Kornhausbibliotheken leiten zu Amazon

Bern

Es lässt sich derzeit offenbar nicht ändern: Wer im Katalog der Kornhausbibliotheken die Bilder der Buchtitel anklickt, gelangt direkt zum deutschen Angebot des Onlinehändlers Amazon.

Der Katalog der Berner Kornhausbibliotheken leitet sämtliche Klicks auf die Bilder der Buchtitel zum Onlinehandelsgiganten Amazon.

Der Katalog der Berner Kornhausbibliotheken leitet sämtliche Klicks auf die Bilder der Buchtitel zum Onlinehandelsgiganten Amazon.

(Bild: Keystone)

Den Kinderbuchklassiker «Mein Name ist Eugen» des ehemaligen Berner Pfarrers Klaus Schädelin hat jede Filiale der Berner Kornhausbibliotheken im Sortiment. Ob das Buch tatsächlich im Regal steht und nicht gerade entliehen ist, lässt sich mit einem Mausklick feststellen.

Allerdings müssen Bibliothekskunden aufpassen. Sonst landen sie auf der ­Website des Onlinebuchhändlers Amazon.de. Dort erfahren sie, dass Klaus Schädelins Bestseller für 19,80 Euro zu bestellen ist – aus Deutschland kostenlos nach Hause geliefert.

Der Katalog der Berner Kornhausbibliotheken leitet sämtliche Klicks auf die Bilder der Buchtitel direkt zum ausländischen Onlinehandelsgiganten weiter. Nur wer neben das Bild klickt, gelangt zur Übersicht, die zeigt, in welchen Filialen das Buch ausleihbar ist.

«Wir haben keine andere Wahl.»Christine EggenbergBibliotheksdirektorin

Der Bibliotheksdirektorin Christine Eggenberg ist das gar nicht recht: «Ich finde das äusserst ungünstig», räumt sie ein, fügt aber auch gleich hinzu: «Wir haben keine andere Wahl.»

Amerikanisches System

Die Ausleihe der Berner Kornhausbibliotheken funktioniert mit einem amerikanischen Bibliothekensystem. Und dieses fügt mit jedem Bild den automatischen Link zu Amazon.de ein. Die Bitten aus Bern, das zu ändern, hätten nichts bewirkt, sagt Christine Eggenberg. «Der Firma in Pennsylvania ist es egal, dass eine kleine Berner Bibliothek diesen Link nicht wünscht.»

Die Direktorin betont, dass die Verlinkung «rein gar nichts mit der Einkaufspolitik» der Kornhausbibliotheken zu tun habe. «Wir kaufen unsere Bücher nur bei ­lokalen Buchhandlungen und verteilen unsere Bestellungen auch möglichst gerecht», sagt Christine Eggenberg. Statt der grossen Buchhandlungsketten kämen zum Beispiel der Kin­derbuch­laden und etliche weitere unabhängige Buchhandlungen in Bern zum Zug.

Ein Sponsoring von Amazon müssten die Kornhausbibliotheken derzeit auch gar nicht ins ­Auge fassen, sagt Christine Eggenberg. Die Bibliothek laufe nämlich «so gut wie schon lange nicht mehr».

Die Ausleihen seien insgesamt zwar um 2 Prozent zurückgegangen. Dafür hätten die Ausleihen von elektronischen Büchern stark zugenommen. Nämlich um 37 Prozent. Für 40 Franken im Jahr – in Kombination mit einem herkömmlichen Abo für 30 Franken – können E-Books für maximal 28 Tage «ausgeliehen» werden. Zurückgeben müssen die Kunden die geladenen Medien nicht, sie sind einfach nicht mehr nutzbar.

Berner Zeitung

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