Geschäft mit libyschem Diplomat: Chefarzt muss gehen

Bern

Die Hirslanden-Gruppe trennt sich von einem Chefarzt, welcher der Beihilfe zur Veruntreuung beschuldigt ist.

Ein Arzt der Hirslanden-Gruppe, die in der Stadt Bern unter anderem die Klinik Beau-Site betreibt, muss gehen. Er ist der Beihilfe zur Veruntreuung beschuldigt.

Ein Arzt der Hirslanden-Gruppe, die in der Stadt Bern unter anderem die Klinik Beau-Site betreibt, muss gehen. Er ist der Beihilfe zur Veruntreuung beschuldigt.

(Bild: zvg)

Michael Bucher@MichuBucher

Zuerst liess die Richterin den Hammer fallen: Ein Berner Chefarzt wurde im Januar wegen Beihilfe zur Veruntreuung zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt. Ausserdem brummte ihm das kantonale Wirtschaftsstrafgericht die Verfahrenskosten von 21000 Franken auf, wie «Der Bund» damals berichtete.

Noch im selben Monat musste der Chefarzt auch bei seinem Arbeitgeber, der Hirslanden-Gruppe, antraben. Die Folge: Seit Ende Januar arbeitet der Mann nicht mehr dort. Dies bestätigt die Privatklinikgruppe auf Anfrage.

Zu den Trennungsgründen wolle man sich aufgrund des Persönlichkeitsschutzes zwar nicht äussern, doch laut gut unterrichteten Quellen ist das Gerichtsverfahren der Grund dafür.

180'000 Franken vergütet

Was war geschehen? Ein Diplomat der libyschen Botschaft in Bern schickte dem Berner Chefarzt Patientendossiers libyscher Staatsbürger. Dieser sollte eine Kostenschätzung abgeben. Als Honorar winkten ihm 20 Prozent der von ihm prognostizierten Behandlungskosten.

Die libysche Botschaft überwies ihm jedoch nicht nur sein Honorar, sondern auch gerade die Behandlungskosten. Und dies, obwohl der Arzt die Patienten gar nicht behandelte. Insgesamt landeten so über 900'000 Franken auf seinem Konto. 80 Prozent davon musste der Arzt auf private Konten des libyschen Diplomaten weiterleiten. 180'000 Franken strich er selber ein.

Für die Berner Staatsanwaltschaft und die Richterin war klar: Der libysche Diplomat plünderte die Kasse seiner Botschaft – mit gütiger Unterstützung des Berner Arztes, der die Transaktion verschleiern sollte. Das Gericht verfügte, dass der Arzt sein bezogenes Honorar dem Kanton abliefert. Aufgeflogen war der Fall übrigens, weil die Credit Suisse bei der Transaktion hellhörig geworden war, wie es in dem «Bund»-Artikel heisst.

Hirslanden wusste von nichts

Das Geschäft habe bei ihm keine Fragen aufgeworfen, meinte der Arzt vor Gericht. Er habe in der Vergangenheit auch Mitglieder des Ghadhafi-Regimes behandelt und sei heute Hausarzt mehrerer ausländischer Botschafter. Der Chefarzt erarbeitete die Kostenschätzung für die insgesamt 18 Patienten in seiner Freizeit. Das Geld floss über das Konto seiner privaten GmbH. Das Briefpapier besorgte er jedoch bei seinem Arbeitgeber.

Wusste man dort davon? «Hirslanden Bern hatte keine Kenntnis von einer solchen Nebenbeschäftigung», schreibt die Spitalgruppe in einer Stellungnahme. Damit hat der Arzt gegen das Personalreglement verstossen, denn dieses schreibt eine Meldepflicht für Nebentätigkeiten vor, wie Hirslanden festhält.

Berner Zeitung

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