Im Kupferexpress nach Langenthal

Die SOB Südostbahn hat den Zug präsentiert, mit dem sie künftig bis in den Kanton Bern fährt.

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Julian Witschi

Der brandneue, kupferfarbene Zug der SOB Südostbahn war am Montagmittag noch ein fremder Gast im Bahnhof Bern. Aber ab Dezember 2021 wird stündlich eine solche Komposition mit dem Namen Traverso hier sein.

Die SOB, bislang bekannt für den Voralpen-Express von Luzern nach St. Gallen, ist auf dem Sprung zum nationalen Player. Ihr Chef Thomas Küchler verspricht den Bahnreisenden: «Wir werden mit dem Traverso auch für Neben- oder untergeordnete Fernverkehrslinien neue Massstäbe setzen.»

«Wir werden für Neben- oder untergeordnete Fernverkehrslinien neue Massstäbe setzen.»Thomas Küchler, Chef der SOB Südostbahn

SBB-Chef Andreas Meyer dankte Küchler an der gemeinsamen Medienkonferenz für die Kooperation. Diese war 2017 vereinbart worden, nachdem die SOB die Ambitionen auf eigene Konzessionen im Fernverkehr aufgegeben hatte. Mit der BLS konnten sich die SBB erst letzte Woche einigen. Die BLS erhält nun zwar ebenfalls keine Konzession, kann aber künftig auf drei Strecken auf eigene Rechnung fahren.

Die Leistungen der SOB dagegen werden von den SBB abgegolten. Sie kann künftig zwei Fernverkehrslinien fahren und vermarkten: Ab dem Fahrplanwechsel 2020 betreibt sie die Direktverbindung von Basel respektive Zürich über die Gotthard-Bergstrecke bis nach Locarno.

Dies im Co-Branding mit den SBB als Treno Gottardo. Und ab Dezember 2021 wird sie eine Verbindung unter dem Namen Aare Linth von Bern via Burgdorf, Langenthal, Olten und Zürich nach Chur anbieten.

Kunden können wählen

Damit kommt es auf der Linie Bern–Burgdorf–Olten zu einer Premiere: Anstelle der SBB fahren hier bald zwei andere Bahnen den Fernverkehr. Neben der SOB wird halbstündlich versetzt die BLS unterwegs sein. Die Kunden können also zwischen den Anbietern wählen.

So interessiert besonders, welche Züge eingesetzt werden. Die BLS hat beim Rollmaterialhersteller Stadler Doppelstockzüge bestellt. Dies als Folgeauftrag für die «Mutz»-Züge, mit denen sie bereits auf Strecken der S-Bahn Bern fährt.

Die Traverso-Züge der SOB hingegen sind einstöckig und bieten in acht Wagen insgesamt 359 Sitzplätze. Davon sind 68 Plätze in der 1. Klasse. Für die Stosszeiten können zwei Züge gekoppelt werden.

Der Zug bietet viel Komfort und ist mehr auf Fernreisende als auf Pendler ausgerichtet. Das Interieur ist geräumig und hell. Für Gemütlichkeit sollen Holzelemente sorgen und die Klimaanlage. Die Gepäckablagen verdienen ihren Namen und sind nicht nur Hutfächer wie bei Doppelstockzügen.

Viele Kunden werden sich über die Steckdosen am Platz freuen. Zudem ermöglichen spezielle Scheiben einen besseren Handyempfang. Für Familien hat es ein separates Abteil, und Kinder können auf Klapptischen im WC gewickelt werden.

Laute Türwarnung

Seit Juni setzt die SOB die ersten Traverso-Züge auf der Strecke des Voralpen-Expresses im regulären Betrieb ein. Laut Küchler laufen sie gut. Die meisten Reklamationen gebe es noch wegen der lauten Warntöne beim Öffnen und Schliessen der Türen. Doch damit erfülle man die Normen. Sehr geschätzt werde der ebenerdige Einstieg in den Niederflurzug.

Die SOB hat 24 der achtteiligen Kompositionen für je rund 15 Millionen Franken gekauft. Für die SBB bringen sie eine Entspannung beim eigenen Mangel an Rollmaterial und an Lokführern. Am Gotthard sollen rund 70 Prozent der Züge von SOB-Lokführern gefahren werden. Die Reisebegleiter stellt allein die SOB. Für die Linie Bern–Chur ist ein ähnliches Modell geplant.

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