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Ludothek Münchenbuchsee: Hat es sich ausgespielt?

Am Montag entscheidet sich, ob die Ludothek Ende Jahr zugeht. Eine Weiterführung dürfte schwierig werden – auch weil die Gemeinde keine geeigneten Räume zur Verfügung stellt.

Käthi Fricker hat die Ludothek durch Höhen und Tiefen geführt. Nun hat sie den inneren Schlussstrich gezogen. Foto: Susanne Keller
Käthi Fricker hat die Ludothek durch Höhen und Tiefen geführt. Nun hat sie den inneren Schlussstrich gezogen. Foto: Susanne Keller

Was 1979 begann, wird 2020 wohl nicht mehr sein: An der Hauptversammlung der Ludothek Münchenbuchsee werden die Vereinsmitglieder nächsten Montag über eine Auflösung entscheiden. Die Zeichen stehen auf Sturm, eine Weiterführung des Spielverleihs ist aus verschiedenen Gründen unwahrscheinlich.

Präsidentin Käthi Fricker sagt es so: «Es stehen fünf Rücktritte an. Können die Helferinnen ersetzt werden, ist nur eines unserer Probleme gelöst.» Das Gebäude – die ehemalige Post beim Bahnhof – ist stark sanierungsbedürftig und ein künftiges Mietverhältnis ungewiss.

Zudem verzeichnet die Ludothek seit drei Jahren einen markanten Einbruch bei den Ausleihen. Nach dem Grund dieses Rückgangs gefragt, zögert Fricker kurz. Schliesslich sagt sie: Der Raum sei nicht anmächelig, und die Gemeinde sei nicht bereit, eine höhere Miete zu zahlen.

Verschärfend kommt hinzu, dass die Gemeinde eine Ecke in der Ludothek einer Freikirche als Depot untervermietet hat und ein Wasserschaden vom Besitzer nie ausgebessert wurde. Trotzdem: Anprangern mag Fricker die Behörde nicht, immerhin übernehme ja die Gemeinde die Mietkosten.

Lange gesucht

Eigentlich ist die Ludothek Münchenbuchsee weitherum bekannt. Ihr Kundenverzeichnis umfasst Personen aus über 30 Ortschaften. Auch hat der Verein einige «Renner» anzubieten: So stehen viele robuste Dreiräder und kleine Velos für die Ausleihe bereit. Es sind Fahrzeuge, deren Neupreis bis zu 700 Franken beträgt. Erfolgreich sind auch die Spielanimationen während der Ferienzeit und Spielnachmittage im Freispielpark.

Daher erstaunt es nicht, dass Fricker ihr Amt als Präsidentin mit leiser Wehmut abgibt. Seit 20 Jahren ist sie mit dabei und hat die Ludothek durch Höhen und Tiefen geführt. Doch jetzt ist für sie der innere Schlussstrich gezogen. Man habe mit den Vereinsmitgliedern durchaus auch nach innovativen Alternativen für eine Weiterführung gesucht, sagt sie.

So kam die Idee einer Ausleihe via Internet ins Spiel oder eine Konzentration auf die Spielanimation. Die Ideen hielten dem Realitätstest nicht stand. Dass die heutige Form von Ludotheken nicht zukunftsträchtig sei, verneint Fricker. Es gebe durchaus Ludotheken, die einen Zuwachs an Kundschaft verzeichnen könnten.

Es geht auch anders

Etwas kritischere Worte als Käthi Fricker wählt Erika Rutishauser, die Präsidentin des Verbands Schweizer Ludotheken. Sie hat kürzlich die Ludothek in Münchenbuchsee besucht und die Räume als «höchst ungeeignet» taxiert. Mit Abfallsäcken beim Eingang, einem Wasserschaden in der Diele und in einer Ecke einem Möbeldepot mache es einfach keinen Spass, ehrenamtlich für die Ludothek tätig zu sein. Auch Kunden würden so vertrieben.

Gemäss Rutishauser hängt der Erfolg einer Ludothek in den meisten Fällen mit den Räumlichkeiten und dem Engagement der Gemeinde zusammen. Sie führt Gossau und Langenthal als Beispiele an: In beiden Gemeinden stellten die Behörden grosszügige und gemütliche Räume zur Verfügung, griffen der Ludothek finanziell unter die Arme und sähen sie als ein wichtiges Angebot. Ein Stadt-Land-Problem kann die Verbandspräsidentin nicht orten. Auch nähmen die Ludotheken neue Trends sofort auf und würden so für die Kunden attraktiv bleiben.

Der Gemeinderat von Münchenbuchsee hat bereits im Mai 2016 entschieden, längerfristig die Raummiete für die Ludothek nicht mehr zu übernehmen. Die Ludothek sei ein Verein wie jeder andere auch, sagt Gemeinderat Andreas Luginbühl. Er war 2016 Vorsteher des Departements Kultur, Freizeit und Sport.

Luginbühl weist auf die Indexierung für die Beiträge an die Vereine hin. Eine Vorzugsbehandlung sei nicht fair. Wie wichtig ein Verein für das Dorf sei, werde naturgemäss unterschiedlich wahrgenommen. Auf Zusehen hin bezahle die Gemeinde der Ludothek die Miete. Ist dies das Ende – oder gibt es doch noch eine Lösung? Der nächste Montag wird es zeigen.

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