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Mehr Vaterschaftsurlaub für Mitarbeiter der Stadt Bern

Künftig erhalten Berner Stadtangestellte vier statt drei Wochen frei, wenn sie ein Kind bekommen. So beschloss es der Stadtrat. Die GLP zog ihren Antrag, einen 16-wöchigen Elternurlaub einzuführen, selbstständig zurück.

Mit 58 Ja- zu 6 Nein-Stimmen genehmigte der Berner Stadtrat eine Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs von drei auf vier Wochen.
Mit 58 Ja- zu 6 Nein-Stimmen genehmigte der Berner Stadtrat eine Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs von drei auf vier Wochen.

Eigentlich hätte Lena Sorg (SP) am Donnerstag als erste Sprecherin ans Rednerpult treten sollen. Weil sie aber vor kurzem Mutter wurde, konnte sie an der Stadtratssitzung nicht teilnehmen. Ein lustiger Zufall, stand doch die zweite Lesung zur Revision des Personalreglements der Stadt Bern an, bei der sowohl über die Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs von drei auf vier Wochen als auch über eine frei einteilbare Elternzeit von sechzehn Wochen gesprochen wurde.

Während der erste Punkt kaum bestritten war und deutlich mit 58 Ja- zu 6 Nein-Stimmen an­genommen wurde, sorgte der Elternzeit-Vorschlag der GLP – wie bereits während der ersten Lesung – für Diskussionsstoff. Denn viele Stadträte störten sich nach wie vor an der Formulierung des Vorstosses: Dieser beinhaltet nämlich die Bedingung, dass beide Partner vor und nach der Elternzeit erwerbstätig sind. Eine Klausel, die für viele Fragen sorgte: Was ist etwa, wenn ein Elternteil unerwartet krank wird oder während der Elternzeit entscheidet, das Arbeitsverhältnis doch zu kündigen?

Postulat statt Motion

Unstimmigkeiten, die auch für Motionär Claude Grosjean nachvollziehbar sind. Deshalb nahm er der Diskussion schon zu Beginn den Wind aus den Segeln und verkündete, dass man den Vorstoss als Motion zurückziehe und ihn neu als Postulat überweisen möchte. So biete sich nicht nur die Möglichkeit, die Elternzeit ausreichend zu überprüfen, der Stadtrat könne auch weiter am Ball bleiben. «Gerade der nationale Hintergrund macht es wichtig, dass die Stadt eine Vorreiterrolle übernimmt», sagte Grosjean und erinnerte an die Volksinitiative für zwanzig Tage Vaterschaftsurlaub, die im Oktober vom Bundesrat abgelehnt worden war.

Knappes Ergebnis

Ein kluger Schachzug, fand etwa auch Regula Bühlmann (GB). Grundsätzlich sei ihre Partei nämlich für eine Elternzeit: «Diese kann das eine oder andere Paar vielleicht dazu bewegen, das traditionelle Rollenbild zu überdenken.» Ihre Fraktion habe aber, ­zusammen mit GB/JA und GFL/EVP, im Juni selbst einen Vorstoss zum Thema Elternzeit eingereicht, der für ein Pilotprojekt plädiert. Und weil die Parteivertreterinnen und -vertreter ihren eigenen Vorstoss unterstützen wollten, entpuppte sich dieser zweite Vorstoss schliesslich als härtester Gegner des GLP-Vorschlags.

«Um ein guter Vater zu sein, braucht es keinen vom Staat bezahlten Urlaub, sondern persönliches Engagement.»

Henri-Charles Beuchat (SVP)

Allein die SVP stellte sich sowohl gegen eine Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs als auch gegen den Vorschlag der GLP. «Um ein guter Vater zu sein, braucht es keinen vom Staat bezahlten Urlaub, sondern persönliches Engagement», begründete Henri-Charles Beuchat.

Diese Umstände führten zu einer spannenden Abstimmung, bei der das Postulat nur äusserst knapp, mit 32 Ja- zu 31 Nein-Stimmen, angenommen wurde. Deutlicher fiel das Ergebnis bei den restlichen Punkten aus, die im Zusammenhang mit der Revision des Personalreglements ­behandelt wurden: Sowohl der Minimallohn von rund 48'000 Franken als auch die Gleichstellungsklausel für eingetragene Partnerschaften wurden klar angenommen.

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