Zum Hauptinhalt springen

Lergier vermisst die jungen Bären

Tausend Hotelbetten mehr würden der Stadt Bern guttun. Das findet der im November abtretende Direktor von Bern Tourismus, Markus Lergier. Und er hätte gerne wieder junge Bären in Bern.

«Ich habe jeden Tag genossen», sagt Berns abtretender Tourismusdirektor Markus Lergier.
«Ich habe jeden Tag genossen», sagt Berns abtretender Tourismusdirektor Markus Lergier.
Remo Neuhaus/zvg

Herr Lergier, nach 14 Jahren als Tourismusdirektor gehen Sie Ende November in Pension. Welche Tipps geben Sie Ihrem Nachfolger Martin Bachofner?Markus Lergier: Ich glaube nicht, dass er von mir Tipps braucht. Er ist ein Vollprofi und hat sicher eigene gute Ideen.

Während Ihrer Amtszeit sind die Logiernächte in Bern von 470 000 auf über 710 000 gestiegen. Was sind Ihre persönlichen Verdienste?Tourismus ist Teamwork. Allein kann man nichts ausrichten. Mein Verdienst ist es, dass mir in all den Jahren ein super Team zur Verfügung gestanden hat. Die Fluktuationsrate ist bei uns sehr gering, die Angestellten sind seit Jahren dabei.

Welches sind die Highlights Ihrer ­Karriere?Dass es gelungen ist, Bern Tourismus zu einer modernen Organisation zu machen. Und dass sich die Stadt Bern in den letzten 14 Jahren touristisch sehr positiv entwickelt hat. Ferner die Einführung von Bernticket im Jahr 2014 sowie der Aufbau der touristischen Marke Bern, das Label Typisch Bern. Höhepunkte waren auch die zahlreichen kulturellen Kooperationen, ich denke da an die Einstein-Ausstellung 2005, an jene über Qin, an Klee und Kandinsky.

Und welches waren die Absteller?Ich hatte nie Absteller, ich habe jeden Tag genossen. Ansonsten macht man diesen Job nicht lange.

Sie haben vor ein paar Jahren acht Punkte aufgeführt, um mehr Touristen nach Bern zu holen. Unter anderem eine bessere Erschliessung des Rosengartens, das Sonntags-Shopping oder einen Picture-Point beim Einstein-Haus. Vieles wurde nicht realisiert.Für uns geht jetzt ein langjähriges Anliegen in Erfüllung: Wir werden demnächst vier Einstein-Sitzbänke installieren, auf denen Einstein lebensecht als Figur sitzt und wo man sich neben ihn setzen kann. Die Bänke befinden sich im Rosengarten, auf der Grossen Schanze bei der Uni, beim Alten Tramdepot sowie im Park des Historischen Museums.

Wie sieht es mit den nicht realisierten Plänen aus?Eine bessere Erschliessung des Rosengartens gibts tatsächlich noch immer nicht, das liegt aber nicht unbedingt an Bern Tourismus, sondern an der Politik. Der Rosengarten ist der schönste Platz in Bern, aber für Touristen ist es schwierig, dort hinaufzukommen. Ich könnte mir eine Bahn vorstellen, die vom Kreisel beim Bärengraben hochfährt. Immerhin freut es mich, dass bei der Schönburg jetzt ein Hotel entsteht.

Braucht es in Bern mehr Hotelbetten?Ja. Bern wird sich als Kongress- und Eventstadt weiterentwickeln. Wir verfügen derzeit über 3400 Betten, 4500 wäre die richtige Anzahl. Ich bin für zusätz­liche Hotels, die ins Profil der Stadt passen. Ich finde nicht, dass wir punkto ­Logiernächte die Nummer eins werden müssen, aber wir wollen als beste Gastgeber in den Herzen unserer Gäste bleiben.

Wie ist das Tourismusjahr 2017 in Bern angelaufen?Hervorragend. Wir hatten in den ersten fünf Monaten noch nie so viele Gäste wie in diesem Jahr.

Was ist der Grund?Der Städtetourismus boomt, und Bern wird als Eventdestination immer beliebter. Auch der Gästemix ist hervorragend, wobei 50 Prozent der Gäste Schweizerinnen und Schweizer sind. Das ist der solideste Markt überhaupt.

Gäste aus der Russischen Föderation haben letztes Jahr zahlenmässig gegenüber 2015 markant abgenommen, solche aus China und den USA zugelegt. Weshalb?Die Märkte sind volatil, das ist geopolitisch oder währungsbedingt. Das sind Dinge, die wir nicht beeinflussen können. Wenn ein Markt hustet, ist die Stadt Bern noch lange nicht krank.

Welche Destinationen werden Sie nach Ihrem Abgang privat anpeilen?Zwei Drittel meiner Reisen werde ich in der Schweiz machen, ein Drittel im Ausland. Ich wandere gern und spiele Golf.

Was sind Ihre Wünsche aus touristischer Sicht für die Zukunft?Ich möchte im Bärenpark wieder junge Bären sehen – und dass die Museumsinsel aufgewertet wird.

Markus Lergier (64) ist seit 2004 Direktor von Bern Tourismus. Seinen letzten Arbeitstag hat er am 30. November 2017. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder. Er war unter anderem Direktor bei den Kur- und Verkehrsvereinen Sedrun und Pontresina. 2005–2011 war Lergier Präsident der Konferenz der Regionalen Tourismusdirektoren der Schweiz. Seit 2009 ist er Vorsitzender von Bern Incoming, einer Tochtergesellschaft von Bern Tourismus.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch