«Hallo Popstar» – «Wosch e Chlapf?»

Seit fünf Jahren ist Marc Amacher ­Märit-Chef auf dem Gurten. Genau: jener Oberländer, der bei «The Voice» für Furore sorgte. Dieses Jahr spielt der Bluesmusiker selbst auf der Waldbühne.

Marc Amacher gibt im Interview Auskunft über seine Tätigkeit als Märitchef.
Video: Quentin Schlapbach
Michael Feller@mikefelloni

Ein paar Sprüche fallen, das ist klar. «Hallo Popstar!» – «Wosch e Chlapf?», lautet die Antwort, gefolgt von schallendem Gelächter. Marc Amacher. Den 32-jährigen Musiker aus dem Berner Oberland kannten noch vor einem Jahr nur eingeschworene Bluesfans – oder die Kollegen vom Gurtenfestival.

Seit 5 Jahren ist er als Märit-Chef Herr über ein gutes Dutzend Marktstände auf dem Festival­gelände. Pullover, Brillen oder Glacen werden feilgeboten. Und Marc Amacher schaut, dass alles läuft. Am Tag vor Festivalbeginn läufts nach Plan. «Die gute Vor­bereitung zahlt sich aus», sagt Amacher.

Ruhiger Schweizer in Ekstase

Seit dem letzten Gurtenfestival hat sich einiges getan. Amacher nahm in der TV-Talentshow «The Voice» auf Sat 1 teil. Die verschrobene Art des gitarrenverrückten Bluessängers mit dem rauen Akzent kam gut an. Ein Millionenpublikum im ganzen deutschsprachigen Raum sah zu, wie sich der eigentlich ruhige Schweizer in Ekstase sang.

Zum Sieg reichte es nicht. Aber Amachers Karriere hat Schwung aufgenommen. Der Märit-Zampano kehrt als Künstler zurück. Am Samstagabend tritt er auf der Waldbühne auf. «Schroff, chli grob, trotzdem herzlich.» So beschreibt Amacher das «Oberländer Gemüt».

Auch wenn er einen «rechten Gring» haben kann – die Veranstalter wissen, was sie an Amacher haben. «Er ist eine richtige Gmüetsmore», sagt Festivalsprecherin Jeannette Riesen. Und wenn Amacher da ist, läuft der Laden.

«Dass er trotz seines Erfolgs immer noch am Gurtenfestival arbeitet, spricht für ihn. Er ist am Boden geblieben.» Für Amacher wars keine Frage, ob er wieder kommt. «Auf dem Gurten kommt eine eingeschworene Gruppe zusammen. Diese Leute trifft man sonst nicht.»

Es läuft nach Plan: Marc Amacher (32) einen Tag vor Festivalbeginn. Bild: Beat Mathys

Als Festivalmitarbeiter hat Amacher eine richtige Tellerwäscherkarriere hingelegt. Nach der Schulzeit in Uetendorf stieg er als «Trash-Hero» ein, las Abfall vom Boden. «Als musikbegeisterter Junge wars ein Traum, auch einmal einen Blick hinter die Bühnen zu werfen.» Seit 14 Jahren hat er nur ein Gurtenfestival verpasst, weil er in den Ferien war. Sonst hat er jedes Jahr gearbeitet.

Seit 5 Jahren also sorgt er dafür, dass die Standbetreiber ihren Nachschub auf den Berg bringen können und dass sie ihre Miete bezahlen, er sorgt für offene Fluchtwege und kümmert sich um die kleinen und grossen Sorgen der Märit-Leute.

Wenn es vier Tage am Stück regnet, sind die Sorgen etwas grösser. Dann bleibt Amacher weniger Zeit, das Festival zu geniessen.

«Die lassen die Sau raus»

Wenns läuft, bekommt er mehr von der Musik mit. «Am besten sind die unerwarteten Sachen, denen man zufällig über den Weg läuft». Dieses Jahr freut er sich auf Bonaparte, auch wegen der Show. «Die lassen einfach die Sau raus.»

Wie Amacher, wenn er im Blues aufgeht, den er mit jeder Faser des Körpers lebt, schon seit seiner Kindheit. «Der Blues lehrt dich, dir selbst zu helfen», sagt er.

Letztes Jahr wollte Gurtenfestival-Veranstalterin Appalooza ihn auch als Märit-Chef fürs Eid­genössische Schwingfest in Estavayer engagieren. Aber Amacher musste absagen – weil er just dann in der deutschen Fernsehshow engagiert war. Er organisierte einen Ersatz. Dafür steht er diesen Sommer wieder auf der Matte. «Und auf das Konzert freue ich mich wie ne More.»

Berner Zeitung

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