Zum Hauptinhalt springen

Lindenhof soll leer ausgehen

Im Kanton Bern dürfen künftig nur noch wenige Spitäler komplexe chirurgische Eingriffe im Bauchraum vornehmen. Die Lindenhofgruppe ist die grosse Verliererin bei der neuen Zuteilung.

Beim Lindenhofspital stehen die komplexen Bauchoperationen auf der Kippe.
Beim Lindenhofspital stehen die komplexen Bauchoperationen auf der Kippe.
Urs Baumann

Die Liste wurde in den Schweizer Spitälern mit Bangen erwartet. Für sie steht auch einiges auf dem Spiel: Dürfen sie künftig lukrative und imagefördernde kom­plexe chirurgische Eingriffe im Bauchraum noch durchführen oder nicht?

Seit Jahren liegen sich einige Spitäler und die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) deswegen in den Haaren. Letztere strebt eine Konzentration der Eingriffe an Speiseröhre, Leber, Bauspeicheldrüse und Rektum sowie der aufwendigen Übergewichtsoperationen auf grosse Zentren an. Begründet wird dies mit der tieferen Sterblichkeit, je höher die Behandlungszahlen sind.

Vor vier Jahren ist die GDK mit einem ersten Konzentrationsversuch am Widerstand der Mediziner gescheitert. Jetzt nimmt das zuständige Fachorgan einen neuen Anlauf und hat diese Woche die künftige Spitalliste für fünf Bereiche der Bauchchirurgie veröffentlicht. Darauf ist ersichtlich, welche Kliniken die Eingriffe zulasten der obligatorischen Krankenversicherung abrechnen dürfen. In einem nächsten Schritt findet nun eine Anhörung statt. Prompt wurde in verschiedenen Kantonen aber bereits wieder Kritik laut – auch in Bern.

Reduktion auf Zentren

Aktuell dürfen im Kanton Bern verschiedenste Spitäler komplexe Eingriffe im Bauchraum vornehmen. Das Inselspital und das Spital Beau-Site haben für sämtliche fünf Bereiche Leistungsverträge, die Lindenhofgruppe für vier und das Spital Tiefenau sowie das Spitalzentrum Biel für drei Bereiche. Tiefe chirurgische Eingriffe am Enddarm dürfen zusätzlich noch vom Regionalspital Emmental, dem Spital Region Oberaargau sowie der Spital STS AG vorgenommen werden.

«Es kann sich fast nur um ein Missverständnis ­handeln.»

Chefarzt Stephan Vorburger

Neu sollen die Operationen auf weniger Spitäler verteilt werden. Die grösste Verliererin bei der künftigen Zuteilung ist die Lindenhofgruppe. So ist vorgesehen, dass sie ihre Leistungsverträge verliert. Die Gruppe kommt auf der neuen Spitalliste nicht mehr vor. Dasselbe gilt für das Tiefenauspital. Und auch im Emmental und im Oberaargau sollen künftig laut der GDK keine komplexen Eingriffe am Enddarm mehr vorgenommen werden dürfen. Beim Inselspital hingegen bleibt alles beim Alten, das Beau-Site verliert lediglich den Auftrag für Eingriffe an der Speiseröhre.

Bei der Lindenhofgruppe gab es gestern keinen Kommentar zur neuen Einteilung. Die verantwortlichen Personen seien ausser Haus, hiess es. Und auch bei der Berner Insel-Gruppe, zu der das Spital Tiefenau gehört, wollte man sich nicht zum Vorschlag der GDK äussern.

Kritik aus dem Emmental

Überrascht reagiert hat man hingegen beim Regionalspital Emmental. «Es kann sich fast nur um ein Missverständnis handeln», sagt der Chefarzt Chirurgie Stephan Vorburger. Sein Spital erfülle alle qualitativen Vorgaben, und auch die vorgeschriebenen Mindestfallzahlen würden übertroffen. Zudem habe das Spital bei der Weiterbildung in der Behandlung von Enddarmtumoren eine «schweizweite Vorreiterrolle». Entsprechend könne Vorburger den Entscheid der GDK nicht nachvollziehen. Er sei aber zuversichtlich, dass dieser aufgrund «unserer Fakten und Argumente» noch korrigiert werde.

Beim Spital Region Oberaargau habe man gewusst, dass es knapp werde, sagt Chefarzt Thomas Kinsbergen. So wurden die geforderten Mindestfallzahlen von zwölf Behandlungen in den letzten drei Jahren knapp unterschritten. Man wolle den Entscheid nun aber analysieren und prüfe auch eine Kooperation mit dem Regionalspital Emmental.

Ab Mitte Dezember können die betroffenen Spitäler offiziell Stellung zur neuen Einteilung ­beziehen. Nach der Anhörung verabschiedet die zuständige Fachstelle die definitive Liste. Dagegen wiederum können die Spitäler wie in der Vergangenheit Beschwerde vor Bundesverwaltungsgericht führen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch