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Masern sorgen für Aufregung

Die Masern machen in der Stadt Bern Schulen und Kindertagesstätten nervös. Betroffen sind derzeit die Kita Länggasse und der Campus Muristalden.

An Masern erkrankte Kinder führen dazu, dass ungeimpfte Gspänli drei Wochen zu Hause bleiben müssen.
An Masern erkrankte Kinder führen dazu, dass ungeimpfte Gspänli drei Wochen zu Hause bleiben müssen.
Keystone

Wenn ein Kind an Masern erkrankt, stehen Kita, Kindergarten oder Schule vor einer hochkomplexen Detektivaufgabe: Mit wem hatte es Kontakt? Seit wann genau ist es ansteckend? Und vor allem: Wer von den Gspänli ist dank Impfung geschützt? Wer es nicht ist und sich möglicherweise angesteckt hat, muss bis zu 21 Tage daheim bleiben. Die betroffenen Institutionen können sich dabei auf das eidgenössische Epidemiengesetz stützen.

Diese Woche haben die Berner Schulen über die Möglichkeit von Ausschlüssen informiert. Da am Samstag die Frühlingsferien beginnen, sollte dies den Müttern und Vätern kaum Kopfzerbrechen bereiten. Doch nun verteilen auch Kitas Informationen zu Masern. Einzelne wollen sogar wissen, welche Buben und Mädchen geimpft sind und welche nicht. Der Grund: Im Kanton Bern gibt es laut Gesundheitsdirektion eine «Häufung von Masernfällen». Konkret haben sich seit Anfang Jahr 65 Personen angesteckt. In der Stadt Bern haben die Kita Länggasse und der Campus Muristalden Erkrankungen gemeldet.

Acht Kinder ausgeschlossen

In der Kita Länggasse trat Anfang Woche ein Masernfall auf. «Wir haben sofort alles Notwendige veranlasst: das Kantonsarztamt informiert, das Stadtberner Jugendamt sowie die Eltern», sagt Michael Giger, Präsident Stiftung Kindertagesstätten Bern. Zurzeit müssten acht Kinder daheim bleiben. Einige von ihnen sind unter neun Monate alt und wurden deshalb noch nicht geimpft Für Eltern, die eigentlich auf die Betreuung angewiesen wären, ist der Ausschluss eine schwierige Situation. «Das konnten wir leider nicht vermeiden», sagt Michael Giger. Dafür könne man jetzt mit Sicherheit sagen: «In der Kita Länggasse besteht keine Ansteckungsgefahr.»

Der Campus Muristalden berichtet von zehn Schülern, die betroffen sind. Er ging ähnlich vor wie die Kita Länggasse. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass Schulen dank der regelmässigen schulärztlichen Untersuchungen besser wissen, welche Kinder geimpft sind und welche nicht. Das ist insofern entscheidend, als man sich innerhalb von 72 Stunden nach einer möglichen Ansteckung nachimpfen lassen kann.

Kitas müssen die Informationen, wer gefährdet ist, häufig erst mühsam zusammensuchen. «Wir empfehlen deshalb schon lange, dass Kindertagesstätten – wie jetzt in der Stadt Bern – den aktuellen Impfstatus der Kinder beim Eintritt dokumentieren», sagt Susanne Stronski vom Gesundheitsdienst der Stadt Bern.

Von Biel aus ausgebreitet

Einen Anstieg von Masernkrankungen gibt es weltweit, auch in zahlreichen europäischen Ländern. «Aus Osteuropa werden viele Fälle gemeldet», sagt Gundekar Giebel von der kantonalen Gesundheits- und Fürsorgedirektion. Er betont, dass sich das Virus durch Tröpfchen verbreitet. Zum Beispiel beim Sprechen oder Husten. Im Kanton Bern tauchten die Masern zunächst Anfang Jahr an der Rudolf-Steiner-Schule in Biel auf. Von dort aus haben sie sich nun ausgebreitet. Das ist aber nicht das erste Mal, dass es im Kanton Bern zu einer Häufung von Masernfällen kommt: Zuletzt passierte dies vor zehn Jahren. Damals erkrankten insgesamt 138 Menschen.

Die sogenannte Durchimpfungsrate im Kanton beträgt bei Kindern 89 bis 94 Prozent. In der Stadt Bern sind es etwas mehr – fast 95 Prozent. Das klingt zwar nach viel, doch es reicht nicht, um die Ausbreitung von Masern zu verhindern. Dafür müssten mindestens 95 Prozent aller Menschen geimpft sein.

Gefährliche Spätfolgen

Dass dem nicht so ist, liegt daran, dass Masern nach wie vor unterschätzt werden. «Wenn man zu Impfungen wegen Zecken aufruft, melden sich sehr viele Eltern», meint Susanne Stronski vom Gesundheitsdienst der Stadt Bern. Bei Masern seien die Vorbehalte deutlich grösser. «Dabei können Masern nicht nur bei Kindern tödlich verlaufen, es gibt auch mögliche Spätfolgen bei Erwachsenen.» So sei vergangenes Jahr ein Patient an masernbedingter Hirnverkalkung gestorben – er hatte als Kind viele Jahre zuvor die Masern gehabt.

Was sollen Eltern tun, wenn sie befürchten, ihr Kind oder sie selbst könnten erkrankt sein? Den Arzt anrufen und ihm Bescheid geben. Die Schulleitung informieren. Und anschliessend: Daheim bleiben, damit nicht noch weitere Personen angesteckt werden.

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