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Kleines Dorf, grosse Fasnacht

Die Fasnacht in Mülchi mit mehreren Hundert Besuchern findet bereits zum 25. Mal statt. Die kleine, reformierte Gemeinde mit 241 Einwohnern setzt auf den regionalen Zusammenhalt, der ihnen zu diesem Erfolg verhilft.

Tijana Nikolic
Für Bruno Signori beginnt mit der Fasnacht der grösste Spass des Jahres.
Für Bruno Signori beginnt mit der Fasnacht der grösste Spass des Jahres.
Nicole Philipp

Beharrlich, mit viel Geduld und Liebe zum Detail schneidet ­Bruno Signorini Sagexfiguren in Form von Hunden aus. Noch ist es ruhig im Feuerwehrmagazin Mülchi. Die Wände der Halle zieren bunte Papierfüsse – ganz nach dem Motto der diesjährigen Fasnacht: «Mir sin läufig». Passend zum Thema sind zudem überall im Dorf Schuhe ausgestellt.

Bald ist es jedoch mit der Ruhe vorbei. Schon heute Abend wird die Bühne für das dreitägige, närrische Treiben geräumt: «Wir organisieren zum Auftakt der Fasnacht Mülchi einen Apéro für die Bevölkerung», sagt Signorini, der Zunftmeister der Rosedorne-Zunft Mülchi. Für ihn beginnt heute der grösste Spass des Jahres. Vor 25 Jahren gründete er mit dem damaligen Wirt des Restaurants Löwen in Mülchi die Rosedorne-Zunft. «Durch die Beteiligung des Männerchors Mülchi-Limpach waren wir damals 25 Mitglieder», so Signorini, Vater von zwei erwachsenen Söhnen.

Verglichen mit der Grösse der Bevölkerung von Mülchi – aktuell 241 Einwohner –, wären sie prozentual die grösste Fasnachtszunft des Kantons. «Und es ist sogar möglich, dass die Anzahl der Fasnachtsbesucher höher ist als die Anzahl unserer Einwohner», sagt der gelernte Maurer Signo­rini und lacht. Die genaue Zahl der Besucher ist nicht bekannt, da in Mülchi beispielsweise keine Fasnachtsplaketten verkauft werden. Dafür wären der Aufwand zu hoch.

Seeländer halten zusammen

«Wir erwarten 130 Kinder aus der zweiten und dritten Klasse aus Fraubrunnen sowie die Kindergärtner am Umzug am Samstag», erzählt Signorini oder «Schöggu», wie er in der Zunft genannt wird. Die Kinder kämen in Begleitung, was dann schliesslich mehrere Hundert Besucher ergeben würde. Nach dem Umzug mit zwölf Umzugswagen und Guggen treffen sich traditionell alle Kinder zur Kinderfasnacht im Feuerwehrmagazin, wo das beste Kostüm gekürt wird. Diese Tradition wurde vor 24 Jahren vom Zunftmitglied Romi Salzmann ins Leben gerufen, die Lehrerin ist und ihre Schüler während des Zeichenunterrichts Masken basteln liess.

Mit den Grossen mithalten

Warum sich die Fasnacht Mülchi in so einer kleinen und noch dazu reformierten Gemeinde seit 25 Jahren aufrechterhält und nicht an Beliebtheit verliert, weiss Signo­rini nicht genau: «Vielleicht liegt es daran, dass wir sonst nicht viele Feste im Dorf haben.» Ausserdem würden sich die Fasnachtszünfte aus dem bernischen und solothurnischen Seeland untereinander stark unterstützen. Zünfte und Guggen aus Lyss, Luterbach oder Deitingen kommen auch dieses Jahr nach Mülchi zum gemeinsamen Abendessen am Freitagabend.

Am Samstag gehe es dann gemeinsam an den Umzug und anschliessend werde gefestet.«Wir treffen uns auch alle einmal im Jahr auf der St. Petersinsel und koordinieren beim Grillieren unsere Umzugstermine, damit wir möglichst nicht am selben Datum die Fasnacht im Dorf haben», so Signorini, der in Büren an der Aare geboren ist. Es sei ihm sehr wichtig, diese Freundschaften und die gemeinsame Passion zu pflegen. «Umgekehrt gehe ich auch an jeden Umzug. Das ist schliesslich die Aufgabe eines Zunftmeisters.

Der Zusammenhalt der Seeländer Fasnachtszünfte sei auch sehr wichtig, da es immer weniger Zünfte gebe. «Erlach oder Grafenried beispielsweise haben ihre Fasnacht eingestellt», sagt Signorini. Auch Mülchi hat seit rund 5 Jahren keine Gugge mehr, weil sie zu wenige Mitglieder verzeichnen konnten. «Unser harter Kern hält aber an unserer Fasnacht fest und wird alles daransetzen, dass die Fasnacht Mülchi noch lange besteht», versichert Signorini.

Auch mit Guggen und Zünften aus dem Baselbiet hat er angebandelt: «Letztes Wochenende war ich in Sissach am Umzug.» Nun kommen die Basler nach Mülchi. Als Symbol der Freundschaft stellt Signorini für die Besucher Spezialplaketten aus Sagex her, in diesem Jahr in Form von Füssen passend zum Motto. Sogar eine kleine Schnitzelbank wird in Mülchi jedes Jahr präsentiert, damit mit den Grossen mitgehalten werden kann. Signorini kann es kaum erwarten, dass es losgeht, und wird nach der Fasnacht immer traurig beim Anblick der Konfettireste am Strassenrand.

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