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Liebelei nach Flugplan

Bei der Eigenproduktion des Theaters «Die Tonne» in Laupen geht es um ein Thema, das die Menschheit seit je ­bewegt: Kann man mehrere Menschen gleichzeitig lieben? Die Antwort ist Jein.

Tanzt auf mehreren Hochzeiten: Singlefrau Marion hat gleich drei Liebhaber auf einmal.
Tanzt auf mehreren Hochzeiten: Singlefrau Marion hat gleich drei Liebhaber auf einmal.
Fotobeatrice

Das Thema Polyamorie macht immer wieder Schlagzeilen. Neu ist das nicht. Der französische Bühnenautor und Theaterregisseur Marc Camoletti schrieb in den Sechzigerjahren sein bekanntestes Werk darüber: «Boeing-Boeing», eine Boulevardkomödie (siehe Kasten). Nun bringt das Ensemble der Laupner «Tonne» das Stück auf die Bühne, nachdem es Regisseurin Linda Trachsel gründlich entstaubt hat.

Sah Camoletti die Hauptrollen ursprünglich für einen Piloten und drei Stewardessen vor, zieht in der Tonne die Singlefrau Marion (Birgit Zehnder) die Fäden. Sie liebt drei Piloten, die genau nach Flugplan bei ihr ein und aus gehen. Damit das so bleibt, koordiniert die Frau die Treffen mit einer App. Für Mahlzeiten, frische Bettwäsche und andere ­Notfälle ist ihr Butler Arno zuständig, brillant gespielt von Thomas Glur. Aber bekanntlich geht der Brunnen zum Krug, bis er bricht.

Eine Dreifachrolle

Viel zu tun hat Beat Rentsch, der in die Rolle der drei Liebhaber schlüpft. Da alle Piloten sind, muss er bloss die Krawatte und die Koffer wechseln. Aber was, wenn einer der Männer plötzlich neben dem Sofa den Koffer einer anderen Fluggesellschaft entdeckt? Ein Rivale kam früher an als vorgesehen und wurde von Marion in die Badewanne komplimentiert.

Mit dem zweiten geht sie derweil aus, dann kreuzt auch noch der dritte Mann auf, weil sein Flug ausfällt. Es passiert, was passieren muss, weder Marion noch der Butler oder ihre Freundin Roberta (Nina Peter) können es verhindern: Joe aus den USA, Jacques von der Air France und Julian von Skywork treffen eines Nachts im Schlafzimmer aufeinander. In Marions Haus gibts eine kurze Verschnaufpause.

Die betrogenen Liebhaber verschwinden auf Nimmerwiedersehen. Marion ist deshalb aber nicht etwa am Boden zerstört. Im Gegenteil. Sie hat alles im Griff und vertraut weiterhin in die moderne Datingtechnologie. Bereits konsultiert sie wieder ihre App und gerät ins Schwärmen ob des reichen Angebots an feschen Piloten.

Ohne Moralkeule

Unter dem Strich ist festzuhalten: «Boeing-Boeing» ist witzig, überraschend und temporeich. Trotz aller Komplikationen bleibt die Moralkeule aus, und manch einer oder eine mag sich denken: Polyamorie hat durchaus reizvolle Seiten – vorausgesetzt, die Liebhaber halten sich an den Flugplan.

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