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«Ich habe lange genug am ‹Charre gschrisse›»

Einst verliess er die SVP, weil er sich immer öfter für sie schämte. Danach prägte er die BDP mit, an deren Zukunft er inzwischen nicht mehr glaubt. Jetzt zieht sich Kurt Hirsbrunner aus der Politik zurück.

Christoph Hämmann
Rücktritt: Kurt Hirsbrunner.
Rücktritt: Kurt Hirsbrunner.
Beat Mathys

Bei den städtischen Wahlen von letztem Herbst liess keine Partei so viele Federn wie die BDP, die vier von sieben Parlamentssitzen verlor. Vom verbliebenen Dreierhäufchen zieht sich nun auch noch das bekannteste Gesicht zurück: Stadtrat Kurt Hirsbrunner liess letzte Woche, kurz nach Beginn der neuen Legislatur, sein Abschiedsschreiben verlesen.

Im Stadtrat sass Hirsbrunner mit der BDP/CVP-Fraktion in der ersten Reihe, dahinter die SVP – die Kollegen von früher. 25 Jahre lang war Hirsbrunner in der SVP gewesen, als er 2004 aus der Partei austrat, weil diese ihre Gemeinderätin Ursula Begert fallen gelassen hatte. «Ich schämte mich in meinem Umfeld immer häufiger für meine Partei», sagt Hirsbrunner heute. «Als ich der SVP beitrat, hatte die Partei noch ein soziales Gewissen und mehr als ein Thema.»

Hatte die SVP in den letzten Jahren im Stadtrat wieder einmal eine Abstimmung verloren und hatte auch die BDP gegen sie gestimmt, dann wurde Hirsbrunners Fraktion aus den hinteren Reihen regelmässig als «linke Saubande» beschimpft, sagt er.

Kein Parteisoldat

Er sei «nie ein linientreuer Parteisoldat» gewesen, sagt Hirsbrunner, der auch bei der BDP ­regelmässig eine eigene Position vertrat. «Ich setze mich intensiv mit einem Thema auseinander, und dann entscheide ich, gestützt auf meinen Wertekanon.» Dabei sei ihm die BDP lange eine passende politische Heimat gewesen. «Das steht und fällt ja letztlich mit den Menschen, mit denen man zusammenarbeitet.»

Inzwischen fällt es Hirsbrunner aber schwer, an eine Zukunft der BDP zu glauben, deren Berner Sektion er 2008 mitgegründet hat. «Wir haben es verpasst, uns zu fragen, wie wir die Leute auch dann erreichen, wenn der ursprüngliche Grund für die ­Partei – Bundes­rätin Eveline Widmer-Schlumpf – wegfällt.»

Sein Rücktritt sei auch eine Reaktion auf das schlechte Ergebnis bei den letzten Wahlen, räumt Hirsbrunner freimütig ein. Er mag nicht mehr kämpfen: «Ich habe lange genug am ‹Charre gschrisse›, jetzt sollen das andere tun.» Er werde bald 65-jährig und sei seit einem Jahr als Berufsschullehrer pensioniert. «Meine Frau hat schon oft gesagt, dass wir doch jetzt eigentlich mehr Zeit hätten.» Komme hinzu, dass man sich auch in der Wohnsiedlung oder anderswo für die Gesellschaft engagieren könne.

Veränderte Heimat

Neben der Wahlniederlage hat sich Hirsbrunners politische Hei­mat auch mit der Wahl Philip Kohlis zu seinem Nachfolger als BDP/CVP-Fraktionschef verändert. Dieser hat nach Hirsbrunners Ansicht nicht gut verhandelt, als er der zweiköpfigen CVP-Vertretung zwei Kommissionssitze zugestand und der BDP nur einen. Dafür habe sich Kohli auf wenig transparente Weise als 2. Vizepräsident wählen lassen, damit er in 2 Jahren Stadtratspräsident werden könne.

Er schätze Hirsbrunner sehr, sagt Kohli. «Ich fände es schade, wenn wir jetzt noch schmutzige Wäsche waschen.» Der Turnus für das Stadtratspräsidium sei vor 4 Jahren für zwei Legislaturen festgelegt worden, und er habe sich als Einziger in der BDP ­dafür interessiert. «Die Fraktion und der Parteivorstand haben meine Kandidatur abgesegnet, und selber habe ich nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich mir das Amt zutraue.»

Auch die Zukunft der BDP sieht Kohli weniger düster als Hirsbrunner. «Wir haben einige Junge, die Lust haben, Gas zu geben.» Der Kurs der städtischen BDP dürfte in den nächsten Jahren «ein bisschen frecher» werden, kündigt Kohli an. «Wenn man ganz unten angekommen ist, muss man keine Angst mehr haben.» Ob es funktioniere, sehe man dann in 4 Jahren.

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