In Worb läuten die Kirchenglocken weiter

Das Bundesgericht hat einen Entscheid gefällt, der in Worb interessiert: In Wädenswil dürfen die Kirchenglocken nachts im Viertelstundentakt läuten. Es ging um eine Lärmklage von Anwohnern. In Worb bleibt ein gleicher Fall hängig.

Wie oft werden die Glocken der Kirche Worb in Zukunft läuten dürfen? Das bleibt auch nach einem Bundesgerichtsentscheid ungewiss.

Wie oft werden die Glocken der Kirche Worb in Zukunft läuten dürfen? Das bleibt auch nach einem Bundesgerichtsentscheid ungewiss. Bild: Urs Baumann

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Gespannt hat Werner Lüthi, Ratspräsident der Kirchgemeinde Worb, am Mittwoch gewartet. Gewartet auf einen Entscheid aus Lausanne. Dort, hinter den Türen des Bundesgerichts, ist ein wichtiger Entscheid zum Thema Glockengeläut gefällt worden – vielleicht auch für die Kirche Worb.

Das Bundesgericht hatte sich mit einem Fall aus Wädenswil ­beschäftigt. Anwohner hatten gegen den Lärm des Glockenschlags geklagt – und zunächst recht erhalten. Die Kirchgemeinde wehrte sich aber gegen den Entscheid und zog vor Bundes­gericht. Dieses hat am Mittwoch entschieden, dass die Glocken in Wädenswil nachts weiterhin alle 15 Minuten schlagen dürfen.

Richtiger Weg gegangen

Dieses Urteil könnte Konsequenzen für Worb nach sich ziehen. Auch hier hatten Privatpersonen eine Beschwerde eingereicht. Die kantonale Polizei- und Militär­direktion hiess diese teilweise gut, die Glocken durften nachts nur noch stündlich ertönen.

Die Kirchgemeinde zog diesen Entscheid weiter ans Verwaltungsgericht und beantragte, das Verfahren zu sistieren, bis der Entscheid der Kirche in Wädenswil gefallen sei. «Wir sind froh, dass das Verwaltungsgericht gewartet hat», erklärt Ratspräsident Werner Lüthi. Er ist überzeugt, dass der Weg der Kirchgemeinde, die Beschwerde weiterzuziehen, der richtige gewesen ist. «Die meisten Anwohner wollen das Kirchengeläut, das höre ich immer wieder aus der Umgebung.»

Ob sich die Kirchgemeinde Worb auf einen ähnlichen Ausgang in ihrem Verfahren freuen darf, ist nicht gewiss. «Es gilt jeweils, anhand einer Interessenabwägung im Einzelfall zu entscheiden», heisst es in der Mitteilung des Bundesgerichts. «Das Verwaltungsgericht wird das Verfahren nun wieder aufnehmen», konstatiert Werner Lüthi.

Auch in der Stadt Bern wird der kirchliche Glockenschlag immer wieder zum Thema. Die Kirchgemeinden regeln das Kirchengeläut in eigener Kompetenz, rund 20 Kirchen stehen auf dem Gebiet der Stadt Bern.

Der Grossteil der Berner Kirchen stellt ihr ­Glockengeläut nachts bereit seit längerer Zeit freiwillig ein oder geht Kompromisse ein, ohne dass diese vor Gericht entschieden werden mussten. Im Berner Münster, in der Petruskirche oder der Kirche Bethlehem beispielsweise ertönen die Glocken nachts seltener oder gar nicht.

Wenig Fälle behandelt

Für Aufsehen gesorgt hat in der Stadt Bern die Klage gegen den Glockenschlag in der Pauluskirche in der Länggasse. Das Polizeiinspektorat verfügte 2011, dass die Pauluskirche nachts aus Lärmschutzgründen gar nicht mehr läuten darf – auch nicht zur vollen Stunde.

Eines der einzigen Kirchengeläute in der Stadt Bern, das Viertelstunde für Viertelstunde erklingt, ist das der Friedenskirche im Mattenhofquartier. Dort wird der Klang aber seit 2012 gedämpft, um möglichen Reklamationen zuvorzukommen. Trotzdem hat es auch in jüngster Zeit Beschwerden gegen das nächt­liche Kirchengeläut in Berns Strassen gegeben.

Im Februar dieses Jahres reichte GFL-Stadtrat Marcel Wüthrich einen Vorstoss ein, um das Geläut aller Berner Kirchen zwischen 22 und 7 Uhr zu verbieten. Der Vorstoss ist noch hängig, «der Gemeinderat ist aber der Ansicht, dass es momentan nicht notwendig ist, eine neue Rechtsgrundlage bezüglich des nächtlichen Glockengeläuts auf Gemeindeebene zu schaffen», hält das Stadtparlament fest.

Die Fachstelle Lärmakustik der Kantonspolizei Bern, die für den Alltagslärm, zu welchem Glockengeläut zählt, zuständig ist, ist wenig mit dieser Art von Lärm konfrontiert. «Im Kanton Bern ist das Thema der Kirchenglocken bis heute nur in einzelnen wenigen Fällen, wie zum Beispiel in Worb, durch die Fachstelle behandelt worden», heisst es bei der Kantonspolizei.

Kirche sucht den Dialog

Die Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn nehmen das Urteil zur Kenntnis, erklärt Kirchenschreiber Daniel Inäbnit. Aber «von einer Erleichterung zu sprechen, wäre übertrieben, da wir nicht Partei waren». Zurzeit ändere sich nichts, man warte auf die Urteilsbegründung. Vor Lärmklagen fürchte man sich nicht.

Die Kirchgemeinden nehmen die Lärmklagen von Anwohnern ernst und suchen den Dialog, ergänzt Inäbnit. Als positives Beispiel nennt er die Thomaskirche im Liebefeld. Als der Turm saniert wurde, wurden die Geläute miteinbezogen. Dank kürzeren Klöppeln und Gegengewichten läuten die Glocken leiser.

Betroffene Kirchgemeinden können sich an die reformierte Landeskirche wenden, erklärt Daniel Inäbnit. Diese unterstützt bei Wunsch rechtlich und kommunikativ. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.12.2017, 19:41 Uhr

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