Meyer Burger: Grossaktionäre kritisieren nun auch den Chef

Beim Thuner Solarunternehmen Meyer Burger steht eine ausserordentliche Generalversammlung bevor.

Das Management habe die im März verbreitete Euphorie und die an der GV bestätigte Milliarden-Pipeline nicht in Verkäufe umsetzen können, kritisieren die Aktionäre.

Das Management habe die im März verbreitete Euphorie und die an der GV bestätigte Milliarden-Pipeline nicht in Verkäufe umsetzen können, kritisieren die Aktionäre.

(Bild: Janine Zürcher)

Julian Witschi

Der Machtkampf bei Meyer Burger spitzt sich zu. Wie Ende Juli angekündigt, hat die Aktionärsgruppe um den russischen ­Investor Petr Kondrashev schriftlich den Verwaltungsrat aufgefordert, eine ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen. Sie ist dazu bemächtigt, weil die Gruppe ihren Anteil am Aktienkapital des Unternehmens kürzlich über die erforderlichen 10 Prozent erhöht hat.

An der GV soll Mark Kerekes, Co-Geschäftsführer von Kondrashevs Investmentgesellschaft Sentis Capital, in den Verwaltungsrat gewählt werden. Ende Juli hatte die Aktionärsgruppe neben Kerekes zudem auch den anderen Co-Geschäftsführer von Sentis Capital, Anton Karl, zur Zuwahl vorschlagen wollen. Davon ist sie nun abgerückt. Der Aktionärsgruppe gehören weiter die von Urs Fähndrich geführte Fondsgesellschaft Teutonia und mehrere Privataktionäre an, darunter der auf Firmenübernahmen spezialisierte Wirtschaftsanwalt Urs Schenker.

Zu viel versprochen

Für die Aktionärsgruppe ist die Zuwahl eines echten Eigentümervertreters in den heute vierköpfigen Verwaltungsrat «äusserst dringlich». Seit der ordentlichen Generalversammlung vom 2. Mai habe Meyer Burger viel Vertrauen bei den Investoren verloren.

Kondrashevs Gruppe kritisiert erstmals auch die Geschäftsleitung um CEO Hans Brändle: Das Management habe die im März verbreitete Euphorie und die an der GV bestätigte Milliarden-Pipeline nicht in Verkäufe umsetzen können. Obwohl die Geschäftsleitung damals «noch eine sehr positive Stimmung verbreitet hat», habe dann der Verwaltungsrat am 22. Juli angekündigt, alle strategischen Optionen zu prüfen. Dabei geht es auch um ein mögliches Zusammengehen mit industriellen Partnern. Dies nach erneut enttäuschenden Halbjahresergebnissen.

Eigentümer ernst nehmen

In dieser Situation sei es für die Aktionärsgruppe notwendig, dass ein Vertreter der Eigentümer im Verwaltungsrat sicherstellen könne, dass die Sicht der Eigentümer ernst genommen werde. Der in Österreich geborene Kerekes ist 43 Jahre alt, war Bankanalyst und Fondsmanager. Bei Meyer Burger will er auf ein Honorar verzichten.

Nach scharfer Kritik von Sentis Capital hatten bereits der langjährige Finanzchef Michel Hirschi und Verwaltungsratspräsident Alexander Vogel ihre Posten abgegeben. Den neuen Verwaltungsratspräsidenten Reto Lütolf unterstützte die Gruppe dagegen.

Innerhalb welcher Frist Meyer Burger die ausserordentliche GV einberufen muss, ist in den Statuten nicht geregelt. Sentis Capital geht entsprechend der Rechtslage davon aus, dass dies in den nächsten drei Wochen geschehen muss. Die Einladung muss dann mindestens 20 Tage vor der GV publiziert sein.

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