Märchenhafter Gang aufs Glatteis

Schwarzsee

Wieder stehen Eispaläste am Ufer der Sense in den Freiburger Voralpen. Der Platz wurde entrümpelt, das Angebot erweitert. Das Publikum dankt es und strömt jeden Abend hin. 

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Es ist 19.30 Uhr und stockfinster. So wird schon der Fussweg zu den Eispalästen zum Abenteuer. Sicherheitshalber greifen kleine Kinder nach der Hand von Papi oder Mami, während man vom Parkplatz steil hinab in den dunklen Wald taucht und vorerst einmal nichts sieht. Wegweiser sind im Dunkeln nicht lesbar, aber von weitem schimmern farbige Lichter zwischen den Tannenbäumen.

Viele kennen den Weg, und plötzlich ist da das Drehkreuz zum Eingang mit der Kasse. Für zehn Franken dürfen Erwachsene auf den Rundgang. Eine ausgeklügelte Mischung aus Sand mit wenig Salz sorgt dafür, dass der Spaziergang auf den eisigen Wegen und Treppen nicht zu einer Rutschpartie wird. Glitzernd, rot, blau, grün und gelb beleuchtet, ragen die Türme der grossen Eispaläste in den Sternenhimmel.

Ein Lebenswerk

Leise Musik ertönt. Im Hintergrund rauscht die Sense, die hier noch ein Bergbach ist. Was für ein schöner Ort. Hier hat der ehemalige Schuhmacher Karl Neuhaus 1980 angefangen, im Wald unterhalb seines Hauses selbst gebaute Holzkonstruktionen mit Eis zu überziehen. Im Laufe der Zeit wuchs das Ganze zu einem Minidörfchen an. Neuhaus hatte eine Technik entwickelt, immer wieder Wasser über die Paläste zu sprenkeln, so, dass es zu Zapfen gefror und die Eisschicht immer dicker wurde. Vor zwei Jahren hat der damals 80-Jährige altershalber sein Lebenswerk an Schwarzsee Tourismus übergeben. Heute kümmert sich ein 14-köpfiges Team um den Betrieb.

«Wir möchten eine märchenhafte Welt erschaffen, die sich immer wieder verändert.»Adolf Kaeser 

Der Unterhalt der Bauten, die elektrischen Installationen, das Restaurant, der neue Kiosk, die Beleuchtung und das «Vereisen» geben eine Menge Arbeit. «Es war nicht einfach, herauszufinden, wie man das Eis regelmässig erneuert, damit die Paläste schön aussehen», sagt Adolf Kaeser, Direktor von Schwarzsee Tourismus.

Die Dosierung des Wassers aus einer Quelle brauche viel Feingefühl, damit Eiszapfen und schöne Formen entstünden. Der Start sei schwierig gewesen, weil der Sturm Burglind im Winter 2017/2018 Schaden angerichtet habe. «Da galt es aufzuräumen und zu reparieren.»

Fondue und Cervelats

«Wir möchten eine märchenhafte Welt erschaffen, die sich immer wieder verändert», gerät Kaeser nach dem Rundgang ins Schwärmen. Im Wäldchen an der Sense ist es kalt. Die Eiskonstruktionen scheinen Kälte auszustrahlen. Der Körper verlangt nach Wärme. Die findet man in der früheren Buvette, die zu einem einfachen, von Wirtin Katrin Schumacher professionell geführten Restaurant wurde.

Auch hier wurde entstaubt, entrümpelt und frisch gestrichen. Das Angebot ist klein, am beliebtesten ist das Fondue, dessen Geruch die Gaststube erfüllt. Wer sich nicht an einen der Tische mit den rot-weiss karierten Tischtüchern setzen will, kann sich draussen einen Cervelat braten.

Märchenhafte Anlage

Der Grundriss der Anlage ist so geblieben, wie sie Neuhaus geschaffen hat. Es gibt zwei Rundgänge mit verschiedenen Sujets wie etwa die Eiskönigin, dargestellt von einer Puppe; die Mariengrotte, eine Kapelle, in der man Kerzen anzünden kann; einen Wildpavillon mit ausgestopften Tieren; dazu eine Baumschaukel und einen Kinderturm mit Eisrutsche. Neu ergänzt ein Kiosk das kulinarische Angebot.

«Wir wollen vermehrt Familien ansprechen und die Anlage noch kinderfreundlicher und märchenhafter gestalten», erklärt Adolf Kaeser. Das Ziel sei, die ­Eispaläste vermehrt in die künstlerische Richtung zu gestalten sowie Ausstellungen zu organisieren, beispielsweise mit Eisskulpturen.

Jeweils um 21 Uhr schliesst die Anlage. Kurz davor machen sich die letzten Besucher auf den Heimweg durch den dunklen Wald zum Parkplatz. Durch die Finsternis zu gehen, macht vor allem den Kindern Spass – und gerade so viel Angst, dass sie in der Nähe der Eltern bleiben. 

https://www.schwarzsee.ch/de/Z9912/eispalaeste

Berner Zeitung

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