Lyss ist wegen Chrigu Stucki aus dem Häuschen

Lyss

Es gab kein Durchkommen mehr: Der Empfang für Christian Stucki wurde zu einem grossen Sommervolksfest.

Stucki Chrigu geniesst das Bad in der Lysser Menge.
Simone Lippuner

Fünf vor sieben, in Lyss ist nichts mehr wie sonst. In wenigen Minuten wird er losgehen, der grosse Umzug durchs Dorfzentrum. Gemeindeschreiber Daniel Strub gibt letzte Anweisungen. Wo die Treichler zu wenden haben. Wo die Fahnenträger ihre Fahnen hinstellen müssen. Was zu tun und was zu lassen sei.

Die Nervosität passt so gar nicht zu einem schwülen Spätsommerabend – oder eben doch: Der Einzige, der in der hektischen Masse hervorsticht wie der klassische Fels in der Brandung, ist Christian Stucki. Als wäre für den Schwingerkönig nicht nachvollziehbar, weshalb um ihn solcher Zirkus veranstaltet wird. Wer schon etwas früher da war, konnte beobachten, wie Stucki geduldig Interviews gab, Menschen umarmte, Selfies machte.

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Christian Stucki ist der erste Seeländer Schwingerkönig, und das muss gefeiert werden. Nach dem ersten Empfang in Lengnau vom Montag putzten sich gestern Lyss und seine Einwohner für ihren Star heraus. Zwei Tage hatte Stuckis Wohngemeinde Zeit, eine Feier auf die Beine zu stellen. Und das ist gelungen. Wer nicht in Tracht, Edelweisshemd oder im Vereinsdress erschienen ist, war mit Mikrofon und Kamera bekleidet, kurz: Alle kamen. Mit Kinderwagen, an Stöcken, im Rollstuhl, wenn der König kommt, gibt es kein Hindernis.

Spontanes Sommerfest

«Fantastisch, einfach nur fantastisch», kräht Gemeindepräsident Andreas Hegg (FDP) durch die Menge, kurz bevor sich der Umzug in Gang setzt. Lyss sei aus dem Häuschen, Tausende auf der Strasse, Stucki hat dem Dorf ein spontanes Sommerfest beschert.

Die Strassen rund um den Marktplatz sind gesäumt mit Menschen, die an diesem Abend zwei Dinge vereinen: der Stolz auf Stucki und der Fakt, dass alle kleiner sind als der 2-Meter-Mann. Die einzigen Menschen, die Stucki das Wasser reichen können, sind die Kleinkinder auf den Schultern ihrer Papis.

Die Tränen von Cécile

Die Turner, Schützen, Velofahrer, Volleyballer, alle Vereinsmenschen marschieren im Umzug mit, tragen Fahnen und Blumen und ein grosses Grinsen im Gesicht. Direkt bei Stucki: seine Frau Cécile und die Söhne, Elia und Xavier. Wer genau hinschaut, entdeckt bei Cécile feuchte Augen. Die Menschen rufen Chrigus Namen, klatschen, winken, der Schwinger winkt zurück. In Lyss gibt es kein Durchkommen mehr. Ganz langsam schiebt sich der Tross in Richtung Marktplatz, wo eine grosse Bühne steht und lange Festtische, die mit Sonnenblumen und Rosen geschmückt sind.

Vor der Bühne tummeln sich nun Lysser Gemeinderäte, weitere Familienmitglieder von Stucki, und auch Bundespräsident Ueli Mauer soll anwesend sein. Doch wer es nicht bis weit nach vorne geschafft hat, für den bleibt der Bundesrat in der Menschenmasse unsichtbar.

«Unser König ist der Grösste», steht auf einem Plakat an der Bühne, die nun von Gemeindepräsident Hegg betreten wird. «Chrigu, jitz muesch uf d Bühni cho», schreit er ins Mikrofon. Und Chrigu kommt. «Wir sind sehr, sehr stolz auf dich», sagt Hegg, der darauffolgende Applaus ist ohrenbetäubend. Stucki greift sich das Mikrofon. Es raschelt, er krächzt: «Meine Stimme versagt ein bisschen. Danke, dass ihr alle gekommen seid, dir sit aues geili Sieche!»

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