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Laptops für die Landschule

Der kleinen Schule Mühlethurnen-Lohnstorf steht nur wenig Geld für Informatik zur Verfügung. Deshalb muss sie erfinderisch sein.

Johannes Reichen
Informatiklehrer Heinz Maeder unterrichtet Fünftklässler. Alle haben einen eigenen Laptop.
Informatiklehrer Heinz Maeder unterrichtet Fünftklässler. Alle haben einen eigenen Laptop.
Raphael Moser

Die Schulglocke läutet. Im Schulhaus Mühlethurnen steht für eine Gruppe von Fünftklässlern das Fach Medien und Informatik auf dem Programm. Die Schülerinnen und Schüler klappen ihre Laptops auf. Heute sollen sie sich mit Google Hangouts vertraut machen. Mit diesem Programm können etwa Videoanrufe getätigt werden. Nicht alles funktioniert wie gewünscht. «Der Ton ist komisch», sagt ein Mädchen, es kann seine Kollegin nicht verstehen. Lehrer Heinz Maeder eilt zu Hilfe. Schliesslich klappts dann doch. Und am Ende der Lektion klappen die Schüler ihre Laptops wieder zu.

Auf jedem Deckel klebt ein blauer Sticker mit dem Namen des Kindes. Jede Schülerin, jeder Schüler besitzt einen eigenen Laptop, jedenfalls in der fünften und sechsten Klasse. Für Maeder, der nicht nur unterrichtet, sondern auch für die Informatik an der Schule verantwortlich ist, ist das ein grosser Vorteil: «Das ständige Ausleihen und Einrichten der Geräte entfällt, das Einloggen geht viel schneller.» Das koste sonst oft viel Zeit und manchmal auch Nerven.

Die Schule Mühlethurnen-Lohnstorf zählt rund 150 Kindergärteler und Schüler und 20 Lehrpersonen. Es ist nicht so, dass sie mit dem Geld um sich werfen könnte und stets die neusten Geräte und Gadgets anschaffen könnte. Im Gegenteil: «Unser Budget ist knapp», sagt Schulleiter Lukas Reinhard. Etwa 13000 Franken pro Jahr stehen für Computer, Beamer, Visualizer und die übrige Infrastruktur zur Verfügung. Umso wichtiger sei es, das Geld sinnvoll einzusetzen. Deshalb arbeite die Schule seit ein paar Jahren mit der Stiftung Gewa zusammen.

Aus alt wird neu

An einem Nachmittag werden Reinhard und Maeder in einer Industriehalle in Schönbühl von Fabrice Niquille und Barbara Eggimann empfangen. Niquille ist Leiter Multimedia, Eggimann Leiterin Kommunikation bei der Gewa. Die Stiftung hilft Menschen mit psychischen Problemen bei der beruflichen Integration. Sie beschäftigt rund 860 Personen: 400 an angepassten Arbeitsplätzen, 210 in Eingliederungsprogrammen, 250 im Führungsteam. «Das Ziel ist, dass sie den Sprung in den regulären Arbeitsmarkt wieder schaffen», sagt Eggimann. Hinzu kommen 60 Lernende.

Die 16 Beschäftigten der Multimediaabteilung bereiten gebrauchte Computer und Laptops wieder auf. Die alten Daten werden sicher gelöscht, defekte Teile ersetzt, gewünschte Applikationen und Programme installiert. «Wir können fast alles machen», sagt Niquille. Die Lieferanten sind oft bekannte Grossfirmen, die grosse Mengen an alten Computern abgeben. Zu den Kunden gehören nebst Privatpersonen auch soziale Institutionen oder eben Schulen. Wie jene in Mühlethurnen.

Fünf Laptops für Schüler möchten die beiden Besucher kaufen. 250 Franken pro Stück haben sie budgetiert, ihnen schwebt ein konkretes Modell vor. Die Gewa macht ein günstigeres Angebot, da kein Betriebssystem benötigt wird: 150 Franken. «Dann können wir auch gleich acht Stück bestellen», sagt Reinhard. Damit würde das Budget des nächsten Jahres entlastet. Die Geräteflotte müsse nicht am Tag X ersetzt werden, sondern werde laufend erneuert.

Niquille versichert, dass er auch Sonderwünsche erfüllen kann. Und womöglich übernimmt die Gewa im nächsten Schuljahr gleich den Support für die Schule. Auch er ist zufrieden mit dem Geschäft: «Wir können einerseits unsere Leute beschäftigen, andererseits wertvolle Erfahrungen sammeln.» Die Zusammenarbeit sei eine Win-win-Situation.

Normal und praktisch

Zurück in Mühlethurnen, im Büro des Schulleiters. Ein Gerät pro Schüler – das gebe es nur an wenigen Schulen, sagt Reinhard. Und es sei sehr praktisch: «Für die Schüler wird es zur Normalität, am Computer zu arbeiten.» Die Geräte würden dort eingesetzt, wo sie hilfreich seien. Sonst eben nicht. «So wie in der Arbeitswelt.» Fast alle Lehrer hätten ihr eigenes Gerät. Auch das könnten nicht alle bieten.

«Für die Schüler wird es zur Normalität, am Computer zu arbeiten.»

Lukas Reinhard?Schulleiter Mühlethurnen

«Wir sind Zweitabnehmer», betont er. Wenn im Gymnasium Thun die Beamer ausgemustert werden, «dann rufen sie mich an». Auch die aufbereiteten Laptops genügten vollauf. «Wir müssen keine Laptops mit dem Apfel haben», sagt Heinz Maeder. Und statt auf Windows setzt die Schule auf kostenlose Linux-Betriebssysteme. Es gebe zwar Lehrer, die darüber die Nase rümpften. «Aber für die Schüler war es noch nie ein Problem.»

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