Kein Anlass, den Einlass zu verschärfen

Nach dem Anschlag von Manchester verzichtet das Gurtenfestival auf mehr Sicherheit. Die neuralgischen Stellen wie etwa die Wartezone vor der Talstation werden in Absprache mit der Polizei aber verstärkt geschützt.

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Michael Feller@mikefelloni

Das Festival auf dem Gurten ist eine heile Welt, doch die heile Welt ist in Gefahr: Wo viele Menschen zusammentreffen, kann viel passieren, es sind beliebte Ziele von Terroristen.

Nach dem Anschlag in Manchester, wo am 22. Mai nach dem Konzert von Ariana Grande 23 Menschen ums Leben kamen, hat sich die Gurtenfestival-Veranstalterin Appalooza mit der Polizei zusammengesetzt. «Die Polizei hat unser Kontrollsystem am Eingang für gut befunden», sagt Sprecher Simon Haldemann. Daher gebe es keinen Anlass, den Einlass zu verschärfen.

«Unsere Taschenkontrollen sind schon seit Jahren rigoros. Dabei bleiben wir.» Damit geht Appalooza weniger weit als ABC-Productions, die etwa das Justin-Bieber-Konzert im Stade de Suisse veranstaltet hat. Sie lässt die Besucher nur noch Taschen, die kleiner sind als A5, ans Konzert mitnehmen.

Gepäckscanner in St. Gallen

«Ein Festival unterscheidet sich stark von einem Stadionkonzert, die Leute verbringen den ganzen Tag auf dem Gelände», sagt Haldemann. Darum sei es weiterhin erlaubt, auch Rucksäcke mitzunehmen – «die Einschränkung wäre sonst zu gross».

Andere Open Airs haben dieses Jahr ihre Sicherheitskontrollen verschärft, besonders vor den Zeltplätzen. Das Open Air St. Gallen setzte Gepäck-Röntgenanlagen ein. Dafür sieht man in Bern keinen Anlass. Weiterhin dürfen Besucher nur ein Zweier-Igluzelt mitnehmen, Kochutensilien sind verboten. «In St. Gallen können die Besucher ganze Zeltdörfer bauen. Unser Konzept ist wegen des beschränkten Platzes etwas ‹stierer›», sagt Haldemann. Dafür bestehe beim Gurtenfestival kein erhöhtes Sicherheitsrisiko in der Sleeping Zone.

Doch was passiert vor dem Einlass auf das Gelände? In Wabern warten zeitweise Tausende Menschen auf die Bergfahrt – ein einfaches Ziel, etwa für einen Angriff per Lastwagen? «Wir werden am Dienstag die Situation vor Ort mit der Polizei analysieren», sagt Haldemann.

Gefahr auch von oben

Falls nötig seien Schutzmassnahmen wie Betonpflöcke denkbar. Weiter kann sich der Sprecher nicht zu den möglichen Massnahmen äussern. Ausgeschlossen sei aber eine Sicherheitskontrolle bereits in Wabern. «Der Gurten ist zu Fuss von vielen Richtungen her zugänglich, deshalb würde eine Verschiebung der Taschenkontrolle nach Wabern keinen Sinn ergeben.»

Gewaltattacken sind nur eines von mehreren Sicherheitsrisiken. Gefahr lauert auch von oben. Gefährlich wäre etwa eine Gewitterzelle mit Hagel. In diesem Fall müsste das Festival unterbrochen werden, die Gäste müssten in den Zelten oder im Wald Schutz suchen. Dafür würden laut Haldemann die Notausgänge geöffnet. «Wir sind in ständigem Kontakt mit Meteotest. Wir wissen fast auf die Minute genau, wann es auf dem Gurten zu regnen beginnt.» sagt er. Bei Hagel könne deshalb das Gelände rechtzeitig evakuiert werden, damit niemand verhagelt wird.

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