Mehrere Freisprüche für GC-Fans

Der Prozess gegen GC-Fans endete mit einem Rüffel für die Staatsanwaltschaft.

GC-Fans beim Spiel gegen Sion in diesem März. Das Spiel musste abgebrochen werden, weil Chaoten Pyros aufs Feld warfen.

GC-Fans beim Spiel gegen Sion in diesem März. Das Spiel musste abgebrochen werden, weil Chaoten Pyros aufs Feld warfen.

(Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Michael Bucher@MichuBucher

Bei seinen Schlussworten vor dem Urteil kämpfte der Beschuldigte mit den Tränen. Seit 13 Jahren lebe er nun in der Schweiz. «Hier fühle ich mich wohl, hier habe ich meine Freunde und Familie», liest der gebürtige Deutsche mit zittriger Stimme von seinem Notizzettel. Er arbeite 100 Prozent und zahle seine Steuern pünktlich. Obwohl sein Stadionverbot seit einem halben Jahr aufgehoben sei, gehe er heute an keine GC-Spiele mehr. «Mit dem Leben in der Fankurve habe ich abgeschlossen», sagte der einstige Capo der GC-Fans.

Fotos liefern keine Beweise

Das Damoklesschwert des Landesverweises schwebte während des Prozesses über dem 33-Jährigen. Gefordert hatte ihn die Staatsanwaltschaft – plus eine Freiheitsstrafe von 11 Monaten obendrauf. Damit scheiterte sie gestern vor dem Regionalgericht jedoch kolossal. Richterin Salome Krieger sprach den Mann frei, sowohl des Angriffs als auch der Drohung und Gewalt gegen Beamte.

Es sei nicht bewiesen, dass sich der Dachdecker aus Zürich am 26. Oktober 2016 an einem gewalttätigen Angriff auf YB-Fans aktiv beteiligt hatte. Damals stürmten rund 30 – teils vermummte – GC-Ultras das Stadionrestaurant Eleven und schmissen Stühle und Tische nach den friedlichen Gästen. Auch zwei Polizisten wurden attackiert (siehe Ausgabe von gestern).

Der GC-Fan hatte eine Beteiligung stets bestritten. Vor Gericht verweigerte er jedoch die Aussage. Das Reden übernahm sein Anwalt. Dieser zerpflückte die Anklage der Staatsanwaltschaft. Die Fotos der Überwachungskameras seien qualitativ zu schlecht, um darauf seinen Mandanten zu erkennen. «Eine konkrete Tatbeteiligung wird nicht nachgewiesen.»

Dies sah auch die Richterin so. Der Beschuldigte sei erst rund vier Minuten nach dem Angriff auf Videobildern zu erkennen, und zwar bei der am anderen Ende des Stadions gelegenen Sempachstrasse. Weil ihn die Bilder dort jedoch als Teil des zuvor wütenden Mobs zeigen, sieht die Richterin den Straftatbestand des Landfriedensbruchs als erwiesen. Es ist der einzige Schuldspruch. Eine bedingte Geldstrafe von 45 Tagessätzen à 160 Franken kassiert er dafür. Ausserdem muss er eine Busse von 2400 Franken zahlen.

Kein Verteidiger eingesetzt

Zum Schluss rüffelte die Richterin noch die Staatsanwaltschaft. Wegen ihres unbedarften Vorgehens sind gleich mehrere Beweise nicht verwertbar. Zum Beispiel die erste Einvernahme nach erfolgter Hausdurchsuchung durch die Polizei in Zürich. Mit der Eröffnung einer Untersuchung hätte die Staatsanwaltschaft ihm einen Verteidiger zur Seite stellen müssen.

Das tat sie aber nicht. Auch die Handydaten des Beschuldigten gelten als nicht verwertbar. Auf diese hatte die Staatsanwaltschaft die Behauptung gestützt, dass der Mann der eigentliche Drahtzieher des Angriffes gewesen sei.

Auch zwei Kollegen des Hauptbeschuldigten sassen gestern vor Gericht. Sie hatten sich gegen ihren Strafbefehl gewehrt. Auch sie wurden hauptsächlich freigesprochen. Nur der eine von ihnen – ein tätowierter Hüne mit Stadionverbot – kassierte wegen Landfriedensbruchs eine Geldstrafe von 1800 Franken. Aufgrund seiner Vorstrafen wurde diese unbedingt ausgesprochen.

Berner Zeitung

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