Leben am Loryplatz

Bern

Seit Dienstag hat der Loryplatz nachmittags und abends ein Sommerbistro. Auch die Stadt nimmt sich des als Unort verschrienen Platzes an und will ihn mit dem Quartier oberhalb verbinden.

Die Schwestern Seraina (links) und Anina Ziörjen beleben mit ihrem Bistro seit Dienstag den Loryplatz.

Die Schwestern Seraina (links) und Anina Ziörjen beleben mit ihrem Bistro seit Dienstag den Loryplatz.

(Bild: Nicole Philipp)

Christoph Hämmann

Ein Unort, ein wüster Platz mit nichts als Teer und Tramschienen? Nicht in den Augen der Schwestern Anina und Seraina Ziörjen. «Der Loryplatz ist ein cooler Ort», finden sie – und zeigen auf die Platanen, die Bänke, auf denen fast immer jemand sitze, die vielfältig genutzten Erd­geschosse der umliegenden Häuser. Ihnen gefällt das Gewusel am ÖV-Umsteigeknoten, an dem die einen vom Tram auf den Bus rennen, während die anderen bei Rue­di-Sport Laufschuhe testen.

Seit Dienstag leisten die Ziörjens ihren Beitrag, damit auch andere im Loryplatz vermehrt das Schöne erblicken. Um 16 Uhr eröffneten sie das «Bistro am Loryplatz», das sie bis Ende Oktober als Pilotprojekt führen. Das Bistro öffnet ausser sonntags täglich, normalerweise ab 16 Uhr, mittwochs, wenn es am Loryplatz Mittagsverpflegung aus einem Foodtruck der Lunchbox-Köche gibt, ab 11.30 Uhr.

Gin aus Appenzell

Von der Lunchboxcrew stammt auch der nun für zehn Wochen fest verankerte Wagen, von dem aus Anina und Seraina Ziörjen die 20 Sitzplätze ihres Bistros mit Speis und Trank versorgen. Man ist befreundet und entwickelte gemeinsam die Bistroidee, man gründete einen Verein, um sie umzusetzen.

«Klein, aber fein», laute das Motto, sagt Anina Ziörjen. «Ein perfekter Ort für den Feierabendapéro.» Im Angebot stehen regionale Häppchen – Käse aus Oberbalm, Wurst aus Mittelhäusern – und auch die Getränke stammen wenn möglich aus der Schweiz: Kaffee von Blaser, Bier aus der Felsenau, Gin aus Appenzell.

Und wieso eröffnet das Outdoorbistro erst jetzt, da der Sommer bereits langsam zu Ende geht? «Es stand von Anfang an fest, dass wir maximal drei Monate öffnen und dies ausserhalb der Sommerferien geschehen soll», sagt Anina Ziörjen. Sie hoffe, dass das Sommerende ähnlich schön ausfalle wie letztes Jahr.

«Wenn es regnet, haben wir Schirme, und sonst veranstalten wir halt mal einen Racletteabend.» Zunächst dominiert bei den Schwestern die Freude, einen Traum zu realisieren, für den beide vorübergehend ihre Bürojobs reduzieren. Über die längerfristige Perspektive mache man sich Gedanken, wenn das Pilotprojekt vorbei sei.

Bypass-Rückbau ist bewilligt

Stadtverwaltung und Quartier­organisationen, die seit Jahren immer wieder Anläufe nehmen für eine Belebung des Loryplatzes, unterstützen Ziörjens Bistro. Der stillgelegte Bypass zwischen Schloss- und Könizstrasse, der zum Platz zurückgebaut werden soll, bleibe bis im Herbst bestehen, heisst es beim Tiefbauamt der Stadt Bern. Trotz gültiger Baubewilligung habe man die Arbeiten verschoben, um nicht dem Bistro ins Gehege zu ­kommen.

Noch nicht so weit – aber einen grossen Schritt weiter – ist ein anderes Projekt, das vom Quartier seit langem gewünscht wird: die Anbindung des Loryplatzes an das Insel-Areal. «Das Vorprojekt für die Verbindung von Loryplatz und Loryspital liegt vor», sagt Reto Zurbuchen, Abteilungsleiter Projektierung und Realisierung beim städtischen Tiefbauamt. Das Geschäft gehe voraussichtlich Ende Jahr an den Gemeinderat, der das Projekt schliesslich dem Parlament vorlegen werde.

Mehr Informationen: www.facebook.com/bistroamloryplatz

Berner Zeitung

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