei 2016 von sieben nur drei Sitze verteidigte.

Von sieben Sitzen auf zwei

Damit hatte die städtische BDP die Talsohle noch immer nicht erreicht: Letztes Jahr wechselte Ruth Altmann zur FDP. Als BDP-Vertreter verblieben Kohli und Lionel Gaudy, den er als ehemaligen Arbeitskollegen für die Partei motiviert hatte. Die BDP habe eine Zukunft, ist Kohli überzeugt. «Am Anfang waren wir überrepräsentiert, jetzt sind wir auf einem Niveau, von dem aus es wieder aufwärtsgehen kann.» Für ihn stehe die BDP für Anstand und für den Versuch, Fronten aufzuweichen, sagt Kohli, ehe er salopp anfügt: «Wir haben halt weder die Velos noch die Ausländer als Thema, mit dem es sich einfach politisieren lässt.»

«Wir haben bei der BDP halt weder die Velos noch die Ausländer als Thema, mit dem es sich einfach politisieren lässt.»Philip Kohli, BDP-Stadtrat und designierter Stadtratspräsident

Der Spruch erinnert an den jüngeren Kohli, der sich in den sozialen Medien – wo er sich auch mal gerne in Pose wirft – manch hitziges Duell lieferte. Kommunikation fasziniere ihn, sagt Kohli, der für das Gespräch das Museum für Kommunikation vorgeschlagen hat. Selber pflege er einen direkten Kommunikationsstil, «und manchmal muss ich aufpassen, dass dies nicht als zu wenig respektvoll wahrgenommen wird». Daran habe er gearbeitet, und erst recht werde er während des Präsidialjahres um eine konstruktive Kommunikation bemüht sein. 

«Kommunikation, Fairness und Teamwork» seien seine wichtigsten Werte, so Kohli. Als Vorbild für erfolgreiches Teamwork kann YB dienen, der Fussballclub mit den Farben, die auch die BDP für sich gewählt hat – und der Kohli schon bewegte, lange bevor es die BDP gab. «Mein Herz ist gäubschwarz», sagt Kohli ernsthaft. Die Meisternacht, geteilt mit Partnerin Myriam, Bruder David und BDP-Kumpel Gaudy, sei der glücklichste Moment seines ­Lebens gewesen.

Fokus auf Sachgeschäfte

Im Stadion sitze er hinter der Spielerbank, «ganz nah am Geschehen, das entspricht meinem Naturell». Im Stadtrat dagegen wird er nun in erhöhter Position das Geschehen moderieren. Dass er sich als Parlamentarier zurücknehmen muss, dürfte ihm nicht allzu schwer fallen, ist Kohli doch nie mit vielen Vorstössen aufgefallen. «Für mich stehen die Sachgeschäfte im Vordergrund: Sanierung der Schul- und Sportanlagen, Stadtentwicklung, Budget.» Der Anteil der Geschäfte, die nur der Selbstprofilierung dienen würden, sei seiner Ansicht nach viel zu hoch.

Zur Feier lädt Kohli am Donnerstag in die Presidents Lounge im Stade de Suisse. Es bedeute ihm viel, die Stadt repräsentieren zu dürfen, und er freue sich auf viele Begegnungen mit der Bevölkerung oder Institutionen wie der Burgergemeinde, mit der er den guten Austausch weiter pflegen wolle. Auch hier ist Kohli erblich vorbelastet: Sein Vater war jahrelang Chef der Verwaltung der Burgergemeinde. 

Wie seine politische Karriere danach weitergeht? Das werde man sehen, so Kohli. Einerseits möchte er die BDP 2020 als Parteivizepräsident in die städtischen Wahlen führen und dort das Resultat von 2016 verbessern. Andererseits ist er erster Ersatz für den einen Sitz, den die städtische BDP im Kantonsparlament hält. Sollte Vania Kohli einmal zurücktreten, würde Philip Kohli nachrutschen.

Berner Zeitung

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