Gurtennörgler: Umarm dich selbst

Bern

Die Hälfte des Gurtenfestivals 2017 ist schon vorbei. Was die Feierlustigen bedauern, freut den Gurtennörgler.

«Auf dem Gurten bekomme ich in vier Tagen bis zu 700 Umarmungen», sagt dieser Berner. Der Gurtennörgler kann damit nichts anfangen.

«Auf dem Gurten bekomme ich in vier Tagen bis zu 700 Umarmungen», sagt dieser Berner. Der Gurtennörgler kann damit nichts anfangen.

(Bild: Claudia Salzmann)

Es gehört heute zum Festival wie der Migros-Hamburger und der nackte Bierbauch: das «Free Hugs»-Schild. Es ist nicht irgendein Schild. Es ist das Schild des Grauens. Dutzendfach wird es durchs Gelände getragen und vor der Bühne aus der ersten Reihe in die Luft gestreckt. Am schönsten sind jene «Hugs»-Angebote im Schatten spendenden Weltformat. «Free Hugs» steht vorne – und, für alle, die keinen Dictionnaire dabei haben, die Übersetzung auf der Rückseite, «Gratis Umarmung».

Um die Jahrhundertwende hielt irgendein Australier als Erster so ein Schild in die Höhe, und unbekannte Menschen fielen ihm um den Hals. Rührend. Die Idee wurde tausendfach um die Welt rezykliert. Kein Wunder, irgendwie waren alle überrascht, dass die Freie-Liebe-Idee in jugendfreier, abgeschwächter Form plötzlich in den Fussgängerzonen von Provinzstädten auftauchte. Oder beim Gurtenfestival.

Heute ist das Schild ein nicht totzukriegendes Festivalklischee, eine Plakat gewordene Seifen­blase, so nichtig wie nervig. Wenn sich wildfremde Leute bierselig umarmen, wird die Welt nicht besser.

Und die Laune des Gurten­nörglers schon gar nicht.

Der Gurtennörglerdarf während des Gurtenfestivals jeden Tag über ein Thema motzen.

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