Mehr Kaffee für Bern

Stadt Bern

Im Marzili eröffnen drei Berner die Rösterei Aromawerk. Neben nachhaltigem Kaffee soll es Kurse für die Zubereitung des perfekten Getränks geben.

Das Herzstück von Aromawerk: Lukas Muheim, Matthias Kiener und Daniel Schmutz vor ihrer Kaffeeröstmaschine.

Das Herzstück von Aromawerk: Lukas Muheim, Matthias Kiener und Daniel Schmutz vor ihrer Kaffeeröstmaschine.

(Bild: Raphael Moser)

Annic Berset

Sorgfältig wählt Lukas Muheim die Bohnen aus einer bestimmten Kaffeemischung aus und lässt sie in der Maschine verschwinden. In einem satten Braun fliesst der Kaffee heraus, der Duft erinnert an eine kleine Bar irgendwo in Italien. Locker schüttet Muheim die geschäumte Milch aus dem Handgelenk in die Tasse, das Muster entsteht mit den richtigen Bewegungen fast von allein – und kurz darauf ist ein Cappuccino wie aus dem Bilderbuch auf dem Tisch.

Gute Maschine reicht nicht

Dem 29-jährigen Barista ist seine Leidenschaft für Kaffee anzusehen. Lebhaft erzählt er von Röstvorgängen und Mischverhältnissen der Bohnensorten als Grundlage dafür, den optimalen Kaffee zu erhalten. «Bei den Mischverhältnissen gibt es keine Grenzen, deshalb wird eine Kaffeemischung auch nie hundertprozentig gleich schmecken wie eine andere.» So sei es möglich, auf individuelle Vorlieben einzugehen.

Und genau das ist das Ziel von Muheim. Gemeinsam mit Matthias Kiener und Daniel Schmutz hat er die Kaffeerösterei Aromawerk im Marziliquartier gegründet. «Wir wollen vor allem eins: die Kaffeekultur fördern», sagt Matthias Kiener. Der Trend gehe wieder weg von den Kapseln, wo alles ähnlich schmecke, hin zu den Siebträgermaschinen, die man manuell bedienen könne. «In Bern gibt es nur noch sehr wenige Röstereien, und wir wollen dieses Angebot vergrössern», so Muheim. Es gebe viele Kaffeeinteressierte, die gerne einen guten Kaffee tränken, ihn aber nicht selber zubereiten könnten. «Da wollen wir mit Beratungen und Kursen Abhilfe schaffen.» Ausserdem bietet Aromawerk Anlässe und Caterings an.

Lange Suche

Angefangen hat alles vor drei Jahren. «Wir sassen bei einem Kaffee zusammen und unterhielten uns darüber, wie wichtig uns die Qualität, der Geschmack und die Nachhaltigkeit sind», erzählt ­Lukas Muheim. Aus diesem Gespräch entstand die Idee der eigenen Rösterei.

Durch einen Aufenthalt in Brasilien knüpfte Matthias Kiener erste Kontakte zu Kaffeebauern und besuchte Plantagen vor Ort. Muheim spezialisierte sich unterdessen in Bern zum Barista und besuchte Lehrgänge im Rösten von Kaffee. «Dann haben wir ein halbes Jahr nach einer geeigneten Liegenschaft gesucht, wo wir die Rösterei betreiben können», sagt Matthias Kiener. Das sei zunächst gar nicht so einfach gewesen. Denn Kaffeebohnen müssen bei bestimmten Bedingungen gelagert werden. «Ist der Lagerraum zu feucht, ist er nicht geeignet für Kaffee.»

Fündig wurden die drei Unternehmer schliesslich am Sulgenrain 22. «Wir haben viel in den Umbau der Liegenschaft investiert. Das war auch nötig», erzählt Kiener. Von neuen Böden und Wänden, die verputzt und gestrichen werden mussten, bis zu Türen, die umplatziert wurden – bei vielem haben die Berner selber Hand angelegt. «Wobei ich eher bei meinen Kaffeekreationen geblieben bin», sagt Lukas Muheim mit einem Schmunzeln. Zum Glück seien seine Kollegen handwerklich begabt. Herausgekommen sind nach unzähligen Arbeitsschritten Räumlichkeiten, die nicht nur die Kaffeerösterei beherbergen, sondern auch Co-Working-Plätze bieten.

Bauern unterstützen

Dem 29-Jährigen, der sich im ­Lokal der Kaffeeproduktion widmet, ist vor allem die Herkunft seiner Bohnen wichtig. «Wer unseren Kaffee kauft, soll von A bis Z wissen, woher er kommt», erklärt Muheim. Ziel von Aromawerk sei es, die Bohnen direkt von Farmern in Brasilien, Kamerun, Costa Rica oder Kolumbien zu beziehen. «Wir möchten sicherstellen, dass in den Bohnen keine Pestizide sind, daher ist es wichtig, die Herkunft des Kaffees und die Bauern zu kennen.» Ausserdem wollen die Berner die Produzenten langfristig so weit unterstützen, dass sie den Kindern eine Schulbildung ermöglichen können. «Deshalb streben wir an, den Kaffeebauern einen Preis für die Bohnen zu zahlen, der auch unabhängig von der Börse fair ist.»

Infos unter www.aromawerk.ch Die Kaffeerösterei feiert am 27./ 28. April Eröffnung.

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