Kleine Welt

Ostwärts

Abenteuer auf zwei Rädern: Die pensionierte Journalistin Laura Fehlmann fährt mit dem Velo über 6000 Kilometer quer durch Russland.

Die ehemalige BZ-Redaktorin Laura Fehlmann ist mit ihrem Velo auf dem Weg quer durch Russland. Von Kiew an den Baikalsee sind es rund 6150 Kilometer.

Die ehemalige BZ-Redaktorin Laura Fehlmann ist mit ihrem Velo auf dem Weg quer durch Russland. Von Kiew an den Baikalsee sind es rund 6150 Kilometer.

(Bild: Raphael Moser)

«Die Welt ist ein Dorf», pflegen die Russen zu sagen. Stimmt. Da radeln wir Tausende von Kilometern, um in Omsk den Sohn eines Bekannten von Dres Balmer zu treffen. Der junge Mann betreibt einen Veloladen mit Werkstatt in nächster Nähe unseres Hotels. Wir brachten unsere Fahrräder dorthin und kamen mit dem grossen, asiatisch aussehenden Mann ins Gespräch. Eldar spricht sehr gut Englisch, erzählt, er kenne die Schweiz gut, weil sein Vater im Tessin lebe. Er zeigt ein Bild auf seinem Handy, und Balmer stellt überrascht fest: Das ist sein Bekannter Tauf Khamitov, ein ehemaliger russischer Langläufer, der vor einigen Jahren mit seinem Team in die Schweiz kam, sich dort verliebte, heiratete und blieb.

Während Eldars Mechaniker an unseren Rädern arbeiten, unterhalten wir uns mit ihm, versuchen herauszukriegen, ob die Nebenstrassen, auf denen wir von Omsk nach Nowosibirsk fahren wollen, überhaupt geeignet sind. Er kann uns das nicht so genau sagen. Um dem mörderischen Verkehr auf der Magistrale 51 auszuweichen, werden wir trotzdem den Umweg über die kleinen Dörfer wagen. Das bedeutet eine Etappe von fast 1000 Kilo­metern statt 722.

Weil wir nicht wissen, ob wir unterwegs Verpflegungs­möglichkeiten haben werden, müssen wir für die Fahrt ins Unbekannte ein paar Liter Wasser und genug Essen mitnehmen. Ich gebe zu, vor dieser Fahrt ist mir etwas mulmig zumute. Aber die Ungewissheit verleiht mir auch Antrieb. Ich freue mich, Sibirien weiter zu entdecken.

Von Kiew an den Baikalsee: Rund 6150 Kilometer quer durch Russland. Quelle: Google Maps

Unser Vorhaben löst oft Bewunderung aus, auch Unverständnis und manchmal Neid. Die Reaktionen reichen von «Toll, dass ihr das wagt!» über «Wie schafft ihr das bloss?» bis «zum Baikalsee? Das möchte ich auch». Nun ja. Wir sind noch nicht dort, aber wir ver­suchen es. Begegnungen wir jene mit Eldar ermutigen uns. Auch die Tatsache, dass unsere Velos in seinem Geschäft teilweise erneuert wurden: neue Kette, neue Kassette, Schrauben nachgezogen, alles geputzt und geölt. Nach zwei Ruhetagen kommen wieder unsere Muskeln zum Einsatz dabei, in eine unbekannte Welt zu fahren, die eigentlich ein Dorf ist.

Berner Zeitung

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