Zum Hauptinhalt springen

Mister Volley wechselt die Spur

Beat Ackermann steigt ins Cargeschäft ein. Der frühere starke Mann bei Volley Köniz hat die kleine Edelline gekauft und versucht, sich als Neuling im hart umkämpften Markt zu behaupten.

Beat Ackermann ist neuerdings mit seinen eigenen Reisebussen unterwegs.
Beat Ackermann ist neuerdings mit seinen eigenen Reisebussen unterwegs.
Nicole Philipp

Carreisen sind ein hartes Geschäft. Gross ist die Konkurrenz und gross auch der Preisdruck, was zu einer Bewegung führt, wie sie auch in vielen anderen Wirtschaftszweigen zu beobachten ist: Offen redet der Branchenverband Astag von einer «Konsolidierung, die nach unserer Einschätzung auch weiter anhalten wird». Das führe zu «weniger und dafür grösseren Firmen mit einem breiten Angebot und einem starken Backoffice».

Mit der fortschreitenden Digitalisierung und dem wachsenden Bedürfnis der Kundschaft, in Echtzeit Preise vergleichen und dann gleich bestellen zu können, spiele die IT eine immer zentralere Rolle. Das verstärke den Trend nur noch.

In diesem Umfeld, in dem Grosse wie Eurobus und Twerenbold aus dem Aargau oder Marti aus dem Seeland schweizweit mehr und mehr den Ton angeben, hat es einer trotzdem gewagt. In zwei Schritten hat Beat Ackermann die kleine Edelline übernommen, ist vom Minderheitsaktionär, als der er letztes Jahr eingestiegen ist, in den vergangenen Wochen zum Mehrheitseigentümer des Unternehmens geworden. Als Branchenneuling notabene – wie er da bestehen kann?

Immerhin steht ihm nur gerade ein halbes Dutzend Reisecars zur Verfügung, derweil die Mitbewerber auf Flotten von bis zu siebzig und mehr Fahrzeugen zurückgreifen können.

Anders als die Grossen der Branche verfügt er zudem weder über eigene Reisebüros, die seine Busreisen verkaufen, noch über Tochterfirmen, die das angestammte Geschäft ergänzen und Wanderferien, Flussfahrten oder auch Flugreisen anbieten. Nein, sagt er, in dieser Breite sei die Edel­line nicht tätig. Aber das wolle sie auch gar nicht.

In seiner Nische

Ackermann ist in Köniz zu Hause, gilt hier als Mister Volley schlechthin. Als Geschäftsführer und Präsident hat er den örtlichen Volleyballclub während Jahren durch sportliche sowie wirtschaftliche Höhen und Tiefen geführt, und er sagt zu diesem Engagement: «Köniz ist meine Heimat.» Nicht zuletzt deshalb, schlägt er den Bogen zurück zur Edelline, habe er den Sitz der Firma aus dem Kanton Freiburg nach Köniz verlegt.

Ins Massengeschäft einzusteigen, doppelt er nach, liege ihm fern. Viel lieber redet er von der Nische, die er finden will, von den «Reisen im Premiumsegment», die er zusammen mit seinem Team plant. Er wolle nicht einfach mit dem Car von A nach B fahren und dort etwas besichtigen. «Wenn wir eine Firma besuchen, möchte ich mit meinen Gästen gleich den Direktor treffen.»

«Wenn wir eine Firma besuchen, möchte ich mit meinen Gästen gleich den Direktor treffen.»

Beat Ackermann, frischgebackener Carunternehmer

So könne er exklusive Hintergründe bieten, gleichzeitig spreche er auch eine spezielle und eben eher kaufkräftigere Kundschaft an. «Auf meinen Reisen sollen sich Gruppen von 20 bis 30 Gleichgesinnten treffen, sich kennen lernen und ein Netzwerk aufbauen, das sie weiter in den Alltag begleitet.»

Eine erste derartige Reise zum Thema Wein hat er für den Herbst bereits ins Programm aufgenommen. Erst als Idee schwebt ihm eine Reise von Uhrenmanufaktur zu Uhrenmanufaktur vor, begleitet von einem Uhrmacher, der die Infos der Chefs vor Ort mit Erzählungen aus seinem Berufsleben ergänzt.

Offen sagt er, dass dieses Konzept auch handfeste wirtschaftliche Vorteile hat: «Ich kann viel gezielter werben, muss keine Kataloge mehr drucken und breit verteilen lassen.»

Dass die Edelline bislang anders positioniert gewesen ist, landläufige Carreisen angeboten und diese mit einem aufwendig produzierten Katalog breit gestreut hat, sagt Ackermann offen.

Und nochmals: «Ich kann nicht für 19 Franken eine Tagesfahrt anbieten. Für diesen Betrag drehe ich nicht einmal den Schlüssel und fahre um den Block.» Dieses Geschäft überlasse er gerne den Grossen. «Die können das besser und vor allem günstiger.»

Jahr des Übergangs

Die Nähe zum Sport pflegte Ackermann auch hauptberuflich, zuerst als Sponsoringverantwortlicher bei einer grossen Versicherung, später mit seiner eigenen Kommunikationsagentur.

Über diese Kanäle lernte er den vormaligen Besitzer der Edel­line kennen, prompt gewann er ihn auch als Bussponsor für den Volleyballclub Köniz, heute auf Nationalligaebene nach wie vor Edelline Köniz.

Zum Handel mit der Edelline sei es vor ziemlich genau einem Jahr gekommen, blickt er zurück. «Er bot mir bei einem Treffen die Firma an, und ich sagte gleich zu.» Zu gut sei das Bauchgefühl gewesen.

Zu einem kleinen Teil ist der Vorbesitzer nach wie vor am Unternehmen beteiligt, «als Mentor», wie Ackermann beifügt. Auch sonst sind die Kontakte eng. Die Reisecars stehen selbst nach der Sitzverlegung beim Partner im Freiburgischen, wo sie bei einer seiner Firmen auch gewartet werden.

Das laufende Jahr bezeichnet Ackermann als Zeit des Übergangs, in der er vor allem noch die letzten Reisen aus dem alten Programm auslaufen lässt. Eine umso grössere Rolle spielt da das Chartergeschäft, ist es wichtig, mit den Bussen für Dritte unterwegs sein zu können.

Für Sportclubs oder Vereine genauso wie für andere Reiseanbieter: Voller Stolz erzählt er davon, dass er in diesem Sommer regelmässig für einen Mitbewerber Fahrten nach Spanien ausführen könne. «Ein Car muss 200 Tage im Jahr rollen. Sonst lege ich drauf.»

Seine Kommunikationsagentur hat Ackermann mittlerweile in die Edelline integriert, über sie will er künftig seine Reisen entwickeln und vermarkten. Zur Firmengruppe gehört weiter eine Flotte von gut vierzig Kleinbussen, die unter dem Brand Busmiete.ch mit oder ohne Chauffeur vermietet werden.

In guter Gesellschaft

Apropos klein und neu: Mit der Edelline findet sich Ackermann hierzulande in guter Gesellschaft wieder. Trotz aller Tendenz zur Grösse ist das schweizerische Cargeschäft «von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt», wie der Branchenverband Astag weiter schreibt. Die Grossen stellen trotz ihrer starken Stellung im Schweizer Reisemarkt gerade mal 5 von insgesamt rund 450 Unternehmen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch