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Heiler-Prozess: Anwälte fordern 100'000 Franken pro Opfer

Im Berner Heiler-Prozess haben die ersten beiden Opfer-Anwälte ihre Plädoyers gehalten. Sie verlangen eine Genugtuung von mindestens 100'000 Franken für jedes Opfer.

Im Berufungsprozess vor Obergericht gegen den selbsternannten «Heiler» von Bern hat der Staatsanwalt am 7. April eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren beantragt. Bei der Urteilsverkündung am 11. April folgte das Gericht dem Staatsanwalt.
Im Berufungsprozess vor Obergericht gegen den selbsternannten «Heiler» von Bern hat der Staatsanwalt am 7. April eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren beantragt. Bei der Urteilsverkündung am 11. April folgte das Gericht dem Staatsanwalt.
Angela Zwahlen
Das Gericht erhöhte damit die Strafe der Vorinstanz: Das Regionalgericht hatte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren und 9 Monaten verurteilt.
Das Gericht erhöhte damit die Strafe der Vorinstanz: Das Regionalgericht hatte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren und 9 Monaten verurteilt.
Angela Zwahlen
Hier kam der Fall ins Rollen: Das Inselspital stiess bei Recherchen auf 18 HIV-Infizierte, welche Kontakt mit dem Heiler hatten.
Hier kam der Fall ins Rollen: Das Inselspital stiess bei Recherchen auf 18 HIV-Infizierte, welche Kontakt mit dem Heiler hatten.
Keystone
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Insgesamt 13 der 16 HIV-Infizierten treten am Prozess vor dem Regionalgericht Bern-Mittelland als Privatkläger auf. Für ihre Anwälte ist wie für die Staatsanwaltschaft klar, dass der «Heiler» die Infizierungen verschuldet hat.

Die zahlreichen Indizien fügten sich zusammen wie Puzzleteile, sagte Opferanwalt Philipp Kunz. «Das Puzzle ist fast vollständig, es fehlt nur ein einziges Teil: Das Motiv.» Es bleibe unklar, warum der «Heiler» seinen Musikschülern und Patienten dieses Leid angetan habe.

«Das Gesamtbild sieht man aber trotz der leeren Stelle», betonte Kunz. «Es kann gar nicht anders gewesen sein als so wie es der Staatsanwalt schilderte.»

Verkürzte Lebenserwartung

So sieht es auch Fürsprecher Walter Rumpf, der drei Opfer vertritt. Durch die HIV-Infektion verkürze sich die Lebenserwartung seiner Mandanten um 10 bis 20 Jahre, betonte er. «Da fehlt ein Achtel bis ein Viertel eines Lebens.» In Kombination mit dem Hepatitis-C-Virus liege die Lebenserwartung noch tiefer.

Rumpf warf einen Blick zurück auf die langen Jahre, die seit den ersten Ansteckungen vergangen seien. Die Strafverfolgungsbehörden hätten den Fall wegen der strikten Patientendaten-Politik des Inselspitals nur schwer zu fassen bekommen.

Diesen Aspekt müsse wohl auch die kantonale Gesundheits- und Fürsorgedirektion aufarbeiten, sagte Rumpf. Man dürfe sich fragen, ob die Interessen der Patienten am Datenschutz wirklich immer höher zu gewichten seien als das öffentliche Interesse an einer Strafverfolgung.

Einer seiner Mandanten habe schon 2002 gegenüber dem Arzt festgestellt, er habe keine andere Erklärung für seine Infizierung als die Behandlung beim «Heiler». Danach sei es noch drei Jahre gegangen, bis die Strafverfolgungsbehörden aufgrund der ersten Anzeige ihre Arbeit hätten aufnehmen können.

Der Prozess wird am Montag mit den Plädoyers von vier weiteren Opferanwälten fortgesetzt. Danach ist die Verteidigung am Zug.

SDA/tag

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