Nur noch ein Zeugnis pro Jahr im Gymnasium

Erstmals findet ab Montag der gymnasiale Unterricht im deutschsprachigen Kantonsteil nur noch an den Gymnasien statt. Vom Wechsel betroffen sind 31 Sekundar­schulen, die noch solche speziellen Klassen angeboten haben.

Adieu Quarta, Tertia, Secunda, Prima: laut Bernhard Pulver gibt es neu nur noch die Bezeichnungen GYM1 bis GYM4.

Adieu Quarta, Tertia, Secunda, Prima: laut Bernhard Pulver gibt es neu nur noch die Bezeichnungen GYM1 bis GYM4. Bild: Patric Spahni

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Am Montag beginnt für viele Kinder und Jugendliche im Kanton Bern das neue Schuljahr. Dann ist auch definitiv Schluss mit dem gymnasialen Unterricht in der Sekundarschule. Mit der Einführung der sogenannten Quarta­lösung findet der Übertritt ins Gymnasium im deutschsprachigen Kantonsteil nun flächen­deckend bereits nach der 8. und nicht wie bisher an 31 Schulen erst nach der 9. Klasse statt. Dazu kommt, dass der Unterricht im Schwerpunktfach bereits im ersten Jahr startet. Diese neue Regelung betrifft auch den zweisprachigen Bildungsgang an den Bieler Gymnasien.

Der Wechsel bedingte, dass die Lektionentafel, der Lehrplan und die Beurteilung angepasst werden mussten, wie Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) am Freitag an einer Medienkonferenz sagte. Demnach erhalten künftig die Gymnasiasten nur noch am Ende jedes Jahres ein Zeugnis. Bisher geschah dies halbjährlich. Nach dem ersten Semester bekommen die Schüler dafür einen Zwischenbericht. Die sogenannte Jahrespromotion hat gemäss Pulver zur Folge, dass ­weniger Prüfungen durchgeführt werden müssen als bisher.

Neun Lektionen gestrichen

Keine Änderung gibt es beim Verfahren zum Übertritt von der Sekundarschule in die Gymnasien. Die Lehrer geben dazu Empfehlungen ab. Erhält jemand keine, muss er eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Zudem ist ein Wechsel nach wie vor auch erst nach der 9. Klasse möglich.

Die Schüler besuchen aber dann das erste der vier Gymerjahre. Gemäss Erziehungsdirektor Pulver überwiegen die Vorteile des Wechsels die Nachteile bei weitem. «Die Quarta­lösung ermöglicht eine durchgehende, klar strukturierte Ausbildung, was ­dazu beiträgt, die Qualität am Gymnasium zu verbessern», sagte er. Nichtsdestotrotz gebe es auch Änderungen, die ihn etwas schmerzten. Er erwähnte dabei etwa die Umbenennung der Klassen von Quarta bis Prima in neu Gym 1 bis Gym 4.

Mit der Quartalösung werden aber auch Sparvorgaben aus dem Jahr 2014 umgesetzt. Insgesamt müssen die Gymnasien 9 Millionen Franken sparen. Das hat zur Folge, dass über die vier Jahre verteilt neun Lektionen gestrichen werden mussten. Darunter befinden sich beispielsweise eine Französischlektion sowie Lektionen beim Ergänzungs- und beim Kunstfach.

Im Gegenzug werden die naturwissenschaftlichen Fächer gestärkt, für die zwei zusätzliche Lektionen zur Verfügung stehen. Zudem soll in verschiedenen Fächern die nachhaltige Entwicklung als Konzept behandelt werden. In Geografie könne es beispielsweise darum gehen, wie die Bedürfnisse der heutigen und der künftigen Generationen gedeckt werden könnten.

Sparvorgaben erfüllt

Entlassungen habe die Umstellung keine zur Folge, so Pulver. Dies sei eine seiner Hauptsorgen gewesen. Insbesondere bei jenen Sekundarschulen, welche keinen gymnasialen Unterricht mehr anbieten dürfen, stellte sich die Frage, was mit den betroffenen Lehrern geschieht. Dank der guten Zusammenarbeit von Gymnasien und Sekundarschulen seien der Erziehungsdirektion aber nur drei Personen gemeldet worden, für die sich «eine nicht zumutbare Pensenreduktion abzeichnete».

«Mittlerweile hat sich auch für diese drei Fälle eine Lösung ergeben», sagte Pulver. Mario Battaglia, Vorsteher der Abteilung Mittelschulen, sagte zudem, dass die Sparvorgaben erfüllt würden. Zwischen 2009 und 2016 hätten die Kosten für die Gymnasien um 16 Millionen auf 139 Millionen Franken gesenkt werden können. Einerseits wegen Sparmassnahmen, andererseits aber auch wegen Klassenreduktionen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.08.2017, 11:07 Uhr

Statistik

Rund 10'000 Kinder beginnen am Montag im Kanton Bern ihre obligatorische Schulzeit mit dem ersten Kindergartenjahr. Gesamthaft besuchen im kommenden Schuljahr 102 700 Schülerinnen und Schüler entweder den Kindergarten oder die Volksschule. Das sind rund 550 mehr als noch im Vorjahr. Die Schüler verteilen sich auf 472 Schulen mit insgesamt 1196 Standorten. Da die Geburtenzahlen im Kanton Bern ­während der letzten zehn Jahre um 14 Prozent gestiegen sind, rechnet die Erziehungsdirektion für die nächsten Jahre weiterhin mit einer Schülerzunahme. Im deutschsprachigen Kantonsteil ist das neue Schuljahr das letzte mit dem Lehrplan 95. Ab 2018 wird der Lehrplan 21 eingeführt. mab

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