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Kunstmuseum Bern begleicht Kosten mit Gurlitt-Immobilien

Der Rechtsstreit ums Gurlitt-Erbe bescherte dem Kunstmuseum Bern Kosten in Millionenhöhe. Um diese zu begleichen, veräussert das Museum nun die Immobilien des Kunsthändlers. Auch Bildverkäufe sind nicht auszuschliessen.

Stefanie Christ
Wird verkauft: Das Salzburger Haus, das Cornelius Gurlitt dem Kunstmuseum Bern vermacht hat.
Wird verkauft: Das Salzburger Haus, das Cornelius Gurlitt dem Kunstmuseum Bern vermacht hat.
Keystone

2,5 Millionen Franken. So hohe Kosten hat das Gurlitt-Erbe dem Kunstmuseum Bern bisher beschert. Vor allem der langwierige Rechtsstreit mit den Erben, die Cornelius Gurlitts Testament anfochten, kommt das Museum mit 2 Millionen Franken teuer zu stehen. Wer bezahlt das alles?

Eine Wohnung bleibt

Letzten Dezember fällte das Oberlandesgericht München sein Urteil: Cornelius Gurlitt war 2014 kurz vor seinem Tod testierfähig. Somit kann seine Kunstsammlung, die von Cornelius’ ­Vater und Nazikunsthändler Hildebrand Gurlitt zusammengetragen worden ist, nach Bern kommen – ausser jener Werke, bei denen ein Raubkunsthintergrund besteht und die von der Bundesrepublik Deutschland direkt an die rechtmässigen Erben restituiert werden.

Neben den Kunstwerken von Picasso, Chagall, Kirchner, Renoir, Courbet oder Cézanne erbt das Kunstmuseum Bern auch Gurlitts Vermögen sowie seine Liegenschaften: zwei Wohnungen in München und ein Haus in Salzburg.

«Ob das hinterlassene Vermögen zur Deckung der Kosten ausreicht, ist im Moment noch nicht definitiv abschätzbar», sagt Marcel Brülhart, Vizepräsident des Kunstmuseums und Gurlitt-Verantwortlicher, auf Anfrage. Wie unsere Recherchen zeigen, verkauft das Kunstmuseum nun die Münchner Wohnung sowie Gurlitts Salzburger Haus, um einen Teil der Kosten zu begleichen. Also jene Liegenschaften, in denen Gurlitt über Jahrzehnte die Kunstwerke versteckt hatte und in denen sie 2012 beziehungsweise 2014 von den deutschen Behörden entdeckt und beschlagnahmt wurden.

Die zweite Münchner Wohnung bleibt vorerst im Besitz des Kunstmuseums: «Darin wohnt eine betagte Frau. Es war der Wille von Cornelius Gurlitt, dass sie weiterhin dort leben kann. Dies respektieren wir», so Brülhart.

Marcel Brülhart, Gurlitt- Verantwortlicher des Kunstmuseums Bern. Bild: Urs Baumann
Marcel Brülhart, Gurlitt- Verantwortlicher des Kunstmuseums Bern. Bild: Urs Baumann

Werkverkauf möglich

Sollten die durch Liegenschaftsverkäufen generierten Mittel nicht ausreichen, zieht das Museum auch den Verkauf einzelner Bilder aus der Gurlitt-Sammlung in Betracht: «Ein Verkauf von Werken zur Deckung der Kosten kann nicht ausgeschlossen werden», bestätigt Brülhart. Auf den ersten Blick ein heikler Punkt: Werke aus Kunstsammlungen zu veräussern, gilt in der Branche als Tabu, bei bedeutenden öffentlichen Sammlungen sind solche Veräusserungen gar untersagt.

Dies, weil die Sammlungen keine Wertanlage sind, sondern den Auftrag haben, das Œuvre eines Künstlers oder ein Kapitel der Kunstgeschichte zu bewahren. Doch beim Gurlitt-Erbe handelt es sich nicht um eine in sich geschlossene Sammlung, die ein kunstwissenschaftliches Ziel verfolgt, sondern vielmehr um Restbestände des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt. Des Weiteren umfasst sie zahlreiche Werke der Familienkünstler Cornelia und Louis Gurlitt.

Weitere Verfahrenskosten

Der Fall Gurlitt ist für das Kunstmuseum noch lange nicht abgeschlossen. Neben der umfangreichen Herkunftsprüfung aller Werke, unter anderem durch die neu gegründete, hauseigene Abteilung Provenienzforschung, läuft derzeit vor zweiter Instanz ein weiteres Verfahren: Der Deutsche Hannes Hartung, ein ehemaliger Anwalt von Cornelius Gurlitts, beansprucht ein Honorar in Höhe von 1,6 Millionen Franken. Im März 2014 wurde er nach nur zwei Monaten aus unbekannten Gründen seines Mandats enthoben. Seither geht er juristisch gegen Gurlitt beziehungsweise gegen dessen Erben vor. Die erste Instanz hatte zugunsten des Kunstmuseums entschieden.

Gleichgültig, wie viele Kosten der medienwirksame Fall Gurlitt dem Kunstmuseum Bern noch verursacht: «Wenn möglich soll der Fall aber kostenneutral ausgestaltet werden: Weder soll das Kunstmuseum eigene Mittel einschiessen müssen, noch soll es wirtschaftlich davon profitieren», versichert Brülhart.

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