Gerangel im Burgernziel

Die Überbauung des Tramdepots Burgernziel verzögert sich weiter. Falls die Stadt mit ihren Verkehrsprojekten zügig vorankommt, droht gar ein jahrelanger Stillstand.

Die Zwischennutzungen im Burgernziel sind verlängert worden.

Die Zwischennutzungen im Burgernziel sind verlängert worden. Bild: Urs Baumann

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Ende 2017 nahm die Planung für die Überbauung des ehemaligen Berner Tramdepots Burgernziel eine wichtige Hürde: Die Stadt überwies 38 Grund­eigen­tümern in der Nachbarschaft eine ­«Kulanz­­ent­schä­di­gung» von je 10 000 Franken. Damit waren die Dienstbarkeiten vom Tisch, die zuvor das Projekt blockiert hatten (wir berichteten).

Endlich konnten die Investoren – Gebäudeversicherung Bern (GVB) und Wohnbaugenossenschaft Acht (wbg8) – vorwärtsmachen. Als Bieter­gemeinschaft hatten sie im Sommer 2016 den Zuschlag erhalten, das Projekt mit 102 Wohnungen, Gastro-, Quartier- und Gewerberäumen sowie Schule und Kita zu realisieren. Im Februar 2018 werde das Baugesuch eingereicht, teilten sie Ende 2017 mit.

Drei grosse Verkehrsprojekte

Vier Monate nach dem vorgesehenen Termin ist das Bau­gesuch noch immer nicht beim städtischen Bauinspektorat eingetroffen. Laut GVB-Medienstelle sind dafür «laufende Absprachen mit der Stadt» verantwortlich. Dabei gehe es um die Umgebungs­planung bei der Gesamterneuerung der Thunstrasse und um provisorische Bernmobil-Leitungen, die beim Abbruch des Tram­depots erstellt werden müssen.

Tatsächlich hat die Stadt im gleichen Perimeter grosse Verkehrsprojekte am Laufen. 2015 bewilligte das Parlament einen Projektierungskredit von 2,4 Millionen Franken, damit drei Vor­haben vertieft bearbeitet werden konnten: die Um­gestaltung des Thunplatzes, die Sanierung der Thunstrasse Ost inklusive Umbau des Knotens Burgernziel sowie die Sanierung des Ostrings.

Für den Ostring rechnet der interimistische Stadtingenieur Reto Zurbuchen demnächst mit der Baubewilligung des Bundesamts für Verkehr. Im Plangenehmigungsverfahren habe es keine Einsprachen gegeben, so Zurbuchen. Nach den Sommerferien gehe die Vorlage für den Bau­kredit an den Gemeinde-, danach an den Stadtrat. «Wir hoffen, in der zweiten Hälfte 2019 auf diesem Abschnitt bauen zu können.»

Wer zuerst darf, baut zuerst

Der Ostring eine Baustelle bis zum Burgernzielkreisel, an dessen südwestlichem Ende das ehemalige Tramdepot liegt, das überbaut werden soll – ­natürlich müssen diese Projekte mit­einander koordiniert werden. Er schliesse nicht aus, dass die verschiedenen Baustellen parallel funktionieren könnten, so Zurbuchen.

Das heisst umgekehrt aber auch, dass dies noch nicht entschieden ist. «Wir sind in engem Austausch mit den Bauträgern im Burgernziel», sagt er. «Dabei ist das Wichtigste, dass das Quartierleben ununterbrochen funktioniert und der Verkehr geregelt ist.» Besonders herausfordernd ­wären zwei gleichzeitige Baustellen, wenn neben der Wohnüberbauung die Thunstrasse Ost ­saniert würde, womit die eine Baustelle entlang der anderen führte.

Hier ist die Stadt aber auch noch nicht so weit, dass sie bald mit schwerem Gerät los­legen könnte: Derzeit läuft das Vorprojekt, laut Zurbuchen ist Bau­beginn frühestens 2022. «Weil in diesem Abschnitt die Tramgleise vor ein paar Jahren not­saniert wurden, sind wir dort weniger unter Zeitdruck als bei den beiden anderen Teil­stücken.»

Stehen zwei Baustellen in Konkurrenz zueinander, gilt laut Zurbuchen die Regel: «Wer zuerst die Baubewilligung hat, der baut zuerst.» Mit anderen Worten: Wenn GVB und wbg8 ihr Baugesuch bald einreichen, haben sie gute Chancen, vor der Stadt mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Enger präsentiert sich die Ausgangslage, wenn sich gegen die Überbauung des Tramdepots ein langwieriges Einspracheverfahren entspinnt.

Punto mal bis Januar 2019

Bei der GVB ist man zuversichtlich. Die Absprachen mit der Stadt sollten «in Kürze abgeschlossen sein», dann werde das Baugesuch eingereicht. Seit der Bereinigung der Dienstbarkeiten sei man mit der Nachbarschaft «in gutem Einvernehmen». Ohne Einsprachen könnten die Bauarbeiten im Frühling 2019 beginnen und die Wohnungen im Frühling 2021 bezugsbereit sein – was allerdings sehr optimistisch kalkuliert ist.

In jedem Fall eine weitere Verlängerung auf sicher haben die verschiedenen Zwischennutzungen beim ehemaligen Tramdepot wie das Restaurant Punto. Die Verträge sind laut GVB bis 31. Januar 2019 verlängert worden. Zunächst. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.06.2018, 07:27 Uhr

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