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«Massive Fehler» in Prêles

Bei der Planung und dem Umbau des Jugendheimes in Prêles seien «massive Fehler» gemacht worden, bescheiningt die zuständige Geschäftsprüfungskommission.

Aus für das Jungendheim. In Prêles leben bald Flüchtlinge.
Aus für das Jungendheim. In Prêles leben bald Flüchtlinge.
Keystone
Regierungsrat Hans-Jürg Käser und Experte Peter Seiler erklären, warum aus dem Jugendheim ein Ausschaffungsgefängnis werden soll.
Regierungsrat Hans-Jürg Käser und Experte Peter Seiler erklären, warum aus dem Jugendheim ein Ausschaffungsgefängnis werden soll.
Keystone
Thomas Freytag, Chef des kantonalen Amtes für Freiheitsentzug und Betreuung.
Thomas Freytag, Chef des kantonalen Amtes für Freiheitsentzug und Betreuung.
zvg
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Die grossrätliche Geschäftsprüfungskommission wirft den Behörden im Zusammenhang mit dem Umbau des ehemaligen Jugendheims Prêles Fehlplanung vor. Der Kanton habe 38 Millionen Franken investiert, ohne den Bedarf genau abzuklären. Die Regierung sieht dies anders.

Das damalige Jugendheim wurde von 2009 bis 2012 für insgesamt 38 Millionen Franken saniert und erweitert. Nur vier Jahre später, im Februar 2106, schloss der Kanton die Institution auf dem Tessenberg wegen chronischer Unterbelegung und Defiziten. Das rief die Politik und die Aufsichtsgremien auf den Plan.

Die Geschäftsprüfungskommission spricht in ihrem Bericht von «massiven Fehlern», die begangen worden seien. Die Verantwortlichen hätten die Planung an die Hand genommen ohne verlässliche Angaben über die künftige Entwicklung des Bedarfs an Plätzen für die Unterbringung von verhaltensauffälligen Jugendlichen.

Allerdings habe damals auch keine gesamtschweizerische Planung existiert, hält das Gremium den Verantwortlichen zugut.

Weiter kritisiert die GPK, dass im Betriebskonzept betriebliche und betriebswirtschaftliche Fragen nur am Rand thematisiert worden seien. Zudem sei bei der Auftragsvergabe ein Büro ohne besondere Erfahrung mit dem Bau solcher Institutionen betraut worden. Auch an einem Controlling, das rechtzeitig den Warnfinger gehoben hätte, habe es gefehlt.

Schliesslich sei der Kanton mit dem 38-Millionen-Projekt Risiken eingegangen, obwohl der Anteil bernischer Jugendlicher in Prêles seit Jahren gering war, schreibt die GPK in einer Mitteilung vom Freitag.

Regierung weist Kritik zurück

Die Berner Kantonsregierung lässt die Kritik nicht unbeantwortet. Die GPK ziehe ihre Schlüsse in heutiger Kenntnis der Nachfrageentwicklung. Damals habe man nicht voraussehen können, dass die Belegung ab 2010 um 71 Prozent zurückgehen würde, schreibt sie in einer Mitteilung vom Freitag.

Der Regierungsrat betont, dass die Planung des Umbaus vor 15 Jahren erfolgte. Die dem Projekt zugrunde gelegten Bedarfszahlen seien damals von allen Seiten bestätigt worden. Ein bewusstes oder fahrlässiges Widerhandeln gegen kantonale Interessen sieht daher die Regierung nicht.

Die Abläufe für die Planung und die Ausführung von Bauvorhaben seien in den letzten 15 Jahren stetig verbessert worden, hält der Regierungsrat weiter fest. Die Standards seien komplett überarbeitet und verschärft worden.

Die von der GPK gemachten Empfehlungen sieht die Regierung bereits als umgesetzt. Der Kanton habe die Standards in den letzten Jahren komplett überarbeitet und entsprechend verschärft.

Die Geschäftsprüfungskommission ihrerseits kündigte an, künftig ein besonderes Augenmerk auf die Umsetzung ihrer Empfehlungen zu legen.

Vermehrt in den Schlagzeilen

Das Jugendheim Prêles sorgte verschiedentlich für negative Schlagzeilen, etwa wegen entlaufener Jugendlicher, Führungsmängeln und anderem. Dazu kam, dass die Zahl der zu stationären Massnahmen verurteilten jungen Erwachsenen in der Schweiz zurückging und der Aufenthalt in Prêles mehr kostete als in vergleichbaren Einrichtungen in anderen Kantonen.

Im Februar 2016 zog der Kanton die Reissleine und kündigte die Schliessung und Umnutzung des Jugendheims auf Ende Jahr an. Regierungsrat Hans-Jürg Käser wehrte sich gegen den Vorwurf der Verschleuderung von Steuergeldern. Bereits damals betonte er, man habe die Entwicklung nicht voraussehen können. Käser ist seit 2006 im Amt.

Der Kanton plant, das ehemalige Jugendheim als Asylunterkunft und Ausschaffungsgefängnis zu nutzen.

SDA

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