Zum Hauptinhalt springen

Nationale Paradieszone für junge Eltern

Der Berner Gemeinderat will für Stadtangestellte eine Elternzeit einführen und dafür Mutter- und Vaterschaftsurlaub kürzen. Das stösst nicht nur auf Begeisterung.

Während in der Schweiz gesetzlich nur ein Tag Vaterschaftsurlaub vorgeschrieben ist, will die Stadt Bern den diesen von vier auf sechs Wochen anheben. Und auch Müttern sollen zusätzlich zum Mutterschaftsurlaub 6 Wochen Elternurlaub erhalten (Symbolbild).
Während in der Schweiz gesetzlich nur ein Tag Vaterschaftsurlaub vorgeschrieben ist, will die Stadt Bern den diesen von vier auf sechs Wochen anheben. Und auch Müttern sollen zusätzlich zum Mutterschaftsurlaub 6 Wochen Elternurlaub erhalten (Symbolbild).

Die Berner Stadtregierung gibt die Teilrevision des Personalreglements für ihre 4500 Angestellten in die Vernehmlassung und hegt Ambitionen auf einen Schweizer Rekord: Sie will einen Elternurlaub von 12 Wochen einführen, der je zur Hälfte auf Vater und Mutter aufgeteilt wird.

Wie der Gemeinderat schreibt, würde die Stadt Bern damit zu den Spitzenreitern im öffentlichen Sektor gehören. Fast nirgends ginge es in Zukunft jungen Eltern besser, als wenn sie bei der Stadt Bern angestellt sein würden.

Das Ziel der Verbesserung ist es, die Attraktivität der Berner Stadtverwaltung als Arbeitgeberin weiter zu steigern, besonders vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels.

Allerdings muss man rechnen, damit der von der Stadt vorgesehene Ausbau im Nettobetrag ersichtlich wird. Heute haben Frauen Anrecht auf 16 Wochen Mutterschaftsurlaub und Väter auf 4 Wochen Vaterschaftsurlaub. Neu hätten Männer keinen Vaterschaftsurlaub mehr, dafür 6 Wochen Elternzeit.

Der Mutterschaftsurlaub würde auf 14 Wochen gekürzt, ergänzt mit 6 Wochen Elternzeit. Unter dem Strich schlägt der Gemeinderat einen Ausbau der Elternzeit vor, der teilweise kompensiert wird mit einer Reduktion des geburtsbezogenen Urlaubs.

Tropfen auf heissen Stein

GB-Stadträtin Regula Bühlmann hält fest, dass die Stadt drauf und dran sei, «zwei Schritte vorwärts und einen zurück zu machen». Sie begrüsst es zwar, dass die Regierung die Initiative ergreift und auf lokaler Ebene einen Teil des Rückstands aufzuholen versucht, den sich die Schweiz im internationalen Vergleich auf dem Gebiet bezahlter Elternzeit eingehandelt hat. Nicht akzeptabel findet sie, dass man dafür Vater- und Mutterschaftsurlaub teilweise opfern will: «Wir werden uns auf jeden Fall dafür einsetzen, dass das nicht passiert.»

Die Frage der Einführung von Elternzeit wird auch auf kantonaler und nationaler Ebene diskutiert und von verschiedenen Parteien bearbeitet. Regula Bühlmann bestätigt, dass in der Diskussion die Begriffe oft durcheinandergebracht werden.

Elternzeit für Gleichstellung

Mutter- und Vaterschaftsurlaub dienten dazu, es den Eltern unmittelbar nach der Geburt zu ermöglichen, eine Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen und sich um seine Bedürfnisse zu kümmern. Die Elternzeit sei für später gedacht, wenn es darum gehe, sich als Familie zu organisieren.

Elternzeit sei für die Gleichstellung wichtig und erhöhe die Chancen, dass sich auch Frauen beruflich weiterentwickeln. Doch wenn der Gemeinderat dafür Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub kürzen wolle, verstosse er gegen seine eigenen Prinzipien der Gleichstellung, sagt Regula Bühlmann.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch