Zum Hauptinhalt springen

«Grösser ist nicht immer besser»

Seit drei Monaten ist das grosszügige Feuerwehrmagazin im Einsatz. Bei den Fahrzeugen setzt die Feuerwehr Konolfingen weiterhin auf kleinere Modelle.

Hinter zehn Garagentoren stehen Fahrzeuge und Materialanhänger der Feuerwehr. Fotos: Beat Mathys
Hinter zehn Garagentoren stehen Fahrzeuge und Materialanhänger der Feuerwehr. Fotos: Beat Mathys

Wer durch das Obergeschoss des neuen Feuerwehrmagazins in Konolfingen schreitet, fühlt sich wie in einem Schulhaus. Auf der einen Seite grosse Schulungsräume mit einer breiten Fensterfront, ausgestattet mit Beamer und Leinwand. Auf der anderen Seite des Korridors sucht man allerdings vergeblich nach einer Turnhalle.

Dort befindet sich die riesige Garage voller Löschfahrzeuge. In der Garderobe im Erdgeschoss sind keine normalen Kleider oder Schultaschen aufgehängt, sondern die schwere Brandschutzkleidung der Feuerwehrmänner und -frauen. Neu haben die weiblichen Angehörigen der Feuerwehr ihre eigene Garderobe.

Elektronische Hilfsmittel

Wichtiger als die getrennte Garderobe ist für die Feuerwehr die Trennung von dreckigem und sauberem Bereich. Mit dreckig sind dabei die verrussten Kleider und Ausrüstungen nach den Einsätzen gemeint. Bereits am Einsatzort wird die dreckige Kleidung gesammelt und in die hauseigene Wäscherei gebracht.

Die Einsatzkräfte kehren in sauberen Kleidern ins Magazin zurück. Auch die Fahrzeuge werden vor dem Parkieren in der grossen Waschanlage gereinigt. Kommandant Michael Gfeller ist sichtlich stolz auf das neue Magazin. Er erklärt: «Eine solche Schlauchwaschanlage besitzt sonst nur die Berufsfeuerwehr Bern.»

Die Brandschutzkleider hängen einsatzbreit.
Die Brandschutzkleider hängen einsatzbreit.

Auch mit den anderen Änderungen ist der Kommandant sehr zufrieden: «Bei einer Alarmierung kommen sich die Feuerwehrleute nicht mehr in die Quere.» Die Einsatzkräfte parkieren hinter dem Magazin, durchqueren es via Garderobe und steigen vorne in die Fahrzeuge. Auffallend sind dabei die vielen elektronischen Hilfsmittel, die den Einsatz begleiten.

Ein grosser Monitor informiert am Eingang über den Einsatzort und die benötigten Mittel. Die Türen und Tore werden automatisch geöffnet, und auf einem Tablet kann der Einsatzleiter Pläne von wichtigen Gebäuden abrufen. Zudem ist im Magazin neu eine kleine Einsatzzentrale integriert. Diese versorgt die Mannschaft am Einsatzort mit Informationen.

Anforderungen erfüllt

Die Feuerwehr Konolfingen fusionierte 2012 mit den umliegenden Feuerwehren aus Mirchel, Freimettigen, Häutligen, Ober- und Niederhünigen. Der Neubau ist aber nicht direkt ein Resultat dieser Fusion. Mit dem Gebäude reagiert Konolfingen vor allem auf die neuen Anforderungen der Gebäudeversicherung Bern und der Hersteller der Atemschutzgeräte.

«Der Neubau ist eine Art regionales Kompetenzzentrum.»

Michael Gfeller, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Konolfingen

Aber auch platztechnisch sind die alten Feuerwehrmagazine untragbar geworden. «Ich bin froh, dass wir diesen Schritt gemacht haben. So sind wir für die nächsten 20 Jahre gut vorbereitet», ist Gfeller überzeugt.

Als grösste Herausforderung für die Zukunft sieht der 49-Jährige die Tagesverfügbarkeit der Freiwilligen Feuerwehr: «In der Nacht sind wir immer genug, tagsüber wird es schwieriger, ausreichend Einsatzkräfte zu stellen.»

Eine Fusion mit der Feuerwehr Oberdiessbach oder Grosshöchstetten sei zwar denkbar, sei aber nicht konkret geplant. In Führungsunterstützung und Ausbildung arbeiten die drei Feuerwehren bereits zusammen.

«Der Neubau ist eine Art regionales Kompetenzzentrum. Unsere moderne Infrastruktur bieten wir auch umliegenden Feuerwehren und Blaulichtorganisationen an», sagt der Kommandant. Von den zwölf Fahrzeugstellplätzen sind aktuell zwei durch den Zivilschutz besetzt. Langfristig werden diese wohl auch von der Feuerwehr genutzt. «Grösser ist aber nicht immer besser», weiss auch Gfeller.

Bei den Löschfahrzeugen setzt Konolfingen auf kleinere Modelle und Anhänger, damit auch die schmalen Strassen und abgelegenen Teile der Gemeinden erreichbar bleiben.

Reaktion der Bevölkerung

Die eher schmale Ausfahrt Richtung Bernstrasse ist bislang auch das einzige Manko am neuen Standort. «Glücklicherweise klappt die Zusammenarbeit mit der benachbarten Tankstelle sehr gut», beruhigt Gfeller. Nur selten wird ein Fahrzeug in Richtung Einfahrt parkiert.

«Spinnts euch?», war die Reaktion, als die Behörden das grosszügige Projekt präsentierten. Für den Erwerb des Grundstücks und den Bau des Magazins hat die Gemeinde 14 Millionen Franken budgetiert. Die Schlussabrechnung liegt noch nicht vor. Die Gemeinde rechnet aber mit einer Unterschreitung des Betrags.

Mittlerweile haben sich die Meinungen geändert, und die Resonanz aus der Bevölkerung ist klar positiv. «Bei der Einweihung letzten Samstag erkannten die Bürger den Sinn hinter dem weitsichtigen Bau», erklärt Gfeller. Seit dem 29. Dezember ist die Feuerwehr Konolfingen bereits 25 Einsätze aus dem neuen Magazin gefahren.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch