Gewalt gegen YB-Fans: GC-Hooligan muss Geldstrafe bezahlen

Gegen 30 vermummte GC-Fans ­griffen 2016 vor einem Cupmatch gegen YB Gäste eines Restaurants beim Stade de Suisse an. Nun hat das ­Gericht einen der beteiligten Zürcher Fans zu einer Geldstrafe verurteilt.

Prügeln sich vor dem Cup-Duell mit den Berner Anhängern: GC-Fans im Stade de Suisse. (26. Oktober 2016) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Prügeln sich vor dem Cup-Duell mit den Berner Anhängern: GC-Fans im Stade de Suisse. (26. Oktober 2016) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Cupspiel war eine einseitige Angelegenheit. Mit einer 5:0-Packung schalteten die Young Boys den Grasshopper-Club Zürich aus dem K.-O.-Wettbewerb aus. Deutlich besser organisiert und angriffiger zeigten sich die GC-Anhänger vor dem Spiel, jedoch im negativen Sinn bei einem Vorfall vor dem Stade de Suisse.

Die Kantonspolizei Bern schrieb in einem Communiqué von rund zwei Dutzend Personen aus dem GC-Fanlager, die unvermittelt YB-Fans im Eleven beim Stadion angegriffen. Eine weitere Fangruppe schloss sich dem Angriff an.

Die Vermummten warfen Tische, Stühle, Flaschen und weitere Gegenstände gezielt in Richtung Gäste. Acht Personen wurden leicht verletzt.

Fünf Monate später verhaftet

Die Polizei ging damals wegen des Vorgehens von einer koordinierten und abgesprochenen Aktion aus. Koordiniert war ebenfalls die Aktion Anfang März 2017 der Kantonspolizei Bern zusammen mit der Kantons- und Stadtpolizei Zürich.

Nach umfangreichen Ermittlungen wurden im Kanton Zürich sieben Personen verhaftet. Dabei wurden unter anderem Vermummungsmaterial, zwei Schlagstöcke und Pyromaterial sichergestellt.

«Es ist nicht so rausgekommen, wie es geplant gewesen war.»Angeklagter GC-Fan

Anfang Woche musste sich einer dieser GC-Fans vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland verantworten, unter anderem wegen Angriff, Landfriedensbruch sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte.

Im blauen Shirt und Jeans-Short erschien der knapp 24-Jährige vor Gericht. Die Verhandlung fand im abgekürzten Verfahren statt.

Der Zürcher hatte seine Taten eingestanden und sich mit dem Staatsanwalt auf ein Strafmass geeinigt: eine unbedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 70 Franken und eine Busse. Insgesamt muss der Mann 17'000 Franken bezahlen.

Über Chatgruppe organisiert

Bei der kurzen Befragung vor ­Gericht gab sich der Angeklagte wortkarg, die Fragen von ­Gerichtspräsidentin Bettina Bochsler waren länger als seine Antworten. «Es ist nicht so rausgekommen, wie es geplant gewesen war», gab er zu Protokoll. Es sei blöd gelaufen, es tue ihm leid: «Ich habe aus dem Vorfall meine Lehren gezogen.»

Aus der Anklageschrift geht hervor, dass der Mann mit zwei weiteren Personen über eine Chatgruppe den Aufmarsch von gewaltbereiten GC-Anhängern geplant hat, mit der Absicht, rund um das Stade de Suisse ­«Gewalttätigkeiten gegen Menschen und Sachen» auszuüben.

«Ihm blieb nicht viel anderes übrig als ein Geständnis aufgrund der vielen Beweise.»Gerichtspräsidentin

Am Tag vor dem Match erteilten die ­Organisatoren über Whatsapp die Anweisungen für die Reise nach Bern. Der 24-Jährige war sowohl beim Angriff aufs Eleven dabei als auch in einer zweiten Phase, in der es zu tätlichen Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen ist.

Nach dieser Konfrontation nahm der Angeklagte unter dem Schutz von Kollegen seine Sturmhaube ab und wechselte seine Jacke. Die Kleidungsstücke wurden in einem bereitstehenden Auto deponiert.

Harte Verhandlungen

Es seien harte Verhandlungen über das Strafmass gewesen, blickte der Verteidiger auf die Gespräche mit dem Staatsanwalt zurück. Das abgekürzte Verfahren sei an einem «seidenen Faden» gehangen. Denn für den GC-Fan stand noch der Widerruf einer im Jahr 2015 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von knapp 10'000 Franken im Raum – auch diese Strafe im Zusammenhang mit einem Fussballspiel. Diese wird nun nicht widerrufen, jedoch die Probezeit um anderthalb Jahre verlängert.

Hingegen ist die neue Strafe unbedingt. Gegen den ­Zürcher ist zudem ein Stadionverbot verhängt, das noch anderthalb Jahre andauert. Richterin Bochsler fügte an, dass es bei einem ordentlichen Prozess durchaus eine härtere Sanktion hätte geben können. Zum ­Geständnis sagte sie: «Ihm blieb nicht viel anderes übrig aufgrund der vielen Beweise.»

Der Verteidiger sprach von einer spürbaren Sanktion für seinen Mandanten, müsse dieser doch in den nächsten drei Jahren jeden Monat 500 Franken seines Lohns abliefern. Zudem hänge die bedingte Geldstrafe wie ein Damoklesschwert über ihm.

Der Verteidiger ist überzeugt, dass der GC-Fan – «er ist ein Gescheiter» – den Rank finde. Der Verurteilte selber gab an, dass er sich inzwischen von dieser gewaltbereiten Szene distanziert habe.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 10.07.2018, 17:41 Uhr

Drei Verfahren sind hängig

Im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 26. Oktober 2016 beim Stade de Suisse habe die Staatsanwaltschaft gegen insgesamt elf Personen Straf­befehle erlassen, schreibt Christof Scheurer, der Informationsbeauftragte der Generalstaatsanwaltschaft, auf Anfrage. Es wurden meist bedingte Geldstrafen in Bereich von 70 bis 140 Tagessätzen im Zu­sammenhang mit einer Ver­bindungsbusse ausgesprochen. Eine Geldstrafe wurde unbedingt verhängt. Zwei Personen haben gegen den Strafbefehl Einsprache eingelegt. Diese Verfahren sind beim Regionalgericht Bern-Mittelland (Einzelgericht) hängig. Gegen eine weitere Person wurde beim Regionalgericht Anklage er­hoben. Auch dieses Verfahren sei vor dem Einzelgericht hängig, erklärt Christof Scheurer.

Artikel zum Thema

Angriff auf YB-Fans – 7 GC-Hooligans angehalten

Ende Oktober 2016 hatten GC-Hooligans gezielt YB-Fans angegriffen. Acht Personen sind dabei verletzt worden. Nun hat die Polizei im Kanton Zürich sieben mutmassliche Täter ausfindig gemacht. Mehr...

GC-Anhänger griffen YB-Fans an – Acht Verletzte

Vor dem Cupspiel YB gegen Grasshoppers griffen GC-Anhänger gezielt YB-Fans an. Die Polizei schritt mit Gummischrot ein. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Sweet Home Best of Homestory: Zu Besuch bei zwei Ästheten
Himmel und Hölle

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Den Berner Oberländer digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 29.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Dürre: Ein Teich in der Nähe der texanischen Ortschaft Commerce ist vollständig ausgetrocknet. Für die nächsten zehn Tage werden in der Region Temperaturen von mehr als 37.7 Grad erwartet. (16.Juli 2018)
(Bild: Larry W.Smith/EPA) Mehr...