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Heisse Fahrt wegen kaputter Achse

Der Beinaheunfall einer S-Bahn ist auf ein kaputtes ­Achslager zurückzuführen. Bei der Einfahrt in den Bahnhof Bern versagten bei der BLS-Komposition die elektrischen Bremsen.

Hans Ulrich Schaad
Solche Sensoren erkennen heiss gelaufene Achsen.
Solche Sensoren erkennen heiss gelaufene Achsen.
BLS

Es war eine heisse Einfahrt in den Bahnhof Bern, im wahrsten Sinne des Wortes. Dass etwas mit der BLS-Zugkomposition nicht stimmte, bemerkte der Lokführer kurz vorher. Als er die elektrische Bremse betätigte, versagte diese. Auch ein zweiter Versuch blieb erfolglos. Der Lokführer brachte den Zug mit der Luftbremse zum Stillstand.

Der als Ablösung auf dem Perron wartende Lokführer sah aus einer Antriebsachse Rauch aufsteigen und forderte seinen Kollegen auf, sofort anzuhalten. Nachdem der Zug zum Stehen gekommen war, wurden die Passagiere evakuiert, Verletzte gab es keine. Das heisse Achslager wurde mit einem Feuerlöscher gekühlt.

Dieser Ablauf ist im Bericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) nachzulesen, die den «Beinaheunfall» im Bahnhof Bern vom 29. September 2016 untersucht hat. So dramatisch, wie der Sust-Bericht erahnen lässt, war die Situation nicht. Es handle sich um einen Fachbericht, erklärt BLS-Sprecherin Helene Soltermann. Die Fahrgäste konnten die S-Bahn normal über das Perron verlassen. Sie wurden informiert, dass der Zug nicht weiterfahren kann.

Luftbremse reicht aus

Das Versagen der elektrischen Bremse sei kein Problem gewesen, sagt Soltermann. Mit der Luftbremse – die Bremsklötze werden auf die Räder gepresst – wird ein Zug auch normalerweise zum Stillstand gebracht. Die elektrische Bremse werde zum Verlangsamen eingesetzt

Der beschädigte Zug wurde abgeschleppt und zur Untersuchung und zur Reparatur in die Werkstätte Spiez gefahren. Die Sust fand ein beschädigtes Achslager vor. Nach dem Abklingen der Rauchentwicklung hatte es eine Temperatur von 360 Grad. Aluminiumteile waren geschmolzen, ein Rollenlager zerbröselt, eine Gabel gar nicht mehr vorhanden.

Ursache für den «Heissläufer» am S-Bahn-Zug ist laut der Sust eine vorgängige Zerstörung des Achslagers. Schäden dieser Art an Triebfahrzeugen des Reiseverkehrs sind «sehr selten», steht im Untersuchungsbericht. Die Sust beliess es deshalb bei einem summarischen Bericht, verzichtete auf weitere Untersuchungen und Sicherheitsempfehlungen an die BLS. Das Bahnunternehmen hatte die Servicearbeiten dokumentiert, sie waren korrekt ausgeführt.

Knapp unter der Grenze

Der beschädigte Zug verkehrte seit über einer Woche zwischen Langnau und Laupen. Dabei passierte er die Heissläuferortungsanlage Holligen. Dieses unauffällige gelbe Kästchen an den Gleisen misst die Temperatur der Radachsen mit Infrarot. Bei einer Temperatur von über 80 Grad schlägt es Alarm.

Erste Anzeichen eines sich anbahnenden Heissläufers gab es gemäss Aufzeichnungen in der Nacht zuvor, als bei der letzten Fahrt des Tages 79 Grad gemessen wurden. Am Morgen gab es bei einer weiteren Durchfahrt bei den Detektoren keine Auffälligkeiten. Das Achslager hatte sich während der Betriebspause abgekühlt.

Solche Heissläuferortungsanlagen gibt es auf dem ganzen schweizerischen Schienennetz. Sie sind so verteilt, dass alle Züge regelmässig diese Messstellen passieren. Die BLS verlässt sich nicht nur auf die Technik. «Die Züge werden einmal wöchentlich in der Werkstätte von Fachpersonen überprüft», sagt Helene Soltermann.

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