Keine Temperatur-Limite für die Aare

Das Wetter bleibt der einzige direkte Faktor, der die Wassertemperatur der Aare bestimmt. Ein Projekt, die Aare zu kühlen, ist nur am 1. April umsetzbar.

Auch künftig wird die über 20 Grad warm werden. Das Projekt das Kantons existiert nur am 1. April.

Auch künftig wird die über 20 Grad warm werden. Das Projekt das Kantons existiert nur am 1. April.

(Bild: Iris Andermatt)

Hans Ulrich Schaad

Der Kanton Bern greift nicht in die Temperatur der Aare ein. Der Fluss darf, sofern das Wetter denn mitspielt, weiterhin über 20 Grad warm werden. Das kantonale Amt für Wasser und Abfall holt keine Pläne aus der Schublade, um die Aaretemperatur zu beschränken (siehe Text unten). Ein solches Projekt ist einzig am 1. April umsetzbar. Die Fischer hätten zwar nichts dagegen, denn: Wenn die Wassertemperatur für die Badenden erträglich wird, wird es für einige Fischarten wie Äsche und Bachforelle unangenehm.

Es ist zwar in Thun möglich, die Abflussmenge über die Schleusen und den Hochwasser-Entlastungsstollen stufenlos zu steuern, wie bei einem Wasserhahn. Der Eingang des Stollens beim Schifffahrtskanal setzt aber nicht so tief an, dass im Sommer eine kühlere Wasserschicht angezapft werden kann.

Die meisten Leserinnen und Leser haben den 1.-April-Scherz erkannt, wie den Kommentaren auf unserer Website zu entnehmen ist. So wurde doch gleich eine Abkühlung auf 6 Grad gefordert, damit das Bier schön kühl und sofort genussbereit bleibt. Jemand würde eine tiefere Temperatur gar nicht so schlecht finden, denn die letztjährige Ballermanntendenz mit Lärm und Abfall sollte nicht zur Gewohnheit werden.

Dieser Artikel ist am 1. April erschienen und war von der BZ-Redaktion als Aprilscherz konzipiert:

Aareböötler müssen sich warm anziehen

Es ist in jedem Frühsommer die gleiche Frage: Wann knackt die Aare die 20 Grad? Bereits im Mai? Oder gar erst im Juli? Ab diesem Sommer ist diese Frage überflüssig. Die Antwort steht bereits fest: nie. Denn der Kanton startet ein mehrjähriges Pilotprojekt. Die Wassertemperatur der Aare soll selbst bei einer Hitzeperiode die magische Marke von 20 Grad nicht mehr überschreiten.

Auslöser für das Vorhaben ist der letztjährige Hitzesommer. Nach einer tagelangen Bruthitze erreichte die Aare am späten Nachmittag des 6. August eine Temperatur von 23,83 Grad. Damit war der Rekord aus dem Sommer 2003 übertroffen. In diesen ersten Augusttagen suchten Mann und Maus Abkühlung in und an den Gewässern.

In der Aare herrsche «Dichtestress», ­­titelte diese Zeitung. Tausende Böötler waren zwischen Thun und Bern unterwegs, unzählige Personen suchten in der lauen Aare Abkühlung. Während mehrerer Wochen lag die mittlere ­­Tagestemperatur der Aare über 20 Grad, die Höchsttemperatur tagelang sogar über 22 Grad.

Viele Nebenwirkungen

Das Ganze hatte aber seine Schattenseiten. Fische litten unter den hohen Temperaturen, insbesondere die Bachforelle und die Äsche. Einige unverbesserliche Bootsführer liessen ihr Gefährt beim Ausstieg im Eichholz oder im Marzili einfach liegen. Liegen gelassen wurde auch viel Abfall entlang der Aare zwischen Thun und Bern, selbst in den Naturschutzgebieten.

Diese Umstände haben den Kanton bewogen, Gegensteuer zu geben. Tiefere Wassertemperaturen sollen den Nutzungsdruck auf den Fluss reduzieren, lautet das Ziel. Das nun vor­­liegende Projekt steht unter der Federführung des kantonalen Amts für Wasser und Abfall (AWA). Beteiligt sind ebenfalls das Fischereiinspektorat und die Abteilung Naturförderung, wie aus dem Projektbeschrieb hervorgeht.

Wie ein Wasserhahn

Möglich machen das Vorhaben die physikalischen Eigenschaften des Wassers und der ­­bestehende Hochwasser-Entlastungsstollen in Thun. Über den Ausfluss des Thunersees bei den zwei Schleusen gelangt normalerweise nur das warme Oberflächenwasser in die Aare. In einigen Metern Tiefe ist das Wasser um ein paar Grad kühler. Genau dieses Wasser wird nun angezapft und über den Entlastungsstollen der Aare zugeführt.

«Die jeweiligen Mengen, welche durch den Stollen respektive die Schleusen abfliessen, lassen sich stufenlos regulieren», sagt Bernhard Wehren, Leiter Seeregulierung beim AWA. Ähnlich wie bei einem Wasserhahn. Wobei der maximale Durchfluss des Stollens, der beim Schifffahrtskanal beginnt, 100 Kubikmeter pro Sekunde betrage.

Bei Bernhard Wehren laufen die Fäden zusammen. Foto: Nicole Philipp

Einstieg gesperrt

Weil alle Infrastrukturen vorhanden sind, braucht es kaum Investitionen. Das Einzige, was noch fehlt, sind Temperaturfühler beim Einlauf des Stollens sowie bei den beiden Schleusen (Scherzligschleuse, Mühle­­schleuse). Sie werden in den nächsten Wochen installiert. Sie füttern den Computer, der das Mischverhältnis zwischen Stollen und Schleusen ausrechnet, falls die Aaretemperatur gegen den kritischen Wert ansteigt.

Referenztemperatur ist die Station Bern-Schönau. Weil sich die Aare bis Bern um ein paar Zehntelgrad erwärmt, liegt der maximale Wert bei Thun bei knapp über 19 Grad. Es brauche wohl einige Zeit und Erfahrungswerte, bis das System eingestellt sei, ergänzt Bernhard Wehren. Hätte das Projekt schon letztes Jahr begonnen, wäre der Entlastungsstollen während ­Wochen ununterbrochen in Betrieb gewesen.

Das AWA will sich derzeit nicht zu den Details des Projekts äussern. Klar ist aber bereits eine Einschränkung für Aareböötler: Falls der Hochwasserstollen für die Temperatur­­regulierung in Betrieb ist, darf die Einstieg­­stelle in Thun-Schwäbis nicht benutzt werden. Es wäre zu gefährlich wegen möglicher Verwirbelungen, ausgelöst durch den nahen Ausfluss des Stollens.

Berner Zeitung

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