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Kinostadt im Umbruch

Hohe Mieten und hohe Parkplatzpreise treiben viele Kinosäle aus der Berner Innenstadt an die Peripherie. Das sagt Philippe Täschler von Kitag. Seine Konkurrentin Edna Epelbaum, von der Quinnie-Gruppe, widerspricht.

Kitag schliesst in der Stadt mehrere Kinosäle, baut aber auf dem Gümligenfeld ein neues Multiplexkino.
Kitag schliesst in der Stadt mehrere Kinosäle, baut aber auf dem Gümligenfeld ein neues Multiplexkino.
zvg
Quinnie-Besitzerin Edna Epelbaum sagt, dass es der richtige Mix zwischen Zentrum und Peripherie ausmacht.
Quinnie-Besitzerin Edna Epelbaum sagt, dass es der richtige Mix zwischen Zentrum und Peripherie ausmacht.
Stefan Anderegg
Jan Halvorsen führt das Pathé Mall of Switzerland.
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Stefan Anderegg
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Das Kino Royal? Geschlossen. Alhambra? Ende Jahr zu. Capitol? Dito. Diese Kinos gehören – oder gehörten – zur Kinokette Kitag. Sie führt in der Stadt Bern ausserdem die Kinos City, Gotthard, Jura und Splendid. Doch weitere Schliessungen seien unausweichlich, erklärt Kitag-Geschäftsführer Philippe Täschler. Denn wie er sagt, lohnt sich der Betrieb von 1- bis 2-Saal-Kinos in Innenstädten nicht mehr. Die Mieten seien zu hoch, und der Personalaufwand sei bei vier oder fünf Sälen nicht höher als bei einem.

Heisst das, dass Kitag in Bern demnächst nur noch seine 3-Saal-Kinos Jura und City weiterführen wird? Täschler antwortet ausweichend: «Nicht alle Kinos, die wir gerne weiterführen möchten, werden wir auch weiterführen können.» Das Kino Capitol an der Kramgasse hätte Kitag nämlich gerne weitergeführt. Grund für die Schliessung sei die vom Vermieter gewollte Umnutzung des Gebäudes, betont Täschler.

Viele Kinos stehen in Bern an sehr teuren Adressen. Die Mieten seien in grossen Städten – nicht nur in Bern – für einen Kinobetrieb schwierig zu bezahlen, so Täschler. Schliesslich braucht ein Kino nicht nur viele Quadrat-, sondern auch viele Kubikmeter. «Für eine grosse Leinwand braucht es die Höhe mehrerer Geschosse.»

Teure Mieten, teures Parking

Die hohen Mietpreise sind nicht nur für Kitag, sondern auch für die Quinnie-Gruppe ein Problem. Quinnie führt die Stadtkinos ABC, Bubenberg, Club, Camera und Movie. Dabei machten aber Vermieter mit Kinos ein gutes Geschäft, erklärt Quinnie-Besitzerin Edna Epelbaum. Kinobetriebe seien langfristige, zuverlässige Mieter. «Ein Kino bleibt in der Regel länger als ein Restaurant.»

Die Hoffnung auf besser zahlende Kundschaft habe sich in der Vergangenheit für manchen Vermieter zerschlagen. «Die Räumlichkeiten des ehemaligen Kitag-Kinos Royal stehen nach wie vor leer», stellt Edna Epelbaum fest. Kein Einzelfall: In Zürich steht das ehemalige Kitag-Kino ABC seit drei Jahren leer. Dabei wollte Kitag die Räumlichkeiten an der Waisenhausstrasse eigentlich gar nicht räumen, wie Täschler sagt. Auf Betreiben des Liegenschaftsbesitzers musste das Filmtheater aber weichen.

Nicht nur die Mieten sind in Innenstädten teuer, auch die Parkplätze sind es. Parkplätze sind für jedes Geschäft ein wichtiger Faktor, sagt Philippe Täschler. Wer mit dem Auto unterwegs ist, bezahlt in der Stadt Bern für einen Kinobesuch mit anschliessendem Drink etwa 12 Franken – allein fürs Parkieren. Täschler: «Bei solchen Preisen muss man sich nicht wundern, dass die Stadt noch mehr Kinos verliert.»

Zum Vergleich: im Pathé Westside zahlt man für denselben Zeitraum nur gerade 80 Rappen. «Damit können wir nicht mithalten», so Täschler.

Eine attraktive Innenstadt verfüge auch über ein entsprechendes Parkplatzangebot, sagt die Quinnie-Besitzerin. Dieses sei in der Stadt Bern – wie auch in anderen grossen Schweizer Städten – nur bedingt vorhanden. Quinnie wurde schon bei der Stadt vorstellig, um über tiefere Parktarife zu diskutieren – ohne Erfolg.

«Letztlich ist die Situation für Kinos aber nicht anders als beispielsweise für Detailhändler», so Epelbaum. Zwar seien die Parkplätze in der Stadt nicht billig, doch dafür seien die Innenstadtkinos sehr gut mit dem ÖV erschlossen.

Kitag weicht nach Muri aus

Die Kombination aus hohen Mieten und teuren Parkplätzen führe dazu, dass in der Schweiz jetzt passiere, was im Ausland schon vor Jahren passiert sei: «Die meisten Kinos räumen die Innenstädte», sagt Täschler. Kitag eröffnet deshalb im nächsten Frühling ein Multiplexkino auf dem Gümligenfeld in Muri. «Wir müssen diesen Schritt jetzt machen, ansonsten würden wir vom Berner Markt verdrängt.»

Neben den zehn Kinosälen entstehen in Muri ein Restaurant, eine Bowlinganlage und eine Sportbar. Man werde sowohl junge Zuschauer wie auch ein erwachsenes Publikum ansprechen, sagt der Kitag-Chef: «Das Multiplexkino auf dem Gümligenfeld wird technisch ein Meilenstein.»

Quinnie bleibt in der Stadt

Der Trend der Stadtflucht laufe im Ausland aber mancherorts bereits wieder in die umgekehrte Richtung, entgegnet Edna Epelbaum. Es sei letztlich eine Frage der Geschäftsstrategie, ob ein Unternehmen auf die Peripherie oder die Innenstadt setze. 1- oder 2-Saal-Kinos könnten in der Innenstadt durchaus rentieren. «Unser Ziel ist es nach wie vor, uns für den Erhalt von Kinos und Kinokultur in der Innenstadt einzusetzen.»

Kino gehöre zur Dynamik und zum sozialen Leben einer Innenstadt dazu. Ein breites kulturelles Angebot, welches unterschiedliche Alterskategorien anspricht, trage auch zur Sicherheit in der Stadt bei. «In Bern ist es wichtig, die Mischung zwischen Innenstadt und Peripherie zu gewährleisten. Für das Kino der Innenstadt steht die Quinnie-Gruppe ein.»

Künftig mehr Mainstream

Ob ein Ausbau in der Innenstadt, allenfalls die Übernahme ehemaliger Kitag-Kinos anstehe, «wird die Zukunft zeigen», so Edna Epelbaum. Ein Abbau stehe nicht zur Diskussion.

Es sei «absehbar», dass Quinnie nach dem angekündigten weitgehenden Rückzug von Kitag aus der Innenstadt sein Programm erweitern werde, so die Geschäftsführerin. Sprich: ein Mix aus anspruchsvollem Arthouse- und publikumswirksamen höherem Mainstreamkino.

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