Insel-Ärztin Natalie Urwyler gewinnt Prix Courage

Natalie Urwyler erhält den «Beobachter Prix Courage». Der Ärztin des Berner Inselspitals wurde 2014 nach der Geburt ihrer Tochter gekündigt. Sie wehrte sich dagegen und gewann vor dem Berner Obergericht.

Natalie Urwyler wird für ihren Kampf für die Gleichstellung der Frauen in Spitälern ausgezeichnet.
Jürg Steiner@Guegi

Natalie Urwyler, die mit Verweis auf das Gleichstellungsgesetz vor Gericht gegen das Inselspital erfolgreich gegen ihre Entlassung kämpfte, erhielt am Freitag abend den diesjährigen Prix Courage, den die Zeitschrift Beobachter alljährlich am eine Person vergibt, die durch besondere Zivilcourage aufgefallen ist.

Die Anästhesistin Urwyler, die auf dem Weg zu einer Professur war, hatte sich jahrelang vehement für Verbesserungen etwa im Mutterschutz am Inselspital eingesetzt. Doch nach ihrem eigenen Mutterschaftsurlaub wurde es ihr verunmöglicht, schrittweise an ihre Stelle zurückzukehren.

Sie reichte deshalb Beschwerde wegen Diskriminierung ein – und während die Beschwerde hängig war, kündigte ihr das Inselspital. Dagegen klagte Natalie Urwyler 2014, und nach fast vierjährigem Rechtsweg taxierte das Berner Obergericht im September 2018 Urwylers Entlassung in zweiter Instanz als Rachekündigung. Das Urteil bedeutet: Urwyler muss wieder eingestellt werden.

Momentan freigestellt

Doch die Inselgruppe wird das nicht tun, wie sie angekündigt hat. Sie beharrt darauf, dass das Gericht keine Diskriminierung festgestellt habe. Es wird wohl zu einer zweiten Kündigung kommen. Im Moment ist Natalie Urwyler freigestellt.

Sie ist inzwischen eine national bekannte Persönlichkeit, die oft spontan angesprochen wird. Mitte dieser Woche etwa war sie in Zürich zu einer Jubiläumsfeier der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» eingeladen, und beim Apéro war sie stets von Leuten auch aus der Medizin umringt, die ihr für ihr Engagement dankten.

In Bern bewegt das bis jetzt wenig. Vor zehn Tagen kam der Regierungsrat als Aufsichtsorgan über das Inselspital in einer Antwort auf einen politischen Vorstoss zu diesem Schluss: Er sehe «keinen Handlungsbedarf» gegenüber der Insel, obschon er selber den im Vergleich zu Privatspitälern gleichbleibend tiefen Frauenanteil in Kaderarztpositionen an der Insel auswies.

Natalie Urwyler sei sich bewusst gewesen, «dass ihre Hartnäckigkeit zu mehr Feinden als Freunden führen würde», sagte die frühere Aargauer Regierungsrätin Susanne Hochuli in ihrer Laudatio zum Prix Courage. «Im ärztlichen Kader des Inselspitals sind 90 Prozent Männer beschäftigt», so Hochuli weiter, «es geht hierarchisch zu und her, viele Chefärzte halten sich noch immer für Übermenschen – und benehmen sich auch so».

Berner Zeitung

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