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Kläranlage muss umgerüstet werden

Der Bund schlägt Alarm: Rund 100 Kläranlagen müssten umgerüstet werden, um Mikroverunreinigungen zu filtern – auch die grösste im Raum Bern. Dort kritisiert man das Vorgehen des Umweltamtes mit deutlichen Worten.

Zahlreiche Stoffe wie etwa Pflanzenschutzmittel oder Kosmetika verunreinigen trotz Kläranlagen Flüsse, Seen und das Trinkwasser. Dies das Fazit eines gestern vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) veröffentlichten Berichts. Um diese Mikroverunreinigungen zu eliminieren, empfiehlt das Bundesamt den Ausbau von rund 100 Abwasserreinigungsanlagen. Kostenpunkt: rund 1,2 Milliarden Franken. Damit würden die jährlichen Kosten der Abwasserreinigung um 130 Millionen Franken oder sechs Prozent zunehmen. «Die grössten Probleme haben Anlagen, welche sich in der Nähe von Ballungszentren befinden», betont Michael Schärer vom Bafu. Ein besseres Reinigungsverfahren empfiehlt sich im Raum Bern für die ARA Region Bern AG und die ARA Thun. Sonst stehe der Kanton Bern im nationalen Vergleich relativ gut da.

Harsche Reaktion

«Dass das Bafu mit diesem Bericht Alarmstimmung verbreitet, ist der völlig falsche Ansatz», enerviert sich Beat Ammann, Direktor der ARA Region Bern AG. Er hätte es begrüsst, wenn die Betreiber von Abwasserreinigungsanlagen stärker involviert und besser informiert worden wären. Ammann stellt gewisse Mikroverunreinigungen etwa durch Medikamente oder Körperpflegeprodukte auch bei der grössten Anlage im Kanton Bern nicht in Abrede. Aber die vom Bafu vorgeschlagenen Reinigungsverfahren vermögen Ammann nicht zu überzeugen. «Das propagierte Ozonierungsverfahren mag ja wirksam sein, ist aber extrem teuer», sagt der Direktor der ARA Region Bern AG. Er rechnet vor: «Allein der Stromverbrauch, der sich heute bei uns jährlich auf rund 14,5 Gigawattstunden beläuft, würde sich mit diesem Verfahren um rund 2 Gigawattstunden erhöhen.» Zudem verweist Ammann auf die fehlende Abstimmung mit der EU. Dort würden derzeit ehrgeizige Wasserrahmenrichtlinien erarbeitet, die man stärker berücksichtigen sollte, anstatt im Alleingang jetzt vorzupreschen.

Weitere Untersuchungen

Der Direktor der ARA Region Bern empfiehlt, nicht nur die Betreiber von Abwasseranlagen in die Pflicht zu nehmen. Eine beachtliche Verschmutzung der Flüsse und Seen erfolge durch diffus eingeleitete Schadstoffe. So verunreinigten etwa Gülle, Kunstdünger und so weiter das Grundwasser viel stärker als das geklärte Abwasser aus ARAs. Ammann verlangt, dass man wenigstens diese Verursacherquellen genau untersucht und mögliche Massnahmen ins Auge fasst, welche eine messbare Wirkung erzeugen. Das vorgeschlagene Vorpreschen des Bafu sei zu wenig fundiert.

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