Im Forst brennt der Kohlenmeiler

Köniz

Es raucht im Forst: Teilnehmer eines Beschäftigungsprogramm stellen Holzkohle her. Der Meiler brennt noch bis Ende nächster Woche, dann lässt man ihn abkühlen. Resultat: fünf Tonnen Brennmaterial.

Arbeit nach alter Tradition: Der Rauch zeigt, dass das Holz im Kohlenmeiler verglüht.

Arbeit nach alter Tradition: Der Rauch zeigt, dass das Holz im Kohlenmeiler verglüht.

(Bild: Beat Mathys)

Der Boden ist schwarz von Asche, in der Luft liegt Brandgeruch. Aus einem gut drei Meter hohen Hügel steigt weisser Rauch in die Baumkronen. Es ist wieder Köhlerzeit im Waldgebiet Forst. Zweimal jährlich produzieren Stellensuchende des Könizer ­Beschäftigungsprogramms Do it dort Holzkohle – auf traditionelle Art mit einem Meiler. Angezündet wurde der Haufen am Montag, bis Ende nächster Woche brennt er. Dann sind die 50 Tonnen Holz zu Kohle geworden.

Mit einer Rauchmaske vor dem Gesicht steigt einer der Beschäftigten die Leiter zur Spitze hoch. Zusammen mit Programmleiter Mischa Colijn schüttet er feine Holzkohle ins Loch des sogenannten Füllihauses: Nahrung für den Meiler. In den ersten Tagen des Brandes ist dies nötig, damit das inwendige Feuer nicht erlischt.

Nach und nach brennt der Meiler dann abwärts und braucht kein «Futter» mehr. Vom unteren Rand des Haufens zieht Luft durchs Füllihaus-Kamin und bringt Sauerstoff zum Feuer. Stündlich muss einer der Köhlereiarbeiter am Meiler Löcher bohren, damit dieser gut brennt und der Rauch abziehen kann.

Tag und Nacht an der Arbeit

Holzkohle einbringen, Rauchlöcher bohren, wässern, wenn der Meiler zu trocken ist, nebenan ein Feuer machen, woran man sich wärmen kann: Es gibt immer etwas zu tun auf dem Köhlereiplatz – Tag und Nacht. Je zwei Personen arbeiten in drei Schichten, von 7 bis 15 Uhr, von 15 bis 23 und von da an bis um 7 Uhr.

«Mir gefällt es, ich arbeite gerne hier», sagt Arianit Hoti (20), der zum ersten Mal dabei ist. Die Männer und die zwei Frauen, die sich die Schichten teilen, können bei Regen oder in der Nacht in der Köhlerhütte, einer einfachen Baracke, auf die nächsten Arbeitsschritte warten.

«Man muss warme Kleider tragen und sich von Zeit zu Zeit zum Feuer stellen.»Arianit Hoti

Und wie ist es jetzt mit der Herbstkälte? «Man muss warme Kleider tragen und sich von Zeit zu Zeit zum Feuer stellen», sagt Hoti. Sein Kollege macht schon zum vierten Mal mit. In der Nacht sei es manchmal langweilig, erzählt er. «Und gegen Morgen kommt die Müdigkeit.» Sonst passe ihm aber die Arbeit im Wald.

Der Arbeitsaufwand für die Holzkohlenproduktion ist gross. Denn das Holz aus Waldräu­mungen rüsten die am Programm Beteiligten selbst. Während sechs Wochen wird der Meiler aufgebaut, meterlange Holzspälten senkrecht aufgeschichtet. Es ist Buchen-, Eschen- und Eichenholz – insgesamt fünfzig Tonnen.

Abgedeckt wird es mit Tannästen. Zuletzt folgt das Löschidach, ein Gemisch aus Erde, Kohlestaub und Asche, welches den Meiler luftdicht umhüllt. Für den Aufbau stehen zeitweise bis zu zehn Personen im Einsatz.

Altes Handwerk erhalten

Nach dem zweiwöchigen Brand wird der Meiler mit einer Folie luftdicht verpackt. Nach zehn Wochen hat sich die Kohle abgekühlt, der Meiler kann ausgepackt und abgebaut werden. Die in Säcken verpackte Holzkohle verkauft die Gemeinde Köniz. «Grilleure schätzen unsere Kohle», weiss Mischa Colijn. Am Ende bleibt eine beachtliche Menge Material übrig: Staub, kleine Kohlestücke, Asche und Russ. Der grösste Teil wird beim Aufbau des nächsten Meilers wieder verwendet.

«Wirtschaftlich könnten wir das Projekt nicht betreiben», erklärt Colijn. Es sei aber ein gutes Produkt und eine sinnvolle Arbeit für die Beteiligten. Und:­«Wir erhalten hier ein altes Handwerk.» In der Schweiz wird vor allem noch im Napfgebiet geköhlert. Bei Romoos betreiben neun Landwirte die Arbeit im Nebenerwerb. Traditionell hergestellt wird Holzkohle auch im Freilichtmuseum Ballenberg.

Auf dem Köhlerplatz machen sich die Männer für den Schichtwechsel bereit. Bald wird der ­Fahrer des Beschäftigungsprogramms mit der Ablösung eintreffen und die beiden nach Köniz zurückbringen.

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