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Langläufer leben länger

Das Langlaufzen­trum Gantrisch feiert 2018 seinen 50. Geburtstag. Der Zollikofer Toni Oesch ist nicht nur Gründungsmitglied, sondern macht mit seinen 90 Jahren immer noch die Loipe unsicher.

Toni Oesch im Schnee: Das 90-jährige Gründungsmitglied des Langlaufzentrums auf der Loipe, die hinter dem Klubhaus durchführt.
Toni Oesch im Schnee: Das 90-jährige Gründungsmitglied des Langlaufzentrums auf der Loipe, die hinter dem Klubhaus durchführt.
Christian Pfander

Toni Oesch hat einen langen Atem, nicht nur im Sport, sondern auch in der Politik. Seit 1968 ist er für die Unabhängigen in der Zollikofer Gemeindepolitik aktiv, zuerst im Gemeinderat, bis heute im Parlament. Im gleichen Jahr gründete er zusammen mit anderen des Langlaufzentrum Gant­risch (siehe Kasten). Von Politik und Langlauf erzählt er aber nicht zu Hause auf dem Sofa, ­sondern bei der Schutzhütte des Langlaufzentrums unweit des ­Selitals.

Hier hat Toni Oesch damals mit anderen Langlaufpionieren auf dem Holzerweg bis zur Süftenen- und zur Bursthütte die ersten zwei Loipen gespurt beziehungsweise mit Ski auf dem Neuschnee getreten. Im Lauf der Zeit ist das Loipennetz gewachsen. «Heute sind es 45 Kilometer. Allerdings sind die Loipen im Vergleich zu damals die reinsten Autobahnen», sagt Oesch.Die schmalen Loipen hätten schon bald einmal Probleme gebracht. Überholen war schwierig, und wenn jemand gar den Hund mitnahm, gab es Ärger. «Heute ist genug Platz zum Skaten, für Wanderer und auch für Hunde. Das ist auch gut so.»

Alles begann 1968

Als die Langläufer Alois Kälin und Sepp Haas 1968 von den Olympischen Spielen in Grenoble Medaillen heimbrachten, ergriff eine Langlaufeuphorie die Schweiz. In Luzern entstand der Verein «LLL – Langläufer leben länger». Im gleichen Jahr diskutierten im Berner Restaurant Südbahnhof Toni Oesch und Kollegen, ob sie eine ähnliche Vereinigung bilden sollten. Ihr Ziel: Den gesunden Langlaufsport und den Nachwuchs fördern sowie Loipen präparieren.

«Im September gründeten acht Männer die Berner Freunde des Skilanglaufs und des Skiwanderns», steht im Protokoll der ersten Versammlung. «Die Sportfirma Vaucher spendete uns die ersten 20 Paar Langlaufski und Stöcke. Das Material konnte im Kurhaus Schwarzenbühl gelagert werden», erzählt Oesch, der erste Präsident der Vereinigung. Bis heute amtet der diplomierte Bücherexperte und Treuhänder als Revisor.

Umgebaute Alpinski

Oesch hatte schon früh Erfah­rungen mit den schmalen Lat­ten gemacht. Als Jugendlicher ab­solvierte er 1943 Langlaufkurse auf dem Gurten. «Das war am Vorunterrichtskurs der GGB, der Gymnastischen Gesellschaft Bern. Da haben wir Alpinski zu Langlaufski umgebaut», sagt Oesch und erzählt, wie damals noch kein Postauto zum Schwarzenbühl hochgefahren sei.

«Wir sind zu Fuss von Schwarzenburg zum GGB-Klubhaus hochgelaufen.» Für dieses anstrengende Tun winkte eine Belohnung: Lag genug Schnee, konnten Wintersportler damals mit den Ski vom Schwarzenbühl bis hinunter nach Schwarzenburg fahren. Diese Zeit ist vorbei. Die Strassen im Gantrischgebiet sind geteert und bei schönem Wetter stark befahren. Die Langlaufausrüstungen sind modern, auch Toni Oesch läuft mit relativ neuen Brettern, das heisst, er skatet. Und das nach wie vor regelmässig. Meistens organisiert er sich so: «Den halben Tag bin ich im Langlaufzentrum, kontrolliere, verkaufe Skipässe und Tageskarten, helfe beim Wachsen oder wo es sonst noch nötig ist.»

Für diese Freiwilligenarbeit, welche die Mitglieder des Langlaufzentrums den ganzen Winter über leisten, belohnt er sich mit gut zwei Stunden Langlauf. Trotz seines hohen Alters fordert sich Oesch nach wie vor, einfach im Rahmen, den ihm seine neun Jahrzehnte setzen: «Ich will die Steigung zur Pfyffe hoch ohne anzuhalten schaffen.»

Arbeit erhält jung

Wer mit Toni Oesch zusammen ist, denkt: «So möchte ich auch alt werden.» Trotz seines reichen Erfahrungsschatzes, aus dem er gern und viel erzählt, wirkt der Mann alles andere als antiquiert und erweckt überhaupt nicht den Eindruck, dass moderne Entwicklungen an ihm vorbeiziehen. Er hat ein Handy, beantwortet E-Mails und arbeitet immer noch in seinem Beruf als Treuhänder.

«Ein paar treue Kunden sind mir geblieben, aber jetzt will ich doch langsam reduzieren», sagt er. Auch aus der Politik wolle er sich zurückziehen. Allerdings wirkt Oesch alles andere als müde, sondern einfach wie einer, der einen langen Atem hat und im Sport wie in der Politik Prioritäten setzt.

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