Kunst ohne Berührungsängste

Muri

Kissen aus Holz, Köpfe aus Stein, Kugeln aus Glas. Im Mettlenpark in Muri sind derzeit über hundert Skulpturen ausgestellt.Das Besondere: Alle Skulpturen lassen sich anfassen – und sollen damit den Zugang zu Kunst erleichtern.

Ausstellungsmacher Ueli Thomet auf den hölzernen Kissen – eine von 127 Kunstinstallationen im Park der Villa Mettlen. Fotos: Christian Pfander Ein Blickfang: Der knallige Rollator aus Ton, dem man auf demRundweg durch den herrschaftlichen Park begegnet. Für Farbtupfer sorgen unter anderem diese Skulpturen.

Ausstellungsmacher Ueli Thomet auf den hölzernen Kissen – eine von 127 Kunstinstallationen im Park der Villa Mettlen. Fotos: Christian Pfander Ein Blickfang: Der knallige Rollator aus Ton, dem man auf demRundweg durch den herrschaftlichen Park begegnet. Für Farbtupfer sorgen unter anderem diese Skulpturen.

Christoph Albrecht

Wer dieser Tage durch den Mettlenpark in Muri spaziert, der dürfte für seine Runde etwas länger brauchen als üblich. Zu schrill, zu skurril, zu aufsehenerregend, um sie zu ignorieren, sind die zahlreichen Skulpturen, die dort derzeit den Rundweg säumen. Da begegnen einem knallige Rollatoren aus Ton, fliegende Fische aus Holz oder Köpfe aus Stein. Unter Bäumen grinsen vogelscheuchenähnliche Figuren, im Teich schwimmen Glaskugeln, und auf der Parkwiese liegen Kissen aus Holz. Willkommen im Open-Air-Museum.

Ins Leben gerufen hat die Freiluftausstellung Ueli Thomet. Dem 74-Jährigen geht es aber nicht nur darum, den Besuchern des öffentlichen Parks mit den vielen Blickfängen ein visuelles Erlebnis zu bieten. «Hier darf man auch alles berühren», sagt Thomet. Der Name der Ausstellung ist denn auch Programm: «Kunst zum Anfassen» heisst die einmonatige Schau, initiiert vom gleichnamigen Verein, den Ueli Thomet präsidiert.

20 Künstler, 127 Werke

«Wenn man ein Werk berühren kann, ist das ein ganz anderes Erlebnis», findet der Ausstellungsmacher. Bei der Suche nach Kunstwerken sei es deshalb nicht nur darum gegangen, wie diese aussähen, sondern auch darum, wie sie sich anfühlten. Die total 127 Installationen, die zusammengekommen sind, stammen folglich aus verschiedensten Materialien – Plexiglas, Keramik, Holz, Metall. «Wir wollten einen möglichst guten Mix haben.»

Wild durcheinander sind nebst der unterschiedlichen Beschaffenheit der Werke auch deren Stile. Ein übergeordnetes Ausstellungsthema gibt es nicht. Dasselbe gilt für die Schöpfer der Skulpturen. Manche der zwanzig Kunstschaffenden aus der halben Schweiz sind professionelle oder angehende Holzbildhauer, Skulpteure oder Glasbläser, andere sind Hobbykünstler.

Das etwas Konzeptlose – es hat bei der Ausstellung System. «Wir wollen uns bewusst von den professionellen Kunstausstellungen abheben», sagt Thomet. Das Ziel des Vereins sei es, jenen Leuten Kunst zu vermitteln, die sonst eher einen schweren Zugang dazu hätten.

«Mit der Ausstellung sprechen wir nicht den typischen Mueseumsgänger an», sagt der pensionierte Inhaber eines Einrichtungsgeschäfts und Gründer des Muriger Kulturvereins. Er habe die Erfahrung gemacht, dass klassische Ausstellungen die Leute zuweilen abschreckten. «Viele empfinden die Kunstwelt als abgehoben und elitär.» Wer nicht gross Ahnung habe, fühle sich in einem Museum rasch verloren, trotz eigentlichem Interesse.

Berührungsängste abbauen

Im Mettlenpark soll keine Ehrfurcht aufkommen. Dafür sorgt das Konzept, das Berührungsängste im wahrsten Sinn des Wortes abbaut. Auch soll der Ort dazu beitragen, die Distanz zur Materie zu verlieren. «Die Ausstellung findet nicht in einem geschlossenen Museumsgebäude statt, sondern in einem weitläufigen Park», sagt Thomet.

Dadurch sei man gefühlsmässig weniger eingeengt. Die Führungen leiten zudem die Vereinsmitglieder, die sich wie Ueli Thomet unentgeltlich engagieren – allesamt Kunstliebhaber, aber keine Kunsthistoriker. «Die Besucher sind dadurch offener und trauen sich eher, Fragen zu stellen.»

Und wie kommt sein Projekt an? «In Kunstkreisen werden wir womöglich belächelt», sagt er und schmunzelt selber. Dass Experten die ausgestellten Werke als trivial abstempeln könnten, sei ihm aber egal. «Die Besucher haben Freude.» Zur Vernissage seien 300 Leute gekommen.

Auch die Sponsoren, darunter etwa das Migros-Kulturprozent oder die Gemeinde, hat Thomet von offenbar überzeugen können. Ein Grossteil des Budgets von fast 30'000 Franken sei damit gedeckt. Den Rest will der Verein mit dem Verkauf ausgestellter Werke einspielen.

Die Ausstellung dauert bis zum 15. September. Der Park der Villa Mettlen an der Pourtalèsstrasse 35 in Muri ist täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Infos: www.kunstzumanfassen.ch.

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