Hinterkappelen ist gefährlicher als Genf

Im September gingen in nur drei Wochen bei der Kantonspolizei Bern zwanzig Einbruchmeldungen ein. Auch nach der Festnahme eines der Einbrecher ging die Serie weiter. Doch was ist normal für ein Dorf wie Hinterkappelen?

Im September kam es in Hinterkappelen zu sehr vielen Einbrüchen.

Im September kam es in Hinterkappelen zu sehr vielen Einbrüchen.

Quentin Schlapbach@qscBZ

Wir berichteten am Mittwoch über die Einbruchserie, welche sich von Ende August bis Mitte September in Hinterkappelen ereignete. In nur drei Wochen gingen bei der Kantonspolizei Bern zwanzig Meldungen von Einbruch- und Einschleichdiebstählen ein. Als ein mutmasslicher Täter in flagranti von Einwohnern erwischt wurde, gingen die Meldungen bei der Kapo Bern wieder deutlich ­zurück.

In den vier Wochen seit der Festnahme seien «nur» noch fünf Einbruchs­de­lik­te aus Hinterkappelen gemeldet worden, so Christoph Gnägi, Mediensprecher der Kantonspolizei Bern. «Dies stellt soweit keine aussergewöhnliche Situation mehr dar», sagt Gnägi. Fünf Einbrüche pro Monat – ist das wirklich normal für ein Dorf wie Hinterkappelen?

Um das herauszufinden, dient ein Blick in die polizeiliche Kriminalstatistik 2015. Dort werden die Einbruch- und Einschleichdiebstähle der ganzen Schweiz in einer separaten Rubrik aufgeführt. Berechnet wird die sogenannte Häufigkeitszahl.

Konkret: wie viele Straftaten – in diesem Fall Einbrüche – sich im Jahr pro tausend Einwohner ereignen. Berechnet man diese Zahl für Hinterkappelen, ergibt das folgende Rechnung: 5 Einbrüche pro Monat, macht 60 Einbrüche im Jahr. Hinterkappelen hatte per Ende letztes Jahr 4260 Einwohner. Das ergibt hochgerechnet eine Häufigkeitszahl von 14,1. Und diese Zahl dient nun zum Vergleich.

Eine Gegenüberstellung mit den fünf grössten Städten der Schweiz fällt für Hinterkappelen bitter aus: In Zürich (10,4), Genf (13,8), Basel (8,8), Lausanne (12,5) und Bern (10,1) ist die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs überall kleiner als in Hinterkappelen in den letzten vier Wochen.

Man kann also sagen, dass auch fünf Einbrüche pro Monat alles andere als normal sind für Hinterkappelen. Die Gemeinde Köniz hatte 2015 beispielsweise eine Häufigkeitszahl von 5,3. Eine solche Zahl sollte auch für Hinterkappelen realistisch sein. Entsprechend verständlich ist der Ärger vieler Einwohner, dass über die ungewöhnlichen Entwicklungen der letzten Zeit – in den drei Wochen während der ­Serie betrug die Häufigkeitszahl gar 81,4 – nicht informiert wurde.

Berner Zeitung

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