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Kampf gegen das Bordell in der Aarbergergasse

Die Interessengemeinschaft Aarbergergasse wehrt sich gegen das geplante Bordell über der Wunderbar in Bern. Die Partymeile sei schon heute stark überbelastet, sagt IG-Präsident Bernhard Hüsser.

«Da braucht es weiss Gott nicht noch ein weiteres Bordell», sagt Moléson-Wirt Bernhard ­Hüsser, Präsident der IG Aarbergergasse.
«Da braucht es weiss Gott nicht noch ein weiteres Bordell», sagt Moléson-Wirt Bernhard ­Hüsser, Präsident der IG Aarbergergasse.
Franziska Rothenbühler

«Die Schmerzgrenze ist erreicht!», schreibt die Interessengemeinschaft Aarbergergasse klipp und klar. Grund für den Ärger sind die letzte Woche bekannt gewordenen Pläne, dass in der Aarbergergasse ein weiteres Bordell seinen Betrieb aufnehmen soll.

Über dem Gastrolokal Wunderbar ­sollen auf zwei ­Etagen selbstständig arbeitende Prostituierte ihre Dienste anbieten können. Die IG Aarbergergasse sammelt nun Unterschriften für eine Kollektiveinsprache gegen das geplante Freudenhaus. Präsident der IG, welche vorwiegend aus Hauseigentümern und Geschäftsinhabern besteht, ist Moléson-Wirt Bernhard ­Hüsser.

Die Partymeile Aarber­gergasse sei schon heute stark überbelastet, sagt er. «Da braucht es weiss Gott nicht noch ein weiteres Bordell.» Mit dem Laufhaus Aarbergergasse über dem Casa Marcello und den Zimmern oberhalb der Taxi-Bar an der Speichergasse habe es in der Umgebung schon genug Prostitutionsbetriebe.

Kontaktbar zum Anwerben?

Dass ein Bordellbetrieb eher als stilles und diskretes Gewerbe gilt, sieht die IG Aarbergergasse in diesem Fall etwas anders. Die Vereinigung befürchtet gemäss Einsprachetext, dass die neu eröffnete Wunderbar als «Kontaktbar zur Kundenanwerbung für die beiden Bordelle an der Aarbergergasse» dienen ­werde. Weil die besagte Bar auch über Aussensitzplätze verfügt, glaubt die Vereinigung nicht an ein diskretes Anwerben.

Betreiber der Wunderbar ist Roland Staudenmann. Er führ­te einst die Taxi-Bar an der ­Speichergasse. Ausserdem war er ­Vermieter des ehe­maligen ­Bor­dells am Lagerweg in der ­Lorraine.

Und seit zwei Jahren betreibt der Berner Gastrounternehmer das Casa Marcello. Die Gaststätte geniesst bei der IG Aarbergergasse wegen des nicht gerade diskreten Drogenkonsums einiger Gäste ebenfalls keinen guten Ruf.

Mit dem Kontaktbar-Vorwurf konfrontiert, reagiert Staudenmann gereizt. Das sei ihm egal. «Auch im Bellevue treffen sich Mann und Frau, um dann nach oben zu verschwinden.» Staudenmann bestreitet, dass er in den Bordellbetrieb in den Stockwerken über seiner Wunder­bar involviert sei.

Er verweist auf Bordellbetreiber Dominic Schmid. Mit ihm sitzt Staudenmann gemäss dem Firmen­register Money­house in der ­Geschäftsleitung der B. J. R. ­Gas­tro GmbH. Und diese wiederum ist Mieterin der geplanten ­Bordellräumlichkeiten. Dominic Schmid blockte in diesem ­Zu­sammenhang bereits letzte Woche eine Anfrage dieser ­Zeitung ziemlich unwirsch ab.

Sex statt Thai-Massage

Ursprünglich sollte in den Räumlichkeiten über der Wunderbar ein Salon für klassische Thai-Massagen entstehen, wie der letztjährigen Baupublikation zu entnehmen ist. Was die Thai-Massagen angeht, wurde im Mietvertrag «jegliche Form von Sexgewerbe explizit ausgeschlossen». Dies sagte damals Anwältin Annemarie Lehmann gegenüber dieser Zeitung. Sie vertritt die Hauseigentümer, die Helvetische Immobilien AG.

Seit der neusten Baupublikation ist klar, dass aus den Thai-Massagen eben doch ein Sex­gewerbe werden soll. Annemarie Lehmann teilt auf Anfrage mit, dass dies – unter dem Vorbehalt der behördlichen Bewilligung – für die Eigentümer mittlerweile kein Problem mehr sei.

Wie stark der Widerstand aus der Bevölkerung gegen das ­geplante Bordell ist, wird sich ­Ende Juli zeigen. Dann läuft die Einsprachefrist ab. Bis dahin werden die Mitglieder der IG Aarbergergasse fleissig Unterschriften sammeln.

Eine andere Frage ist, wie ­erfolgversprechend die Ein­sprachen sein werden. Denn seit 2013 herrscht hierzulande ein ­verschärftes Prostitutionsgesetz. Während früher Bordelle der ­Diskretion wegen bevorzugt in reinen oder gemischten Wohnzonen betrieben wurden, ist dies nach neuem Gesetz ­praktisch unmöglich geworden. Deshalb zieht es Bordellbetreiber vornehmlich an pulsierende Partymeilen, wie eben die ­Aarbergergasse.

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