Krähenplage trotz Hampel-Uhus: Stadt will nun Nester umsiedeln

Bern

Die Uhus aus Plastik haben punktuell gegen die Krähenplage in Bern geholfen. Nun plant die Stadt eine neue Aktion. Die Krähennester sollen von der Stadt aufs Land umgesiedelt werden.

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Er war die neuste Waffe der Stadt Bern gegen die Krähenplage: ein fünfzig Zentimeter grosser Uhu aus Plastik mit beweglichen Flügeln. Zusammen mit tatkräftigen Anwohnern, die die Attrappen per Schnur steuerten, sollte der Hampeluhu die Saatkrähen verscheuchen. In der Tell- und Ostermundigenstrasse sowie am Muristalden wurde je ein Uhu installiert.

Die gute Nachricht: Die Uhus zeigten Wirkung. Auf Bäumen, in denen die Attrappen hingen, brüteten keine Krähen mehr. Auch aus Bäumen in der unmittelbaren Nachbarschaft seien die Tiere verschwunden, sagt Sabine Tschäppeler von Stadtgrün Bern. Die schlechte Nachricht: In den betroffenen Strassen gibt es deshalb nicht weniger Krähen, sie haben sich lediglich auf andere Bäume verteilt. Das Problem wurde also nicht gelöst, sondern verschoben.

Jedes Jahr gibts mehr Krähen

Tschäppeler zieht trotzdem ein positives Zwischenfazit. Der Uhu sei die erste solche Vergrämungsmassnahme, die funktioniere: «Erstmals konnten betroffene Anwohner selber aktiv werden», sagt sie. Das Ziel der Massnahme sei nicht gewesen, den Krähenbestand zu regulieren, sondern geplagten Anwohnern ein Instrument zu liefern. Darum verteilt die Stadt auch dieses Jahr wieder gratis Hampeluhus. 19 Stück sind verfügbar, darunter auch auf ferngesteuerte Exemplare. Bis Ende Januar können sich Anwohner melden (natur@bern.ch).

Plastikuhus hin oder her, Saatkrähen gefällt es in Bern. Deren Bestand nimmt jährlich zu: 800 Brutpaare sind es derzeit, auf 1300 Paare könnte diese Zahl laut Tschäppeler noch steigen. «Es gibt keine Möglichkeit, den Bestand zu regulieren», sagt die Biologin. Demnach hätte auch das Töten der Tiere keinen Effekt. Weil die Vögel stets in Bewegung sind, werden entstandene Lücken sofort von neu eingeflogenen Krähen gefüllt. Solange genug Nahrung vorhanden sei, wie dies in Bern mit der umliegenden Landwirtschaft der Fall sei, bestehe das Problem weiter, sagt sie.

Ein Holländer solls richten

Eine Möglichkeit hat die Stadt noch: Diederik van Liere. Der Holländer ist Verhaltensbiologe und Profi, wenn es darum geht, Krähen umzusiedeln. Der Vorteil des Umsiedelns gegenüber des Tötens: das Nahrungsangebot bleibt knapp. Es kommen kaum neue Krähen, weil das Futter auf den Feldern bereits von heimischen Tieren beansprucht wird. Nur leben diese nach der Umsiedelung nicht mehr in der Stadt, sondern auf dem Land. Schon wenige Paare reichen, und der Rest der Kolonie folgt hinterher, sind die Biologen überzeugt.

Dazu werden die Nester samt Astgabeln entfernt. Wenn die Voraussetzungen stimmen, funktioniere Diederiks Methode in 80 Prozent der Fälle, sagt Tschäppeler. Nun will Stadtgrün zusammen mit dem Holländer die Grundlagen erarbeiten. Es sei aber klar, dass die Methode nicht überall funktioniere, sagt Tschäppeler. Aber wo möglich, könnte im Winter 2016 mit dem Umsiedeln begonnen werden.

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Berner Zeitung

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