Kies für weitere 25 Jahre

Rubigen

Es bleibt laut: Die Firma Kästli kann weiterhin Kies in Rubigen abbauen. Laut war es manchmal auch im Abstimmungskampf.

Kiesgrube: Der künftige Abbau erfolgt oberhalb des Kieswerks und der Bahnlinie. Auch ein Teil des Waldes ist betroffen und muss gerodet werden.

Kiesgrube: Der künftige Abbau erfolgt oberhalb des Kieswerks und der Bahnlinie. Auch ein Teil des Waldes ist betroffen und muss gerodet werden.

(Bild: Urs Baumann)

Johannes Reichen

Fast alle waren dafür: der Gemeinderat von Rubigen, die Parteien von links bis rechts und natürlich die Baufirma Kästli. Einzig die Interessengemeinschaft «Schützt Rubigen» (IG) mit sechs namentlich bekannten Mitgliedern wehrte sich öffentlich gegen den Kiesabbau in der Rütiweid.

Am Ende reichte es aber nicht: Nur eine Minderheit von 42 Prozent stimmte gegen das Vorhaben. «Wir sind enttäuscht», sagt deshalb Tobias Wild von der IG. «Wir hätten uns eine Mehrheit erwünscht.» Ein Achtungserfolg sei das Ergebnis aber doch. Man habe die Bevölkerung aufklären wollen, das sei gelungen.

«Froh» ist hingegen Gemeindepräsident Renato Krähenbühl (BDP), «dass die meisten Rubigerinnen und Rubiger dem Gemeinderat geglaubt haben.» Das Resultat sei angesichts des Vorhabens deutlich ausgefallen: «Niemand behauptet, dass eine Kiesgrube nur Freude macht.»

Geld, Natur und Lärm

Die Rütiweid liegt in der Nähe des Kieswerks in Rubigen, das Kästli betreibt. Im Gebiet rund um das Werk baut die Firma schon seit Jahrzehnten Kies ab. Letztes Jahr kam das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass die Baufirma teils ohne gültige Baubewilligung Kies abgebaut hat.

Kästli braucht aber auch in Zukunft Kies. In den nächsten rund zweieinhalb Jahrzehnten wird die Firma auf etwa 22 Hektaren etwa 2,5 Millionen Kubikmeter Kies abbauen. Dafür zahlt Kästli der Gemeinde während der Abbauphase rund 4,5 Millionen Franken. Der Abbau soll in sieben Etappen erfolgen. Laut Kästli wird die offene Fläche nie mehr als 3,5 Hektaren betragen.

Die Gegner kritisierten, dass zu wenig Rücksicht auf die Natur genommen wird. Ein Landschaftsschutzgebiet werde ge­opfert, Bäume würden gerodet. Die Befürworter waren der Meinung, dass das Abbaugebiet gleich neben dem Kieswerk gut gelegen sei und die Transport­wege kurz gehalten würden. Der Verkehr werde nicht zunehmen.

Heisser Abstimmungskampf

Auch weil der Kiesabbau der Firma Kästli in Rubigen schon lange ein Thema ist, wurde die Debatte sehr emotional geführt, das be­legen etwa Internetforen. «Wir müssen uns nichts vorwerfen lassen», sagt Wild, es sei die Gegenseite gewesen, die eine eher gehässige Stimmung verbreitet ­habe. «Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten.» Der Tenor sei gewesen: Endlich habe jemand den Mut, sich gegen den Kiesabbau zu wehren.

«Was den Abstimmungskampf betrifft, so haben wir in Rubigen einen neuen Stil erlebt», sagt der Gemeindepräsident. Bis jetzt sei man trotz unterschiedlicher Ansichten jeweils respektvoll mit­einander umgegangen, jetzt zum Teil nicht mehr. «Ich bedaure, dass die Mehrzahl der namentlich genannten Mitglieder der IG ihre Interessen nicht offengelegt haben.» Näher will er sich dazu nicht äussern.

Keine schädigende Wirkung

Die Ängste der Gegner will er ernst nehmen. «Zusammen mit der Firma Kästli werden wir dafür sorgen, dass der Abbau umwelt- und menschenverträglich gestaltet wird.» Insbesondere besorgte Eltern, die eine gesundheitsschädigende Wirkung des Abbaus beim nahen Schulhaus befürchten, könne er mit Überzeugung beruhigen.

«Es gibt keine lufthygienischen Veränderungen», das habe die Umweltverträglichkeitsprüfung ergeben. Für Tobias Wild ist das Thema nun abgehakt. «Die Sache ist entschieden», sagt er. Die IG werde aufgelöst.

Resultat: 695 Ja (58,7%), 489 Nein (41,3%), Stimmbeteiligung: 53%.

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