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Matte-Clubsterben: Nause weist Vorwürfe zurück

Immer mehr Ausgehlokale verlassen das Berner Mattequartier. Behörden und Anwohner seien daran schuld, sagen die Betreiber.

Jimy Hofer will sein Lokal in der Matte per sofort schliessen.
Jimy Hofer will sein Lokal in der Matte per sofort schliessen.
Urs Baumann
Hofers Vorwurf, dass auch die Behörden schuld am Aus der Broncos-Loge tragen, lässt der Sicherheitsdirektor Reto Nause so nicht gelten.
Hofers Vorwurf, dass auch die Behörden schuld am Aus der Broncos-Loge tragen, lässt der Sicherheitsdirektor Reto Nause so nicht gelten.
Jürg Spori
Hofer schliesst aus diversen Gründen, auch weil im Juli der Poller in Betrieb genommen werden soll.
Hofer schliesst aus diversen Gründen, auch weil im Juli der Poller in Betrieb genommen werden soll.
Susanne Keller
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Alt-Stadtrat und Broncos-Chef Jimy Hofer schliesst nach 25 Jahren seine Broncos-Loge im Berner Mattequartier. Zugezogene Anwohner und die Behörden seien daran schuld, sagt er. Anwohner haben ihre Einsprachen gegen die geplante Überzeitbewilligung bis vors Verwaltungsgericht weitergezogen. Die Kosten des Verfahrens wurden Hofer zu hoch. Ein weiterer Grund für die Schliessung sei auch der Matte-Poller und das damit verbundene Nachtfahrverbot, sagt er.

Die Broncos-Loge ist nicht das einzige Lokal, das aus der Matte wegzieht. Wie der «Bund» berichtet, schliesst auch das griechische Restaurant Santorini. Auch dort gibt der Wirt den Behörden und Anwohnern die Schuld. Wegen jeder Meldung eines Anwohners sei gleich die Polizei ausgerückt, wird er zitiert.

Hypersensible Nachbarn

Grundsätzlich müsse man vorsichtig sein, wenn Beizer nur die Behörden und Anwohner für das Aus ihres Lokals verantwortlich machen, sagt Thomas Berger, Präsident des Vereins Pro Nachtleben Bern. Als das Rauchverbot eingeführt wurde, sei dies nicht anders gewesen: «In der Matte und der unteren Altstadt sind die Fronten zwischen einzelnen Anwohnern und Betreibern aber offensichtlich verhärtet», sagt er.

Dies habe sich bereits beim Sous-Soul und beim Wasserwerk gezeigt. Beide Lokale sind mittlerweile verschwunden. Zum Ärger von Berger: «Es scheint eine neue Volkskrankheit zu kursieren, die Hypersensibilität.» Jeder wolle ein lebendiges Nachtleben, aber keiner dulde es in der eigenen Nachbarschaft.

Stelle wurde nicht aktiv

Um solche Konflikte wie in der Matte zu entschärfen, hat die Stadt Bern vergangenes Jahr die Vermittlungsstelle Nachtleben geschaffen. Im Fall der Broncos-Loge und des Santorini hat sich diese aber nicht eingeschaltet.

Thomas Berger von Pro Nachtleben Bern erstaunt dies. «Diese Stelle wurde extra geschaffen, um in solchen Situationen zu vermitteln», sagt er. Auch wenn sich weder Jimy Hofer noch die Anwohner meldeten, hätte die Vermittlungsstelle sich von selber einschalten können. Er relativiert aber: «Bei der Broncos-Loge wäre dies wohl zu spät erfolgt.» Trotzdem ist er überzeugt: «Sie ist die einzige kurzfristige Massnahme im überarbeiteten Nachtlebenkonzept, die eine Lösung hätte bringen können.»

Matte wäre geeignet

Im ehemaligen Ausgehviertel wird es bald früher Nachtruhe geben. Er persönlich würde es schade finden, wenn das Nachtleben ganz aus der Matte verschwinden würde, sagt Gemeinderat Reto Nause (CVP). Die Matte wäre ein guter Ort fürs Nachtleben, dies sei auch im städtischen Konzept so vorgesehen. Darum habe man der Broncos-Loge auch eine generelle Überzeitbewilligung erteilt.

Dass Anwohner dagegen Einsprache erheben, sei aber legitim. Jimy Hofers Vorwurf, dass auch die Behörden schuld am Aus der Broncos-Loge tragen, lässt er so nicht gelten: «Den Poller gibt es noch gar nicht, und das Rauchverbot existiert schon länger», sagt er.

Nause findet nicht, dass die städtische Vermittlungsstelle in diesem Fall versagt hat: «Es handelt sich um eine Anlaufstelle. Die Beteiligten müssen sich an sie wenden und nicht umgekehrt.» Der Einzige bei der Stadt, der einen Überblick über alle Verfahren habe, sei auch nicht die Vermittlungsstelle, sondern der Bauinspektor. Im Übrigen sei die besagte Stelle erst seit diesem April in Betrieb.

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