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Hier ist Familienplanung Pflicht

Vor 75 Jahren legte eine Gruppe Männer ihr Geld zusammen und gründete die Siedlungsgenossenschaft Bethlehemacker. Diese pflegt das soziale Gedankengut noch heute und vermietet etwa ihre Häuser nur an Familien.

Die Siedlung Bethlehemacker – hier im Jahr 1964 – ist das Herzstück der Genossenschaft.
Die Siedlung Bethlehemacker – hier im Jahr 1964 – ist das Herzstück der Genossenschaft.
Ortsarchiv Bümpliz

Die Siedlung Bethlehemacker wirkt wie eine Oase in der Betonwüste: Umgeben von Hoch- und Scheibenhäusern reiht sich ein Einfamilienhaus an das nächste. Jedes besitzt einen eigenen Vorgarten, in dem Spielzeug neben Trampolinen liegt. Die Strassen sind verkehrsberuhigt, das Schulhaus Bethlehemacker befindet sich gleich nebenan.

Bei Familien ist die Siedlung im Westen der Stadt Bern beliebt. Das kann Peter Neuhaus bestätigen. Der Präsident der Siedlungsgenossenschaft Bethlehemacker steht an der Kreuzung Maiglögg­liweg und Kornweg und deutet auf eines der Häuser mit dunkelbrauner Fassade: «Dort bin ich aufgewachsen.» Heute wohnt er mit seiner Familie zwar nicht mehr in Bethlehem, dennoch hat er den Vorstandsvorsitz der Genossenschaft übernommen. «Die Siedlung hat halt immer noch einen Platz in meinem Herzen.»

Jedem Haus sein Garten

Die Anfänge der Siedlungsgenossenschaft Bethlehemacker liegen am Montag genau 75 Jahre zurück: Am 18. Juni 1943 schloss sich eine Gruppe Männer zum ersten Vorstand der Genossenschaft zusammen. Ihr Ziel: der Wohnungsnot, die durch den Zweiten Weltkrieg entstanden ist, selbst entgegenzuwirken.

Die Büezer nannten ihre Gründung «Siedlungsgenossenschaft der Holzarbeiter-Zimmerleute des SBHV Bern». SBHV stand dabei für den Schweizerischen Bau- und Holzarbeiterverband. Erst 2001 wurde der ­Name in Siedlungsgenossenschaft Bethlehemacker geändert.

Die sieben Gründungsmitglieder legten ihr Geld zusammen und erstanden von der Stadt ein preiswertes Stück Land im Westen von Bern. Damals gab es noch keine Hoch- oder Scheiben­häuser in Bethlehem, die Landschaft war geprägt durch weite Felder und Landwirtschaft. Man entschied sich für den Bau von 92 Einfamilien­häusern mit grosszügigen Gärten; jede Familie sollte in der ­Lage sein, sich selbst zu versorgen.

«Noch heute steht in den Statuten der Genossenschaft, dass jeder Garten mindestens zu einem Drittel mit Gemüse oder Blumen bepflanzt sein muss», sagt Peter Neuhaus. Zeitgemäss sei dies schon lange nicht mehr. «Besonders darum, weil mittlerweile viele ältere Menschen in den Häusern wohnen, ist das unrealistisch.» Er selbst hilft seinen ­Eltern, die immer noch in Bethlehem wohnen, bei der Gartenarbeit. Deshalb werden heute – anders als früher – keine strikten Kontrollen mehr durchgeführt.

Familien stehen im Fokus

Weil vor 75 Jahren relativ preiswert gebaut wurde – je nach Lage kostete der Bau eines Einfamilienhauses zwischen 33'000 und 35'000 Franken –, weisen die Häuser heute viele Altlasten auf.

Die Raumstruktur etwa entspricht nicht mehr den gängigen Bedürfnissen; die Kinderzimmer sind klein, Küche und Wohnzimmer getrennt, und sitzt man im Rollstuhl, stellt bereits die Eingangstür ein Hindernis dar. «Ein Schwachpunkt sind auch die Heizungen», erklärt Neuhaus: Jedes Gebäude besitzt eine eigene ­Ölheizung. «Der Umstieg auf ein sinnvolles, handliches und ökologisches System wäre schlicht zu teuer.»

Jede Investition muss gut überlegt sein, da die Genossenschaft ihr Kapital durchdacht und nachhaltig einsetzen will. ­Alle Vorstandsmitglieder, inklusive Neuhaus, führen ihr Amt aufgrund der Verbundenheit zur Genossenschaft aus. Die Verwaltung übernimmt die Fambau Genossenschaft.

Die Wohnungen im Besitz der Siedlungsgenossenschaft Bethlehemacker werden auch an Nichtmitglieder zu fairen Preisen vermietet, die Mietzinse richten sich zudem immer nach dem geltenden Referenzzinssatz.

Und auch sonst werde das ­soziale Gedankengut von früher ­gepflegt, erklärt Neuhaus: «Freie Einfamilienhäuser in der Siedlung Bethlehemacker werden beispielsweise nur an Familien mit Kindern vergeben. Zudem berücksichtigen wir eher jene Bewerber, die finanziell weniger gut situiert sind.»

Dieses Gedankengut zu verbreiten, ist für die Siedlungs­genossenschaft Bethlehemacker nach wie vor ein wichtiges Anliegen. Ihre Besitztümer hat sie längst erweitert: Neben den Einfamilienhäusern der Siedlung Bethlehemacker gehören auch Wohnungen im Bethlehemacker II, im Holenacker und in Bümpliz sowie in Bremgarten zum Bestand.

Insgesamt besitzt die Siedlungsgenossenschaft 321 Wohnungen. «Und auch in Zukunft würden wir gerne weiterwachsen», betont Neuhaus. Geeignetes, bezahlbares Land zu finden, sei aber weitaus schwerer als noch vor 75 Jahren.

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