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Ihr Bärengraben liegt im 6. Stock

Margrit Kotoun zog 1976 ins damals nagelneue Hochhaus in Bethlehem. Anonym ist ihr Leben dort überhaupt nicht. Auf dem Gang halte man zusammen. Sie selber bevölkert ihre Wohnung mit selbst gemachten Teddybären.

Selbst gemachte Teddybären bevölkern Margrit Kotouns Maisonettewohnung im Hochhaus in Bethlehem.
Selbst gemachte Teddybären bevölkern Margrit Kotouns Maisonettewohnung im Hochhaus in Bethlehem.
Stefan Anderegg

Manchmal sitzt Margrit Kotoun bis spät in die Nacht im Bärengraben. So nennt sie ihr Arbeitszimmer. Es liegt direkt neben dem Eingang ihrer 4½-Zimmer-Wohnung. Über eine Treppe gelangt sie in die eigentlichen Wohnräume im 7.Stock des Hochhauses an der Kasparstrasse 15. Bärengraben heisst das Zimmer aus zwei Gründen: Es liegt unten, und Kotoun frönt dort ihrer Leidenschaft, dem Nähen und Modellieren von Teddybären. In jedem Zimmer sitzt einer: «Einer ist gut», sagt die 62-jährige Frau fast entschuldigend. Sie bevölkern die Wohnung in allen Variationen. «Man mag das Gefühl haben, ich sei in der Jugend stecken geblieben. Das stimmt nicht. Es hat mit meiner Passion zu tun», erklärt sie.

Deren Ursprung liegt weit zurück, als ihr Sohn klein war. Denn davor liebte es Kotoun modern und schlicht. «Mit dem Kind machte ich eine Wandlung durch», stellt sie rückblickend fest. «Mein Sohn wollte als Fünfjähriger unbedingt einen Pumuckl», erzählt sie, «ich durchkämmte die ganze Stadt danach.» Doch nirgends war der Kobold aufzutreiben. Da setzte sie sich hin und bastelte einen. Die Puppe aus Schubi-Mehl, Stopfwatte und Filz bildete den Anfang.

Ein Leben im Hochhaus

Kotoun wohnt im 22-stöckigen Haus in Bethlehem seit es fertiggestellt wurde, 35 Jahre lang, «ein Leben». Das Moderne, die Wohnungsgrundrisse, die Aussicht reizten sie und ihren Mann an der Maisonettewohnung. All das gefällt ihr immer noch. Wenn sich auch nach «der Wandlung» die Einrichtung der 105 Quadratmeter veränderte: «Es gibt nicht zu viel Spielzeug, es gibt nur zu wenig Platz», prangt als Losung an der Tür des ehemaligen Kinderzimmers. Überstellt ist die Wohnung deswegen nicht, viel eher inszeniert. Neben dem Bett spielt ein Bär an einem Flügel, im Wohnzimmer sitzt einer keck in einem Drahtkorb — aber nie für immer. «Ich muss immer wieder umstellen und mich neu erfinden», gesteht Kotoun. Einzig drei Bilder haben ihren fixen Platz. Zwei davon sind aus Messingfischchen und Schwimmern angefertigt. «Die Bilder erinnern mich an meine Eltern.» Sie führten in Ostermundigen einen Kiosk, der unter anderem Fischereizubehör feilbot. Nach dem Tod der Eltern führte Kotoun den Laden einige Jahre.

Heute ist sie Sammlerin, stöbert durch Brockenstuben und ersteigert sich Trouvaillen. Gezielt trägt sie Gegenstände zusammen, die als Zubehör ihrer Bären taugen. Ihretwegen kam sie in der Welt herum und feierte viele Erfolge. 1999 gewann sie etwa den amerikanischen Golden Teddy Award.

Die Leute vom selben Gang

Ersatz für Menschen sind die Bären nicht. Kotoun lädt gerne Freunde ein. Dann trifft sie sich regelmässig mit Nachbarn zum Kaffee. «Wir halten zusammen auf dem Gang», betont sie. Das Multikulturelle stört Kotoun überhaupt nicht: «Ich nehme alle so, wie sie sind, verlange aber dasselbe von ihnen.» Hie und da nimmt sie zudem einen Hund in die Ferien. Bis jetzt habe noch keiner eine der liebevoll drapierten Nippsachen «verblitzget». Alleine fühlt sie sich nach der Trennung auf jeden Fall nicht. Einen Einschnitt bedeutete die Scheidung dennoch. Sie wollte damals auswandern, drei Monate lebte Kotoun in einem Haus in der Provence, bevor es sie wieder heimzog. In dieser Zeit nähte sie – einen Teddybären. Vor der Abreise stopfte sie ihn mit der Füllwolle des Duvets und pflanzte ihm ein Plastikherz in die Brust.

Abgesehen von Bären kommen auch Kaffeekannen von Alessi zu mehreren vor. Sie stehen auf einem Servierboy in der Küche. Kotoun liebt die skulpturalen Formen und ihr Glänzen. «Ich bin ein bisschen eine Elster», meint sie schelmisch. «Ohne Kunsthandwerk wäre mein Leben hohl», sagt Kotoun, «ich bin eben keine Hausfrau. Bei mir muss es chlefele und tätsche.»

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