Gurten Classic geht in die Pause

Köniz

Wegen Abgängen im Vorstand und eines abgesprungenen Sponsors findet der Sportevent Gurten Classic heuer nicht statt.

Ein Bild, das es heuer nicht zu sehen geben wird: Der traditionelle Lauf auf den Gurten fällt dieses Jahr aus.

Ein Bild, das es heuer nicht zu sehen geben wird: Der traditionelle Lauf auf den Gurten fällt dieses Jahr aus.

(Bild: Stefan Anderegg)

Christoph Albrecht

Läufer, Walker, Velofahrer: Der Gurten Classic ist ein Event, bei dem gleich eine ganze Reihe von Ausdauersportlern auf ihre Kosten kommt. Jeweils im Spätherbst machen sich über 2000 Teilnehmer in Wabern auf den Weg und kämpfen sich mehr oder weniger schnell den Berner Hausberg hinauf. 

Dieses Jahr wird es jedoch nicht dazu kommen. Erstmals in seiner 38-jährigen Geschichte findet der Klassiker heuer nicht statt. Der Hauptgrund dafür sind personelle Engpässe bei der Organisation. «Ende des letzten Jahres sind gleich zwei langjährige OK-Mitglieder aus dem Vorstand zurückgetreten», erklärt Thomas Winkler, der kurz darauf neu zum Team gestossen ist und seither zusammen mit Janak Zumbrunn im Co-Präsidium amtet.

Die Abgänge seien wegen ihrer grossen Erfahrung stark ins Gewicht gefallen. Nachdem mit der Raiffeisenbank Schwarzwasser auch noch eine der Hauptsponsorinnen abgesprungen ist, entschieden sich die Verantwortlichen schon im Frühling, auf die diesjährige Durchführung zu verzichten.

2019 geht es weiter

«Bei all diesen Veränderungen wäre es schwierig geworden, einen guten Event auf die Beine zu stellen», so Winkler. Weil man nicht riskieren wollte, mit einem schlecht organisierten Anlass Teilnehmer und Sponsoren zu verärgern, blieb nur noch die Absage. Der Entscheid sei einerseits nicht leicht gewesen. «Anderseits sehen die Leute so auch einmal, was für ein Aufwand hinter einer solchen Sache steckt.» Die Organisation einer einzigen Durchführung bedeute für die Mitglieder des zwölfköpfigen Vorstands, die sich allesamt ehrenamtlich engagieren, mehrere Hundert Stunden Arbeit – pro Person.

Dem Vernehmen nach sind die Abgänge nicht einfach so erfolgt. Im Vorstand soll es in der Vergangenheit Unstimmigkeiten gegeben haben. Kommentieren mag dies Thomas Winkler nicht, zumal er selber neu im Gremium ist. Lieber blickt er vorwärts, denn in diese Richtung soll es auch mit dem Gurten Classic bald wieder gehen. Schon nächstes Jahr wird es den Event erneut geben – wenn auch in anderer Form als bisher. «Wir wollen den Unterbruch nutzen, um dem Anlass grundsätzlich eine neue Ausrichtung zu geben.»

Die Strecke wird neu

Vieles habe man hinterfragt und sei zum Schluss gekommen, dass man künftig einen Gang zurückschalten müsse. «Der Anlass ist in den letzten Jahren eine ziemlich grosse Kiste geworden», sagt der 45-jährige Winkler, der selber in Köniz lebt. Mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen sei es schwierig, die Dimensionen auf Dauer aufrechtzuerhalten. Konkret soll das Budget, das zuletzt 100'000 Franken betrug, etwas «durchgestrählt» werden, wie es Winkler nennt. Es ist geplant, dass künftig die Logistik vereinfacht und der Aufwand verringert wird. Das heisst etwa: weniger ÖV-Unterbrüche, Wegabsperrungen und Sicherheitsmassnahmen.

Möglich soll das sein, indem man Anpassungen beim eigentlichen Herzstück vornimmt – der Streckenführung. «Es wird eine neue Laufstrecke geben», sagt Winkler. Wo diese genau durchführen wird, will er im Detail «wegen des Überraschungs effekts» noch nicht verraten. Grundsätzlich gilt aber: «Es wird weniger über Asphaltstrassen gehen und dafür mehr über kleinere Naturwege.»

Die Distanz von 15,2 Kilometern bei der Lauf strecke bleibe erhalten, ebenso der bisherige Start in Wabern und das Ziel auf dem Gurten. Angedacht ist auch, das Mountainbikerennen (16,8 Kilometer) auf eine neue Strecke zu verlegen. Dafür fehle derzeit aber noch die Bewilligung. Beim Klassiker soll zudem eine neue Disziplin dazukommen: «Ab dem nächsten Jahr wird es neu auch ein E-Bike-Rennen geben.» 

Bald weniger Teilnehmer?

Thomas Winkler ist sich bewusst, dass sich der Traditionsanlass nach dem diesjährigen Unterbruch und der darauf folgenden Neuauslegung erst wieder behaupten werden muss. «Dieser Schnitt, den es nun gibt, ist nicht zu unterschätzen.» Er rechnet für das nächste Jahr deshalb mit rund 20 Prozent weniger Teilnehmern. Entsprechend weniger Einnahmen durch Startgelder werde man budgetieren. Auch wenn man einen Ersatz für den abgesprungenen Hauptsponsor derzeit noch nicht gefunden hat und es noch einiges zu organisieren gibt, ist Winkler überzeugt: «Die Pause wird dem Gurten Classic guttun.»

Training statt Ernstkampf: Als Alternative zum abgesagten Rennen findet am Sonntag, 4. November, ein Trainingslauf auf der künftigen Strecke (ohne Zeitmessung) statt. Mehr Infos für Interessierte auf www.gurtenclassic.ch.

Berner Zeitung

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